Blutdiamant aus Sierra Leone: Hat Naomi Campbell vor Gericht gelogen?
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Blutdiamant aus Sierra LeoneHat Naomi Campbell vor Gericht gelogen?

Naomi Campbell soll von Anfang an gewusst haben, dass ihr der afrikanische Diktator Charles Taylor Diamanten ins Hotelzimmer geschickt hat. Mia Farrow lässt nach ihrer Aussage in Den Haag das Topmodel als Lügnerin dastehen.

(Video: APTN-Video)

Mia Farrow bringt Naomi Campbell in Verlegenheit: Im Kriegsverbrecherprozess gegen Charles Taylor sagte die US-Schauspielerin aus, das Supermodel habe von Anfang an gewusst, dass ihr der ehemalige liberianische Diktator Diamanten aufs Hotelzimmer geschickt habe.

Mit dieser Aussage widersprach Farrow am Montag vor dem Sondertribunal für Sierra Leone in Den Haag den Angaben, die Campbell vergangene Woche unter Eid gemacht hatte.

Taylor, Campbell und Farrow hatten 1997 im südafrikanischen Kapstadt an einem Benefiz-Dinner des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela teilgenommen. Am nächsten Morgen habe Campbell beim Frühstückstisch von dem Diamanten-Geschenk erzählt - noch «bevor sie sich hingesetzt hatte», sagte Farrow vor Gericht.

«Sie sagte, dass sie in der Nacht geweckt worden sei. Einige Männer hätten an ihrer Tür geklopft. Sie seien von Charles Taylor geschickt worden und hätten ihr einen riesigen Diamanten gegeben», erzählte die Schauspielerin. Ihrer Erinnerung nach sei Campbell «sehr aufgeregt» wegen des Geschenks gewesen.

Auch im Kreuzverhör mit Taylors Verteidigung blieb die 65-jährige Ex-Gattin von Sänger Frank Sinatra und Ex-Lebensgefährtin von Regisseur Woody Allen bei ihrer Darstellung. «Das war ein unvergesslicher Moment», sagte Farrow nach wiederholten Fragen.

Das Gegenteil berichtet

Campbell hatte dagegen am Donnerstag vor Gericht erklärt, ihr sei in jener Nacht ein Päckchen mit einigen «schmutzig aussehenden Steinchen» überbracht worden. Weil es schon spät und sie müde gewesen sei, habe sie nicht gefragt, von wem das Geschenk stamme. Nicht sie, sondern Farrow habe später vermutet, dass Taylor der Absender gewesen sein könnte.

Immerhin in einem Punkt bestätigte Farrow die Angaben Campbells: Die 40-jährige Britin habe erklärt, die Edelsteine auf keinen Fall behalten, sondern der Mandela-Stiftung für Kinder übergeben zu wollen.

Auch Carole White, Campbells frühere Agentin, widersprach am Montag in Den Haag der Version des Topmodels. Sie sagte aus, Campbell Diamanten habe erhalten, die ihr von Taylor zuvor während des Dinners versprochen worden seien.

Taylor bestreitet Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft hofft, mit den Aussagen der drei Frauen den Vorwurf erhärten zu können, dass Taylor seinerzeit mit sogenannten Blutdiamanten für illegale Waffenlieferungen an Rebellen in Sierra Leone bezahlt wurde.

Der 62-Jährige hat dies stets bestritten. Taylor ist angeklagt, mitverantwortlich zu sein für Massenmorde, Folterungen, Vergewaltigungen, sexuelle Versklavungen und die Zwangsrekrutierung von Kindern als Soldaten während des Bürgerkrieges in Sierra Leone Ende der 90er-Jahre. (sda)

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