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US-PräsidentschaftswahlHat Romney das Format für das Weisse Haus?

Mitt Romney steht als Herausforderer von Barack Obama so gut wie fest. Während den Vorwahlen ist er weit nach rechts gedriftet. Nun droht ein schmutziger Wahlkampf.

von
Peter Blunschi
Mitt Romney am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Delaware.

Mitt Romney am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Delaware.

Der Rückzug von Rick Santorum am Dienstag kam überraschend – und doch nicht ganz unerwartet. Die Kampagne des ehemaligen Senators aus Pennsylvania war von Beginn an von Geldmangel und einer schwachen Organisation geprägt. Und nun drohte ihm bei der Vorwahl in seinem Heimatstaat am 24. April eine Niederlage gegen Mitt Romney. Diese Blamage wollte sich Santorum wohl ersparen. Nun sind sich die US-Medien einig: Romney ist die Nomination als Präsidentschaftskandidat der Republikaner kaum noch zu nehmen.

Doch der frühere Gouverneur von Massachusetts wirkt nicht wie ein strahlender Sieger, sondern wie ein angeschlagener Boxer. Der dreimonatige Vorwahlkampf hat Romney alles abverlangt. Dass er gegen schwache Herausforderer, von denen keiner ihm finanziell und organisatorisch das Wasser reichen konnte, überhaupt so hart kämpfen musste, sagt einiges aus über seine Probleme, in der eigenen Partei akzeptiert zu werden. Und nun muss er das amerikanische Volk von sich überzeugen – ob ihm das gelingen wird, bezweifeln viele.

Viele Sympathien verloren

Der strapaziöse innerparteiliche Kampf habe Romney für den eigentlichen Showdown gegen Barack Obama im November abgehärtet, macht man sich in seinen Reihen Mut. Die neusten Umfragen zeigen jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist. Getrieben vom ultrakonservativen Rick Santorum und von der Tea-Party-Bewegung ist Mitt Romney weit nach rechts gedriftet. Das hat ihm viele Sympathien bei drei Bevölkerungsgruppen gekostet, die im Herbst eine wichtige Rolle spielen werden: Frauen, Latinos und parteilose Wähler in der politischen Mitte.

«Je mehr die Amerikaner von Mitt Romney sehen, desto weniger mögen sie ihn und vertrauen sie ihm», sagte Obamas Wahlkampfleiter Jim Messina am Dienstag. Bei den Frauen beträgt Romneys Rückstand auf Barack Obama laut einer Umfrage von «Washington Post» und ABC News inzwischen 19 Prozent. In so gut wie allen Bereichen wird der Amtsinhaber positiver bewertet – die einzige Ausnahme ist die Wirtschaft, dort kommt Romney gleich gut oder besser weg als Obama, dort will der Herausforderer angreifen.

Das Misstrauen der Evangelikalen

Rick Santorums Rückzug erlaubt es Romney, seine Kampagne stärker gegen Obama auszurichten. Dennoch könne er «seine rechte Flanke nicht vollständig ignorieren», schreibt die «Washington Post». Denn Santorum hat seine überraschenden Erfolge in erster Linie den sehr konservativen Wählern zu verdanken – und den Evangelikalen. Diese misstrauen Romney als Mormonen, eine Religion, die in ihren Augen nicht christlich ist. Ralph Reed, ein Wortführer der religiösen Rechten, mahnt, Romney müsse «Brücken bauen zu den evangelikalen Wählern, auf die er im November in grosser Zahl angewiesen sein wird».

Genau davor warnt jedoch der Parteistratege Alex Castellanos ausdrücklich, wie er der «Washington Post» erklärte. Sich um die Konsolidierung der eigenen Basis zu bemühen sei «das Schlimmste, was Mitt nun machen kann». Vielmehr müsse er als General seine Truppen in die Schlacht gegen Barack Obamas «europäische» Art des Regierens führen. Die Armee werde dabei «im Gleichschritt marschieren», glaubt Castellanos. Am rechten Rand ist der Hass auf Obama grösser als die Abneigung gegen Romney, so das Kalkül, deshalb wird die konservative Basis ihn im Herbst mit zugehaltener Nase trotzdem wählen.

Romney und der verbale Fettnapf

Ob diese Rechnung aufgehen wird, bleibt fraglich. Es ist ein gewagter Spagat, den Romney bewältigen muss: Die Mitte umwerben und gleichzeitig die Rechte bei Laune halten. Der «Washington Post»-Kolumnist Harold Meyerson zweifelt schon daran, dass Romney sich überhaupt aus der rechten Ecke lösen kann. Ein versierterer Politiker wäre dazu vielleicht fähig – «aber niemand wird Romney als versiert bezeichnen», meint Meyerson. Bereits heute klebt an ihm das Etikett eines opportunistischen Wendehalses.

Hinzu kommen zwei grundsätzliche Schwächen: Der Multimillionär aus Massachusetts ist alles andere als ein volksnaher, leutseliger Politiker. Er wirkt abgehoben und distanziert, seine Auftritte sind hölzern. Seine häufigen Tritte in den verbalen Fettnapf unterstreichen dies noch – eigentlich erstaunlich für einen Menschen, der so um Selbstkontrolle bemüht ist wie Mitt Romney. Dies führt zu einer Frage, die in den USA bislang kaum jemand stellt: Hat der Republikaner überhaupt das Format für einen Wahlkampf ums Weisse Haus?

Die Demokraten werden ihn bald auf die Probe stellen, sie haben von Anfang an mit ihm als Herausforderer gerechnet und sich aufmunitioniert. Die Angriffe auf Romneys ehemaliges Schweizer Bankkonto vom Wochenende liefern einen Vorgeschmack. Auch die Wahlkampfkasse von Barack Obama ist bereits gut gefüllt. Mitt Romney seinerseits kann sich auf viele schwerreiche Gönner und Freunde verlassen. Der Wahlkampf in den nächsten sieben Monaten dürfte lange und hart werden – und schmutzig.

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