Aktualisiert 12.12.2006 09:30

Hat sich der Ex-Spion selbst radioaktiv verseucht?

Nach dem Gifttod des russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko in London bleibt die Täterschaft im Dunkeln und Spekulationen jagen sich.

Nach einem Bericht von «The Independent on Sunday» geht die Polizei auch der Theorie nach, dass Litwinenko sich selbst radioaktiv verseucht haben könnte, um Putin zu diskreditieren. Litwinenko hatte Putin in einem Abschiedsbrief direkt beschuldigt.

Der russische Regimekritiker Andrej Nekrasow, der am Sterbebett Litwinenkos ausgeharrt hatte, glaubt nach eigenen Worten nicht an einen Mordbefehl durch den Präsidenten. Der Giftanschlag sei das Werk «eines ausser Kontrolle geratenen und extrem nationalistischen Geheimdienstes», sagte Nekrasow in London.

In der Sushi-Bar

Die britische Polizei ging nach Angaben des Boulevardblatts «The Sun» davon aus, dass der Mörder am 1. November Litwinenkos Essen in einer Sushi-Bar nahe dem Picadilly Circus vergiftet hatte.

Der Ex-Spion hatte dort offenbar den italienischen Informanten Mario Scaramella getroffen, der ihm Unterlagen für die Recherche des Mordes an der Kreml-kritischen Journalistin Anna Politkowskaja übergab.

Der Geheimdienst- und Nuklearexperte bestreitet eine Verwicklung in die Tat und bot der Polizei seine Mitarbeit an. Nach Scaramella traf der ehemalige Agent zwei Landsleute in einer Hotel-Bar, in der ebenfalls Spuren von radioaktivem Polonium 210 gefunden wurden, die auch in Litwinenkos Körper nachgewiesen wurden.

In London wächst der Druck auf Präsiden Putin, zur Aufklärung des mutmasslichen Verbrechens beizutragen. Mitglieder der britischen Regierung warnten indirekt vor einer Belastung der bilateralen Beziehungen, falls sich die russische Regierung bei der Aufklärung nicht kooperativ zeigen sollte.

Das Verhältnis zu Russland sei nach dem mutmasslichen Mordanschlag komplizierter geworden, räumte auch das Kabinettsmitglied Peter Hain ein, der als Vertrauter von Premierminister Tony Blair gilt.

Gesundheitstests

Die BBC berichtete, britische Ermittler hofften, möglichst bald nach Moskau reisen zu können. Russische Behörden hätten Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert.

Die Gesundheitsbehörden riefen inzwischen alle Gäste der beiden Lokale, in denen Spuren von Polonium, gefunden wurden, auf, sich untersuchen zu lassen. Im Laufe des Wochenendes meldeten sich gut hundert besorgte Anrufer über eine Hotline, die nun zum Urintest gebeten werden sollen.

(sda)

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