Aktualisiert 04.06.2015 13:01

Facebook-Post

Hat sich Strassen-Gang Sondame aufgelöst?

Mit Schlachtrufen sorgten Sondame-Mitglieder Anfang Mai in Zürich für Aufsehen. Jetzt hat die kurdische Gang die Auflösung bekannt gegeben – alles Strategie, sagen die Behörden.

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Die kurdische Gang Sondame zog am 2. Mai 2015 durch die Zürcher Langstrasse und blockierte diese. Ein Bild von der Zusammenkunft postete die Gruppe auf Facebook.

Die kurdische Gang Sondame zog am 2. Mai 2015 durch die Zürcher Langstrasse und blockierte diese. Ein Bild von der Zusammenkunft postete die Gruppe auf Facebook.

Sondame gilt als gewaltbereite Gruppierung. In Deutschland hat die Polizei reagiert und die Bande ausdrücklich gewarnt.

Sondame gilt als gewaltbereite Gruppierung. In Deutschland hat die Polizei reagiert und die Bande ausdrücklich gewarnt.

Die kurdische Gang Sondame hat kürzlich in Zürich mit einem martialischen Aufmarsch für Verunsicherung gesorgt. Nun soll es die Gruppierung bereits nicht mehr geben: «Sondame gibt hiermit seine Auflösung bekannt», steht auf der Facebook-Seite des deutschen Ablegers, wie die NZZ schreibt.

Grund sollen negative Berichte sein, die man allen Kurden zur Last gelegt habe. Das sei weder akzeptabel noch hinzunehmen, heisst es in der Stellungnahme. «In letzter Zeit versucht man, uns als Alternative zur kurdischen Freiheitsbewegung darzustellen, jedoch war und ist das absoluter Schwachsinn und entspricht nicht der Wahrheit.»

Beängstigende Szene in Zürich

Während den letzten Monaten kam es vor allem in Baden-Württemberg regelmässig zu gewalttätigen Scharmützeln mit der Strassengang United Tribunes. Auch in Frankfurt, Stuttgart und Ludwigsburg marschierten mehrere hundert Sondame-Mitglieder unangekündigt auf.

In der Schweiz registrierte die Polizei ebenfalls mehrere Vorfälle. Den aufsehenerregendsten Auftritt hatte die Bande jedoch in Zürich Anfang Mai: Mehrere Dutzend dunkel gekleidete junge Männer versammelten sich an der Langstrasse und posierten für ein Gruppenbild – und blockierten die Strasse vorübergehend.

Kutte von United Tribunes angezündet

Anwohner filmten die lauten Schlachtrufe der Sondame-Mitglieder. Die Szene sei beängstigend gewesen, so eine Zeugin. Schliesslich musste die Polizei den martialischen Aufmarsch mit Gummischrot beenden. Verhaftet wurde jedoch niemand.

Der Auftritt hatte ein klares strategisches Ziel: Sondame sagte den United Tribunes damit den Kampf an. Ein Handy-Video zeigt, wie ein vermummtes Sondame-Mitglied eine Kutte mit dem United-Tribunes-Schriftzug mit Brennsprit übergiesst und anzündet.

Strategisch motiviertes Manöver

Und nun soll alles schon wieder vorbei sein? Man habe Kenntnis von der Erklärung, belastbare Hinweise für das Ende der Gruppierung gebe es jedoch keine, sagt Sigurd Jäger, Leiter der Inspektion Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg, zur NZZ. Der 50-Jährige kennt die Szene seit Jahren: «Wir behalten die Gruppierungen weiterhin genau im Auge, das geniesst bei uns hohe Priorität.»

Jäger ist überzeugt, dass es sich beim Vorgehen von Sondame um ein taktisch motiviertes Manöver handelt. «Damit will die Gruppierung vermutlich einem möglichen Verbotsverfahren zuvorkommen.»

Der angekündigte Rückzug könnte auch eine Reaktion auf den Druck der Strafverfolgungsbehörden sein. Die Polizei in Baden-Württemberg ging in den letzten Wochen massiv gegen die «Stuttgarter Kurden» – wie sich Sondame auch nennt – vor. Mehrere Mitglieder wurden verhaftet, drei davon sitzen wegen Gewaltdelikten nach wie vor in Untersuchungshaft.

Übergriffe in der Schweiz weiter möglich

Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sondame beim Kräftemessen mit anderen Gangs den Kürzeren gezogen hat. Entsprechende Gerüchte kursieren derzeit auf Blogs, wie die NZZ weiter schreibt. Der Druck durch die United Tribunes sei dermassen gross geworden, dass sich die Sondame-Mitglieder nicht mehr aus dem Haus getraut hätten, so ein Kommentator.

Offen bleibt, ob die Auflösung auch für die Schweiz gilt. Auf der entsprechenden Facebook-Seite findet sich der von den deutschen Sondame-Mitgliedern veröffentlichte Post nirgends. Das Bundesamt für Polizei hat keine Kenntnis von einer Auflösung des Schweizer Ablegers. «Provokationen und Übergriffe sind hierzulande nach wie vor nicht auszuschliessen», so Sprecher Alexander Rechsteiner.

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