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Präsidenten-ZeugnisHat Trump die Wirtschaft tatsächlich «great» gemacht?

US-Präsident Donald Trump inszeniert sich gerne als grosser Geschäftsmann und Dealmaker. Doch wie entwickelte sich die Wirtschaft während Trumps erster Amtszeit? 20 Minuten macht den Wirtschafts-Test.

von
Fabian Pöschl
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US-Präsident Donald Trump gibt sich gerne als grosser Geschäftsmann und erfolgreicher Dealmaker.

US-Präsident Donald Trump gibt sich gerne als grosser Geschäftsmann und erfolgreicher Dealmaker.

KEYSTONE
Damit will er im Wahlkampf gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden punkten.

Damit will er im Wahlkampf gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden punkten.

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Doch hat sich die Wirtschaftslage in den USA seit Trumps Amtsantritt tatsächlich verbessert? Die Corona-Krise zerstörte jedenfalls zahlreiche Fortschritte.

Doch hat sich die Wirtschaftslage in den USA seit Trumps Amtsantritt tatsächlich verbessert? Die Corona-Krise zerstörte jedenfalls zahlreiche Fortschritte.

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Darum gehts

  • Der US-Präsidentschafts-Wahlkampf spitzt sich zu.

  • Amtsinhaber Donald Trump gibt sich gerne als grosser Geschäftsmann.

  • Doch wie hat sich die Wirtschaft während Trumps erster Amtszeit entwickelt?

  • 20 Minuten prüft die Wirtschaftsdaten der USA und urteilt über Trumps Wirtschaftslage.

Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA geht in die entscheidende Phase. Am 3. November bestimmen die Wähler ihren Präsidenten. Rassismus, Corona, China – beim TV-Duell in der Nacht auf Mittwoch kam vieles zur Sprache. Doch nichts beherrscht den US-Wahlkampf so stark wie die Wirtschaftslage.

Mit wirtschaftlicher Kompetenz will der republikanische Amtsinhaber Donald Trump (74) gegen den demokratischen Herausforderer Joe Biden (77) punkten. Schliesslich stellt sich Trump gerne als grosser Geschäftsmann und Dealmaker dar.

Doch wie entwickelte sich die Wirtschaft während Trumps vier Präsidentschaftsjahren? Unbeachtet von Einflüssen wie den Massnahmen seiner Vorgänger zeigt 20 Minuten die Entwicklung der Wirtschaftsdaten der vergangenen vier Jahre auf. Besteht Trump den grossen Wirtschaftstest?

  • Arbeitslosenquote

Die US-Arbeitslosenquote sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Vor Trumps Antritt lag sie bei knapp 5 Prozent, Ende 2019 bei 3,4 Prozent. Doch dann kam die Corona-Krise und vernichtete über 30 Millionen Jobs. Die Arbeitslosenzahl schoss auf den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Immerhin zeichnet sich eine Erholung am Arbeitsmarkt ab, im September schufen US-Firmen knapp 750’000 neue Jobs.

Fazit: Trump konnte vor der Corona-Krise auf die tiefe Arbeitslosenquote verweisen, die Pandemie verhagelte ihm aber die Bilanz, die nun schlechter ist als vor Amtsantritt. Genügend

  • Handel

Die Handelsbilanz der USA ist defizitär, das Land importiert mehr Waren, als es exportiert. Das wollte Trump mithilfe von Strafzöllen ändern und löste einen weltweiten Handelsstreit aus. Bisher ohne Erfolg. Vor Trumps Amtsantritt lag die US-Handelsbilanz noch über 480 Milliarden im Minus, 2019 betrug das Defizit über 616 Milliarden Dollar.

Fazit: Trumps Strafzölle beherrschten die Schlagzeilen, doch sie waren zumindest kurzfristig ohne Effekt. Die Handelsbilanz der USA verschlechterte sich seit Trumps Amtsantritt. Ungenügend

  • BIP & Verschuldung

Trump gab ein jährliches Wachstumsziel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3 oder mehr Prozent aus. Doch erst 2018 kratzte er an der 3-Prozent-Marke. Nun brach die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2020 aufs Jahr hochgerechnet um fast 33 Prozent ein. Zudem stieg seit Trumps Amtsantritt auch die US-Staatsverschuldung von rund 20 auf mittlerweile über 27 Billionen US-Dollar.

Fazit: Die US-Wirtschaft brummte in den vergangenen Jahren nie so stark wie von Trump gewünscht, dann folgte der Stillstand durch Corona. Abzüge gibt es auch für Trumps steigende Staatsausgaben. Ungenügend

  • Infrastruktur

Trump machte sein Vermögen in der Baubranche und erklärte die Infrastruktur zu einem Hauptthema im ersten Wahlkampf. Strassen und Brücken sind in den USA vielerorts in marodem Zustand. Doch viel ist seither nicht geschehen, kritisieren Experten. Immerhin will die US-Regierung nun zur Ankurbelung der Wirtschaft wegen der Corona-Krise eine weitere Billion Dollar für die Infrastruktur ausgeben.

Fazit: Obwohl das Thema Infrastruktur zentral für Trumps Wahlkampf war, hat sich in den vier Jahren nicht viel getan. Immerhin zeichnet sich nun aber Besserung ab. Ungenügend

  • Inflation

Die Inflationsrate der USA betrug vor Trumps Amtsantritt 1,26 Prozent und lag 2019 bei 1,81 Prozent. Das Preisniveau stieg damit leicht an. Eine Teuerung unter, aber nahe bei 2 Prozent ist das längerfristige Ziel der US-Notenbank. Dadurch hat sie genügend Spielraum, um bei einem sinkendem Preisniveau und entsprechend niedrigen Zinsen der Wirtschaft unter die Arme greifen zu können.

Fazit: Das Preisniveau in den USA ist stabil. Auch der Staat profitiert in seiner Funktion als Grossschuldner, denn durch die Inflation verringert sich seine Realschuld gegenüber den Gläubigern. Erfüllt

  • Fazit

Trumps Bilanz: Ungenügend. Faktoren wie die Handelsbilanz oder die Arbeitslosenquote sind schlechter als vor Trumps Amtsantritt. Allerdings wäre die Beurteilung ohne die Corona-Krise deutlich besser ausgefallen. Natürlich kann Trump selber nichts für die Pandemie, jedoch muss er sich nun beweisen, dass er das Land aus der Krise führen kann, wie dies auch Obama gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft mit der Finanzkrise musste.

Trump vs. Biden

Der Fahrplan

7.10. TV-Duell der Vizepräsidenten Mike Pence und Kamala Harris

15.10. Zweites TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden

22.10. Drittes TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden

3.11. Wahltag

14.12. Electoral College wählt Präsident und Vize

6.1.21 Auszählung der Stimmen der Wahlmänner und -frauen

20.1. Amtseinführung in Washington

Deine Meinung

158 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Experte

03.10.2020, 00:59

Hat er. Nächste Frage bitte. Hat er die Welt mit Kriegen überzogen wie sein Vorgänger?

Elvira

01.10.2020, 08:52

Trump muss in die Schweiz kommen und hier Bundesrat werden als Chef der SVP. Dann ist fertig mit Wischiwaschi-Politik. Law and Order

urs

01.10.2020, 08:46

zur Handelsbilanz gibt es offensichtlich total verschiedene Zahlen. Bei den einen wurde sie tiefep beimden anderen höher. Welche stimmen wohl ?