Neuer Raketentest: Hat Kim Jong-un dieses Mal nicht gelogen?

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Neuer RaketentestHat Kim Jong-un dieses Mal nicht gelogen?

Der angebliche Test einer Interkontinentalrakete in Nordkorea versetzt die westliche Welt in Aufruhr. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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nk
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Das Regime in Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine ballistische Interkontinentalrakete getestet. Neue Fotos sollen den Start zeigen und wurden am 4. Juli von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlicht.

Das Regime in Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine ballistische Interkontinentalrakete getestet. Neue Fotos sollen den Start zeigen und wurden am 4. Juli von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlicht.

epa/Kcna Handout
«Bei einer flacheren Flugbahn hätte die Reichweite bei 6000 Kilometern gelegen», sagt der Münchner Raketenexperte Markus Schiller gegenüber «Spiegel online». Die Rakete legte Pyongyang zufolge in 39 Minuten 933 Kilometer zurück, bevor sie ins Meer stürzte.

«Bei einer flacheren Flugbahn hätte die Reichweite bei 6000 Kilometern gelegen», sagt der Münchner Raketenexperte Markus Schiller gegenüber «Spiegel online». Die Rakete legte Pyongyang zufolge in 39 Minuten 933 Kilometer zurück, bevor sie ins Meer stürzte.

epa/Kcna Handout
Interkontinentalraketen haben per Definition eine Reichweite von über 5500 Kilometern. Das spricht dafür, dass tatsächlich eine Langstreckenrakete getestet wurde.

Interkontinentalraketen haben per Definition eine Reichweite von über 5500 Kilometern. Das spricht dafür, dass tatsächlich eine Langstreckenrakete getestet wurde.

AP

Nach eigenen Angaben hat Nordkorea erstmals eine ballistische Interkontinentalrakete getestet. Rund um den Globus hagelt es Kritik, sogar das verbündete China fordert Pyongyang dazu auf, keine Handlungen mehr vorzunehmen, die UNO-Resolutionen verletzen. Die drängendsten Fragen:

War es überhaupt eine Interkontinentalrakete?

Klar ist: Die Rakete hat laut einem Bericht der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA eine Höhe von 2802 Kilometern erreicht. Sie habe in 39 Minuten 933 Kilometer zurückgelegt, bevor sie ins Meer gestürzt sei, heisst es. Ähnliche Angaben hatten zuvor die USA, Südkorea und Japan gemacht. «Bei einer flacheren Flugbahn hätte die Reichweite bei 6000 Kilometern gelegen», sagt der Münchner Raketenexperte Markus Schiller gegenüber Spiegel.de. Interkontinentalraketen haben per Definition eine Reichweite von über 5500 Kilometern. Das spricht dafür, dass tatsächlich eine Langstreckenrakete getestet wurde. Bisher war oft nicht klar, inwieweit die Angaben des nordkoreanischen Regimes der Wahrheit entsprechen.

Was, wenn es tatsächlich eine Interkontinentalrakete war?

Damit wäre eine neue Eskalationsstufe im Konflikt um Nordkoreas Atomprogramm erreicht, der als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit gilt, wie «Spiegel online» weiter schreibt. Pyongyang arbeitet seit Jahren an solchen Raketen, die auch die USA erreichen können. Anchorage in Alaska ist 6000 Kilometer von Pyongyang entfernt. Experten haben zuletzt zumindest nicht mehr ausgeschlossen, dass Nordkorea mittlerweile auch über Atomsprengköpfe verfügt, die klein genug sind, um auf ballistische Raketen montiert zu werden.

Muss sich der Westen ernsthafte Sorgen machen?

Experte Karl-Heinz Kamp bezeichnete Nordkoreas Verhalten im September 2016 gegenüber 20 Minuten als «sehr gefährliches Imponiergehabe». Ob andere Staaten den Machthaber abschrecken können, sei fraglich. Denn dafür müsse Kim Jong-un rational einschätzen können, dass die Gefahr, Atomwaffen zu starten, viel zu gross ist. Aber: «Wenn Sie ein offenbar wenig rationales Regime haben, ist die Frage, ob Abschreckung noch etwas nützt», führt Kamp aus.

Welche Rolle spielen China und die USA im Konflikt?

US-Vizepräsident Mike Pence sagte im April anlässlich eines Besuchs in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea: «Die Ära der strategischen Geduld ist beendet.» Mittlerweile ist Nordkorea für die USA laut «Spiegel online» Krisenherd Nummer eins – noch vor Syrien oder Russland. Südkorea ist einer ihrer wichtigsten Verbündeten überhaupt. Washington unterstützt Seoul finanziell und hat im Land Truppen stationiert.

China hingegen ist heute der einzige Verbündete Nordkoreas. Es gilt als einziger Staat, der mässigenden Einfluss auf Kim Jong-un ausüben könnte. Das chinesische Aussenministerium erklärte am Dienstag, es setze sich «unnachgiebig» für eine Lösung der Spannungen in der Region ein. Ausserdem hat es zu einem friedlichen Dialog und zu Gesprächen aufgerufen. Nur so könnten die Probleme auf der koreanischen Halbinsel gelöst werden. (nk/dapd/afp)

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