Ausraster-König: Hatte McEnroe doch öfter recht?
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Ausraster-KönigHatte McEnroe doch öfter recht?

Zerstörte Schläger, Kraftausdrücke und Attacken gegen den Schiedsrichter - so kennt die Tenniswelt John McEnroe. Doch nun zeigt eine amerikanische Studie, dass die Ausraster des New Yorker «Bad Boys» nicht unberechtigt waren – meistens jedenfalls.

«You can't be serious!» Immer wieder brachte der us-amerikanische Tennisspieler John McEnroe in den Achtzigerjahren die Schieds- und Linienrichter an den Rand der Verzweiflung. Er zerstörte Schläger, beleidigte die Männer und Frauen an der Linie und auf dem Sthuhl und stand auch schon mal regungslos protestierend da, als wolle er eine gerade getroffene Entscheidung so gar nicht akzeptieren.

Eine Studie der University of California beweist nun, dass McEnroe mit seinem ständigen Reklamationen wohl doch öfter recht hatte, als man vor gut 20 Jahren hätte annehmen können. 4000 zufällig ausgewählte Linienrichterentscheidungen des letztjährigen Wimbledon-Turniers wurden von amerikanischen Forschern unter die Lupe genommen. Das Ergebnis lässt aufhorchen: 83 Fehlentscheidungen konnten festgestellt werden. Das Besondere dabei: Von den 83 zweifelhaften, von den Linesmen als out gewerteten, Bällen landeten tatsächlich 70 im Feld.

Menschliches Auge zu langsam

Diese Fehler treten auf, weil das menschliche Sehsystem der Wirklichkeit zeitlich ein wenig hinterher hinkt, erklärten die Wissenschaftler der University of California. Es brauche in etwa 100 Millisekunden, bis der Mensch im Gehirn bewusst ein Bild wahrnehmen kann, das auf unsere Netzhaut trifft. Normalerweise wird das durch bestimmte Mechanismen unseres Sehsystems ausgeglichen. Beim Tennis funktionieren diese aber nicht richtig, die Bälle sind einfach zu schnell für das menschliche Auge.

Natürlich (und zum Glück) ändern diese neuen Erkenntnisse das Image von John McEnroe als «Bad Boy» der Tennisszene nicht mehr. Heute müsste sich der Tennis-Rüpel übrigens nicht mehr so aufregen. Denn seit geraumer Zeit können Tennisspieler auf das elektronische Auge, das sogenannte «Hawk Eye», zurückgreifen. Mit Hilfe von mehreren TV-Kameras und einem Software-Programm ist es möglich, den genauen Abdruck der Filzkugel festzustellen, der mittels einfacher Grafik dargestellt wird.

(pre)

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