Universitätsspital Basel: Hat Spital suizidale Äusserungen von Patientin ignoriert?

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Universitätsspital BaselHat Spital suizidale Äusserungen von Patientin ignoriert?

Die Frau wurde am Mittwochmorgen leblos im Innenhof gefunden. Am Vorabend soll sie zu einem Pfleger gesagt haben, dass sie nicht mehr leben wolle. Das Spital hüllt sich in Schweigen.

von
Steve Last
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Im Universitätsspital Basel kam es am Mittwochmorgen zu einem Todesfall.

Im Universitätsspital Basel kam es am Mittwochmorgen zu einem Todesfall.

Tamedia/Nicole Pont
Eine Patientin wurde am Morgen tot im Innenhof gefunden. Nach bisherigen Erkenntnissen nahm sie sich das Leben.

Eine Patientin wurde am Morgen tot im Innenhof gefunden. Nach bisherigen Erkenntnissen nahm sie sich das Leben.

Tamedia/Nicole Pont
Wie 20 Minuten erfahren hat, soll die Frau einer Pflegefachkraft am Vorabend von ihrer Suizidabsicht erzählt haben. Diese habe aber nicht darauf reagiert.

Wie 20 Minuten erfahren hat, soll die Frau einer Pflegefachkraft am Vorabend von ihrer Suizidabsicht erzählt haben. Diese habe aber nicht darauf reagiert.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Am Mittwochmorgen wurde eine ältere Patientin des Universitätsspitals Basel tot aufgefunden.

  • Gemäss Informationen von 20 Minuten hat sie sich selber das Leben genommen, nachdem sie einer Plfegefachperson gegenüber suizidale Absichten geäussert haben soll.

  • In solchen Fällen gibt es eine spitalinterne Richtlinie. Ob diese befolgt wurde, ist unklar.

«Sie hat einem Pfleger gesagt, sie möchte nicht leben, und er hat es nicht ernst genommen», sagt eine Quelle aus dem Universitätsspital Basel zu 20 Minuten. Das habe sich am Dienstagabend ereignet. Am Mittwochmorgen versandte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt eine Medienmitteilung: An der Spitalstrasse sei eine tote Frau gefunden worden. Es gebe keine Hinweise auf einen Unfall oder die Einwirkung durch Drittpersonen.

20 Minuten verzichtet an dieser Stelle darauf zu schreiben, wie die Frau zu Tode gekommen ist. Laut der Quelle handelt es sich um die Seniorin, die am Vorabend ihre Absicht, ihr Leben zu beenden, geäussert hatte.  Sie sei gegen drei Uhr morgens aus ihrem Zimmer verschwunden und nicht auffindbar gewesen. Um neun Uhr habe man ihren Leichnam im Innenhof entdeckt. Der Fall wirft Fragen auf.

Hinweise auf ein strafbares Verhalten, wie etwa die Verletzung einer Fürsorgepflicht, liegen bis jetzt nicht vor. Die Staatsanwaltschaft schreibt nichts von einem eröffneten Verfahren oder Ermittlungen. Weiss die Staatsanwaltschaft, dass die Verstorbene ihren Suizid angekündigt haben soll? Auf Anfrage von 20 Minuten äussert sie sich nicht weiter und verweist auf ihre Medienmitteilung.

Müssen Spitäler Suizide verhindern?

Und das Spital? Wäre es verpflichtet gewesen, den Suizid seiner Patientin zu verhindern? Das Spital hat für solche Fälle einen Leitfaden für Pflegende, weil Mitarbeitende in Kontakt mit Patienten kommen, die infolge eines Suizidversuchs hospitalisiert werden. «Der fachlich korrekte Umgang mit diesen Patienten ist anspruchsvoll. Gleichzeitig leisten Pflegefachpersonen einen wichtigen Beitrag bei der Erkennung suizidaler Absichten und bei der Prävention eines selbstgefährdenden Verhaltens», heisst es darin. 

Pflegefachpersonen bringt dies in ein Dilemma, weil einerseits persönliche Entscheidungen der Patienten im Spital respektiert werden sollen, gleichzeitig gehe es aber darum, «vermeidbare Suizide zu verhindern». Pflegende, die selbstverletzende Absichten bei Patientinnen und Patienten wahrnehmen, sollen sie auf diese ansprechen und nicht zu Geheimnisträgern und -trägerinnen werden. Weiter sollen sie diese umgehend dem Stations- oder Dienstarzt oder -ärztin oder der pflegerischen Führungsperson der Abteilung melden. Daraufhin wird in der Regel ein Psychiater herbeigezogen. Im Leitfaden sind auch verschiedene Interventionen gelistet, etwa die Entfernung gefährlicher Gegenstände, Sitzwachen oder die Verlegung in die Psychiatrie. 

Ob in diesem Fall gemäss Leitfaden gehandelt wurde, ist unklar. Das Unispital äusserte sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht zum Vorfall. 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

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