Familienimperium: Hat Merckle seine Milliarden verzockt?
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FamilienimperiumHat Merckle seine Milliarden verzockt?

Der deutsche Pharmaunternehmer, Investor und Milliardär Adolf Merckle hat sich nach Angaben aus Finanz- und Branchenkreisen erheblich mit Volkswagen-Aktien verspekuliert. Er soll dabei mehrere hundert Millionen Euro verloren haben.

Merckle habe auf fallende Kurse gesetzt und verloren, sagte eine informierte Person der Nachrichtenagentur Reuters. «Er hat 400 Millionen Euro verloren», sagte eine weitere Person aus der Finanzbranche.

Auch die «FAZ» berichtete am Montag, Merckle habe im Oktober mit VW und anderen Dax-Papieren einen Verlust von rund einer Milliarde Euro hinnehmen müssen.

Die VW-Aktie war innerhalb weniger Tage von gut 200 auf mehr als 1000 Euro nach oben geschossen, nachdem bekannt geworden war, dass durch Käufe und Optionen von VW-Grossaktionär Porsche weit weniger Aktien des Wolfsburger Autobauers auf dem Markt sind als gedacht.

Die Kursexplosion hatte die Manager von Indexfonds ebenso unter Zugzwang gebracht wie Leerverkäufer, die sinkende Kurse erwartet hatten.

Eine Gruppe von mehr als drei Dutzend Banken verhandelt laut «Bloomberg» über einen Kredit für die VEM Vermögensverwaltung GmbH. Dabei stützt sich die Agentur auf die Aussagen von drei «mit der Situation vertrauten» Personen. «Wir stehen mit den Banken in Verhandlungen zur Stabilisierung der Situation. Diese Verhandlungen sind weit fortgeschritten», bestätigt Merckles Sohn Ludwig gegenüber der «FAZ».

Merckle-Gesellschaft HeidelCement in Schwierigkeiten?

Ob die Fehlspekulationen mit VW-Aktien tatsächlich zum Problem führten, ist nicht sicher. Angeblich sei die Merckle-Gesellschaft HeidelCement in Schwierigkeiten, denn der Zementhersteller soll sich mit der Akquisition eines britischen Konkurrenten übernommen haben. Dabei seien Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe übernommen worden. Mit dem Verkauf des erfolgreichen Generikaherstellers Ratiopharm, der ebenfalls zum Merckle-Imperium gehört, solle das nötige Kapital beschafft werden, um den in der Klemme steckenden Zementhersteller zu finanzieren – Wert: rund 5 Milliarden Euro. Mögliche Käufer könnten die israelische Teva-Gruppe oder der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis sein. Ratiopharm beschäftigt 5400 Mitarbeiter.

Kein Kommentar

Die Medienberichte wurden weder offiziell bestätigt noch dementiert. Auch Adolf Merckle schwieg sich aus: «Sie werden verstehen, wenn ich im Moment keine Stellungnahme dazu abgeben kann.»

Merckle ist der fünftreichste Mann Deutschlands. Das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzt sein Vermögen auf 9,2 Milliarden Dollar. Dem Unternehmer gehören unter anderem der Generikahersteller Ratiopharm und die Mehrheit von Deutschlands grösstem Zementhersteller HeidelCement.

(sda/scc/zac)

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