Presseschau: «Hau ab!»
Aktualisiert

Presseschau«Hau ab!»

«Tattriger Bösewicht» und «teflonüberzogener Fifa-Chef» – Sepp Blatter kommt in der Presse schlecht weg. Selbst Diego Maradona will den Braten schon immer gerochen haben.

von
gux
1 / 14
Sepp Blatter kommt nach Bekanntgabe des Fifa-Skandals in der Presse schlecht weg. So reagieren die Medien weltweit: Die deutsche Zeitung «Bild» fordert Blatters Rücktritt.

Sepp Blatter kommt nach Bekanntgabe des Fifa-Skandals in der Presse schlecht weg. So reagieren die Medien weltweit: Die deutsche Zeitung «Bild» fordert Blatters Rücktritt.

Mit einer Fotomontage behilft sich «Die Welt». Das Fifa-Schiff droht unterzugehen, so die Botschaft.

Mit einer Fotomontage behilft sich «Die Welt». Das Fifa-Schiff droht unterzugehen, so die Botschaft.

Das deutsche «Handelsblatt» zieht einen Vergleich zu einem bestens bekannten Mafia-Film.

Das deutsche «Handelsblatt» zieht einen Vergleich zu einem bestens bekannten Mafia-Film.

Mit der Verhaftung teils hochrangiger Funktionäre in Zürich gerät der Weltfussballverband noch tiefer in den Korruptionssumpf. Präsident Sepp Blatter, der für eine fünfte Amtszeit kandidiert, dürften die neuesten Entwicklungen indes nicht zum Schaden gereichen.

Denn die FIFA bezeichnet sich selbst als Geschädigte und Initiatorin der Aktion der Bundesanwaltschaft. Man habe alles Interesse an einer Aufklärung der Vorwürfe, sagte FIFA-Mediensprecher Walter de Gregorio an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. Der Kongress und die Präsidentenwahl fänden wie vorgesehen in den kommenden Tagen statt.

«Niemand braucht die Fifa»

Die Fifa kehrt also zu ihrem Business as usual zurück – unter den geharnischten Kommentaren der Weltpresse. Ein Schlagzeilen- und Kommentare-Überblick:

«Genug ist sicher genug», schreibt der Sydney Morning Herald. «Sepp Blatters lächerliches Posieren als eine Art Staatsführer ist schon schlimm genug. Seine Beteuerungen, wonach Fussball die Macht des Guten in einer ansonsten problembefrachteten Welt darstellt und die Fifa die Rolle des guten Samariters spielt, stellten sich schon vor langer Zeit als leere Worte heraus.» Der Kommentar endet mit: «Der Fisch, so lautet das Sprichwort, stinkt vom Kopf her – und der Kopf der Fifa scheint tatsächlich durch und durch verdorben.»

Die deutsche Huffington Post thematisiert die Scheinheiligkeit des Fifa-Chefs: «Niemand braucht die Fifa», titelt die Seite. Und kommentiert: «Das Frustrierende an der Fifa ist, dass es sie immer noch gibt. Dass Verbandschef Sepp Blatter nach gefühlten 679 Korruptionsskandalen, dem zynischen Umgang mit den mehr als 1000 Toten auf den Stadion-Baustellen des WM-Landes Katar, unzähligen hirnverbrannten Regelungsvorschlägen, sexistischen Ausfällen gegenüber weiblichen Fussballern und unverblümt geäusserten Allmachtphantasien immer noch an die Rednerpulte tritt — und mit dem Charme eines tattrigen, aber nicht minder fiesen James-Bond-Bösewichts von der ‹weltweiten Fussballfamilie› spricht.»

«Blatter muss abtreten!»

Unfassbar findet es die «Süddeutsche Zeitung» – im eigentlichen Sinn: «Sepp Blatter ist nicht zu fassen», schreibt sie. «Sepp Blatter ist 79 Jahre alt. Trotz seines Alters ist er mit Sicherheit der wendigste Entfesselungskünstler der Welt. Wer also glaubt, dass ihn der Sturm, der über seinen Verband an diesem Mittwochmorgen hinwegfegte, zwangsläufig mitreisst, der erhielt bereits am Mittag eine Antwort.»

Während die «Welt.de» lediglich festhält: «Das korruptionsverseuchte Fifa-Reich gerät ins Wanken», fordert die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» deutsch und deutlich: «Blatter muss abtreten!». Denn, so die Zeitung: «Jahrzehnte wirkte Joseph Blatter in entscheidenden Positionen des Weltfussballverbandes. Er arbeitete mit vielen dubiosen und inzwischen abgeurteilten Funktionären eng zusammen. Nun muss er die Verantwortung dafür übernehmen.»

Maradona hat den Blatter-Braten schon lange gerochen

Für die «Washington Post» ist Blatter der «teflonüberzogene Präsident der Fifa», während die Medien der Fussballnation Italien sich fast vornehm zurückhalten und wie der «Corriere della Sera» konstatieren: «Verhaftungen bei der Fifa: Das Reich (und das System) von Sepp Blatter zerbricht.»

Auffällig: Die latein- und südamerikanische Presse kommentiert die jüngsten Entwicklungen rund um die Fifa kaum. Und so bleibt es am ehemaligen argentinischen Fussballstar Diego Maradona hängen, seine Meinung kundzutun – zumal er den Blatter-Braten schon früh gerochen haben will: «Die Fifa hat bewiesen, dass sie Fussball hasst», sagt er auf «infobae.com». «Alle hielten mich für verrückt, als ich davon sprach. Jetzt ist die Wahrheit ans Licht gekommen.»

Deine Meinung