Spielverschiebung: Hat Servette den SC Bern ausgetrickst?
Aktualisiert

SpielverschiebungHat Servette den SC Bern ausgetrickst?

SCB-General Marc Lüthi hat von der Liga alle Dokumente zu Genfs Spielverschiebung eingefordert und erhalten. Seine Erkenntnis: Die Sache ist dubios.

von
Klaus Zaugg
Servette-Boss Chris McSorley reizte das Spielreglement aus.

Servette-Boss Chris McSorley reizte das Spielreglement aus.

Eigentlich hätte Servette am letzten Sonntag auswärts bei Meister Bern antreten müssen. Doch die Genfer erreichten von der Liga eine Verschiebung der Partie, die neu auf den 11. Januar 2011 angesetzt worden ist. Dabei hat Servette-Manager und Trainer Chris McSorley die Spielverschiebung aufgrund der Reglemente erreicht. Weil angeblich neun Spieler verletzt, vier krank und zwei für Frankreichs Junioren-Nationalteams aufgeboten waren.

Von allem Anfang an traute SCB-General Marc Lüthi dieser Sache nicht. Er sagt gegenüber 20 Minuten Online, er sei «hässig» geworden, als er dann auch noch erfahren musste, dass bereits am Dienstag fünf der am Sonntag verletzt gemeldeten Spieler gegen Fribourg frisch und fröhlich gespielt haben: Goran Bezina, Richard Park, Jeff Toms, Robin Breitbach und Dan Fritsche. Lüthi geht davon aus, dass in Tat und Wahrheit nur Fritsche verletzt war. Der Manager sagt unmissverständlich: «Es ist klar: Chris McSorley wollte für Servette eine Pause und hat die Reglemente ausgenützt, um diese zu bekommen. Aber ich bin der Meinung, dass es so nicht gehen sollte. Schliesslich spielt Arno Del Curto in Davos zeitweise mit fünf Junioren, weil er verletzte Stammspieler hat.»

Deshalb hat Lüthi bei der Liga sämtliche Dokumente über die Spielverschiebung eingefordert - und zu seiner Überraschung postwendend direkt von Chris McSorley erhalten. «Er hat uns per E-Mail alle Dokumente zukommen lassen und noch einmal in aller Form sein Bedauern für die Spielverschiebung zum Ausdruck gebracht.»

Verlust von mehreren zehntausend Franken

Noch so gerne würde Lüthi etwas gegen diese Schlaumeierei unternehmen - aber Chris McSorley hat die Spielverschiebung eben regulär bei der Liga durchgebracht und daran gibt es nichts mehr zu rütteln. Lüthi gegenüber 20 Minuten Online: «Wir haben durch die Verschiebung alleine wegen der für unsere Gastronomiebetriebe eingekauften Lebensmittel, die wir nicht mehr verwenden konnten, einen Verlust von mehreren zehntausend Franken erlitten.»

Alles in allem ist die ganze Spielverschiebung aus Sicht des SC Bern also dubios. Dubios bedeutet laut Duden unter anderem: Nicht astrein, haltlos, heikel, zwiespältig, bestreitbar, offen, strittig, verdächtig, unbewiesen, problematisch, fraglich, undurchschaubar, verschwommen, schemenhaft, schleierhaft, nebelhaft, zwielichtig, bedenklich, suspekt, lichtscheu, anrüchig, merkwürdig, halbseiden und undurchsichtig.

Ob dubios oder nicht: Nach den Buchstaben der Gesetze unserer Liga ist die Spielverschiebung regulär. Hier Auszüge aus den Reglementen für den Spielbetrieb: «Falls ein Klub nicht mehr in der Lage ist, aufgrund von Spielerausfällen wegen Unfall oder Krankheit mindestens 12 Spieler (ohne Torhüter) - die in der laufenden Meisterschaft mindestens je auf fünf offiziellen Spielberichten eingetragen waren - auf dem Matchblatt aufzuführen, ist er berechtigt, ein Verschiebungsgesuch einzureichen. (...) Die entsprechende Beurteilung der Schwere der Krankheit oder des Unfalls obliegt dem Klubarzt. (...) Die NL beauftragt nach Eingang des Verschiebungsgesuches umgehend einen Vertrauensarzt, der die kranken oder verunfallten Spieler des betroffenen Klubs stichprobenweise auf die Diagnosen des Klubarztes untersucht.»

Servette reizte die Reglemente aus

Der Klubarzt ist also entscheidend und dass es eine Bestätigung eines Vertrauensarztes der Liga braucht, entlockte Lüthi gegenüber 20 Minuten Online spontan den Kommentar: «Ha, ha, ha, ha, ha.» Er legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass Servette nichts anderes gemacht habe, als die Reglemente auszureizen. «Das ist eben Chris McSorley wie er leibt und lebt.» Und lässt dann doch durch Medien-Chef Christian Dick noch ein offizielles Statement in der Sache verbreiten: «Der SCB hat seine Bedenken bei der Liga angemeldet und wird aufmerksam beobachten, ob und was in dieser Sache unternommen wird.» Zu dieser Erklärung gibt es eigentlich auch nur einen Kommentar: Ha, ha, ha, ha.

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