Ottmar Hitzfeld: «Hatte eine Art Burnout in Form von Depressionen»
Aktualisiert

Ottmar Hitzfeld«Hatte eine Art Burnout in Form von Depressionen»

Ottmar Hitzfeld hätte 2004 deutscher Bundestrainer werden sollen. Doch der Lörracher entschied sich dagegen – um seiner Gesundheit willen.

von
hua
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Die Karriere von Ottmar Hitzfeld
Die Karriere von Ottmar Hitzfeld

Von 1971 bis 1975 spielt Ottmar Hitzfeld beim FC Basel, mit dem er zweimal Meister wird. Danach zieht es ihn zum VfB Stuttgart, wo er beim 8:0-Cupsieg gegen Regensburg sechs Tore schiesst, was bis heute Rekord ist. Seine aktive Spielerkarriere lässt Hitzfeld in der Schweiz bei Lugano und Luzern ausklingen.

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Hitzfelds erste Trainerstation ist beim SC Zug. 1983 wird er mit den Zentralschweizern NLB-Meister. Danach zieht es ihn zum FC Aarau, wo er 1985 den Cupsieg feiert (Bild).

Hitzfelds erste Trainerstation ist beim SC Zug. 1983 wird er mit den Zentralschweizern NLB-Meister. Danach zieht es ihn zum FC Aarau, wo er 1985 den Cupsieg feiert (Bild).

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Von 1988 bis 1991 trainiert Hitzfeld die Zürcher Grasshoppers. Mit GC wird er zweimal Meister und zweimal Cupsieger.

Von 1988 bis 1991 trainiert Hitzfeld die Zürcher Grasshoppers. Mit GC wird er zweimal Meister und zweimal Cupsieger.

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Ottmar Hitzfeld war einer der beliebtesten und erfolgreichsten Coaches überhaupt. Auch in seinem Amt als Schweizer Nationaltrainer war er ein Gentleman und bekam von allen Seiten Respekt gezollt. Seine aktive Trainer-Karriere ging am 1. Juli 2014 an der WM in Brasilien mit der Niederlage der Schweizer Nati gegen Argentinien zu Ende.

2004 stand der Lörracher kurz davor, deutscher Bundestrainer zu werden, doch es sollte nicht so kommen. Nach dem deutschen Vorrunden-Aus an der EM 04 war Rudi Völler als DFB-Coach zurückgetreten, der Weg war frei für Hitzfeld. Sein Vertrag bei den Bayern war nur wenige Monate zuvor ausgelaufen. Doch Hitzfeld übernahm nicht, Jürgen Klinsmann sprang ein.

Eine Woche Bedenkzeit herausgenommen

Nun hat Hitzfeld erstmals über die Gründe für seine Absage gesprochen: «Ich hatte nach sechs erfolgreichen, aber auch stressigen Jahren bei Bayern eine Art Burnout in Form von leichten Depressionen, die behandelt wurden. Ich hatte keine Freude mehr am Fussball, konnte in mir keine Begeisterung und Leidenschaft mehr wecken», sagte Hitzfeld gegenüber der deutschen «Bild». Der heute 65-Jährige nahm sich nach der Anfrage vom DFB zwar eine Bedenkzeit von einer Woche heraus, kam dann aber zum Schluss, dass es definitiv nicht gehe. Seine Gesundheit war ihm wichtiger.

Es sei ihm aber äusserst schwer gefallen, diesen Traumjob abzulehnen. Schliesslich hätten sich der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und auch Franz Beckenbauer mächtig darum bemüht, Hitzfeld als neuen Coach zu gewinnen. Er fieberte ab 2004 noch mehr mit der deutschen Elf und Trainer Klinsmann mit als zuvor. «Klinsmann hat im Grossen gedacht, hat den DFB modernisiert. Was er und Jogi Löw geleistet haben, ist enorm. Ich hätte für diese riesige Aufgabe nicht die Kraft gehabt.» Deshalb ist Hitzfeld in der Retrospektive über seinen Entscheid von 2004 glücklich.

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