Schwere Vorwürfe: Hat Hildebrand persönlich Dollars gekauft?

Aktualisiert

Schwere VorwürfeHat Hildebrand persönlich Dollars gekauft?

Die «Weltwoche» erhebt neue Vorwürfe gegen Philipp Hildebrand: Der Nationalbank-Chef soll die Devisen selbst gekauft haben - telefonisch. Offiziell gilt seine Frau als Käuferin.

von
Lukas Mäder
Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand hat derzeit wenig Grund zur Freude. Die «Weltwoche» wirft ihm schwere Verfehlungen vor.

Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand hat derzeit wenig Grund zur Freude. Die «Weltwoche» wirft ihm schwere Verfehlungen vor.

Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand soll die Aufträge zum Kauf und Verkauf von Devisen jeweils persönlich erteilt haben. Diesen neuen Vorwurf erhebt die «Weltwoche» in der Ausgabe von Donnerstag, wie es in einer Vorabmeldung heisst. Bisher war die Rede davon, dass Hildebrands Frau Kashya am 15. August 2011 Dollars im Wert von 400 000 Franken gekauft habe. Frau Hildebrand bestätigte dies auch gegenüber «10vor10». Philipp Hildebrand selbst habe die Transaktion nach dem Erhalt der Bankbestätigung am nächsten Tag dem Compliance-Verantwortlichen der Nationalbank (SNB) gemeldet, wie es in einer Medienmitteilung vom 23. Dezember heisst. Die SNB teilt auf Anfrage mit, dass sie keinen Kommentar zu den neuen Vorwürfen abgebe. Sie hält aber an der Darstellung fest, dass Kashya Hildebrand die Transaktion vom 15. August veranlasst habe.

Die «Weltwoche» hatte bereits Anfang Jahr mehrere Artikel veröffentlicht, in denen sie SNB-Chef Hildebrand stark kritisierte. Ihre aktuellen Vorwürfe gegen Hildebrand stützt das Wochenmagazin auf den Angaben eines Angestellten der Bank Sarasin, wie Inlandchef Philipp Gut auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt. Dieser hätte schriftlich bestätigt, dass der Nationalbank-Direktor die Devisen-Transaktionen jeweils telefonisch angeordnet habe - inklusive des Dollar-Kaufs vom 15. August. Der «Weltwoche» lägen zudem die Auszüge der Devisen-Transaktionen vor. Demnach habe Hildebrand am 15. August in zwei Tranchen 504 000 Dollar für 400 000 Franken gekauft – nur drei Wochen bevor die SNB einen Mindestkurs für den Euro festgelegt hatte. Am 4. Oktober verkaufte Hildebrand laut Angaben der «Weltwoche» diese Dollar-Position wieder mit einem Gewinn von 75 000 Franken.

Immobiliengeschäft der Hildebrands

Laut Darstellung des «Tages-Anzeigers» vom Mittwoch soll die Familie Hildebrand Anfang 2011 ein Ferienhaus in Gstaad verkauft haben und das Geld in Franken und Dollar angelegt haben. Allein im März habe Hildebrand für 1,1 Millionen Franken Dollar erstanden – gut möglich, dass das Geld vom Hausverkauf stammte. Im Oktober verkauften die Hildebrands laut «Tages-Anzeiger» erneut Dollars, um einen Wohnungskauf im Bündnerland zu finanzieren. Dass diese Immobiliengeschäfte auch bei der internen Prüfung der Nationalbank ein Thema waren, belegt die Medienmitteilung vom 23. Dezember. Dort ist davon die Rede, dass die Prüfer «Einblick in die Verträge über den Verkauf eines Hauses und den Ersatzkauf einer Wohnung durch die Familie Hildebrand im Jahr 2011» erhalten hätten. Bisher war der Hintergrund dieser Angabe unklar.

Ebenfalls von aussen nicht zu beurteilen ist, ob Hildebrand mit seinen Wechselkurs-Transaktionen gegen Gesetze oder interne Richtlinien verstossen hat. In einem Interview mit der «Bilanz» von 2006 sagte Hildebrand, dass das SNB-Direktorium keine Wechselkursoperationen vornehmen dürfe. Inzwischen gilt eine neue Version der internen Richtlinie vom 16. April 2010. Laut «Tages-Anzeiger» muss demnach eine Frist von sechs Monaten eingehalten werden bei Transaktionen, was bei Hildebrands Dollar-Position zwischen März und Oktober möglicherweise der Fall war. Doch nachprüfen lässt sich diese Regelung nicht: Die interne Richtlinie über Transaktionen von Direktoriumsmitgliedern der SNB ist aus unerklärlichen Gründen nicht öffentlich.

Offenbar mehrere Whistleblower

Die Details von Hildebrands Transaktionen sind durch Mitarbeiter der Bank Sarasin, wo der SNB-Chef ein Konto hat, an die Öffentlichkeit gelangt. Am Dienstag war bekannt geworden, dass ein IT-Supporter der Privatbank Informationen an SVP-Nationalrat Christoph Blocher übergeben habe, der am 15. Dezember die damalige Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey informiert haben soll. In der Folge kam es zu einer Untersuchung. Bei der Quelle der «Weltwoche» handelt es sich aber um einen Kundenberater, wie Gut sagt: «Ich gehe deshalb davon aus, dass es mehrere Whistleblower gibt.» Der Kundenberater werde sich selbst anzeigen und gleichzeitig gegen Hildebrand Strafanzeige wegen Insider-Handel einreichen. Die Oberstaatsanwaltschaft Zürich gab heute keine neuen Informationen heraus.

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