«Auf dich müsste man draufhauen» - «Hau-drauf»-Trainerin mit Hass-Nachrichten bombardiert
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«Auf dich müsste man draufhauen»«Hau-drauf»-Trainerin mit Hass-Nachrichten bombardiert

Die deutsche Bundestrainerin Kim Raisner wurde für ihren Umgang mit dem Pferd der Fünfkämpferin Annika Schleu heftig kritisiert. Auf Instagram sei sie übelst beschimpft worden.

Darum gehts

  • Das Pferd der Fünfkämpferin Annika Schleu wollte ihr nicht folgen.

  • Ihre Trainerin riet ihr, auf das Pferd «draufzuhauen».

  • Beide – Schleu sowie ihre Trainerin – wurden deswegen im Netz heftig angefeindet.

Die Fünfkämpferin Annika Schleu hat an der Olympiade für Empörung gesorgt. Sie hatte auf das verweigernde Pferd auf Anweisung ihrer Trainerin Kim Raisner draufgeschlagen.

«Hau mal richtig drauf! Hau drauf!», war von Raisner zu hören. Tierschützer liefen Sturm, Raisner wurde vom Wettkampf abgezogen und Schleu löschte ihr Instagram-Profil, weil sie so viele Hass-Nachrichten empfing.

Nun hat sich die deutsche Bundestrainerin Kim Raisner gegenüber der «Bild»-Zeitung geäussert. «Ja, im Nachhinein kann man vielleicht sagen, das war zu harsch», räumt Raisner ein. Die Kritik an ihrem Verhalten sei aber generell «zu hart» gewesen. Sie habe – so wie ihre Kollegin Schleu – enorm viele Hass-Nachrichten erhalten.

«Ganz schlimm hat es eigentlich Annika getroffen, die über Instagram Nachrichten bekommen hat. Das geht von Miststück bis hin zu Tierquälerin. Ich habe Nachrichten bekommen wie ‹Auf dich müsste man draufhauen› und all sowas. Das sind schon Angriffe. Da fallen auch Ausdrücke, sowas wie ‹Miststück›, das ist nicht nett, das zu lesen.»

Die Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben: Annika Schleu und dahinter Trainerin Kim Raisner.

Die Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben: Annika Schleu und dahinter Trainerin Kim Raisner.

dpa

Die langjährige Trainerin hatte auch selbst das Pferd geschlagen: «Ich weiss, auch dieser Klaps auf den Hintern, der hätte nicht sein müssen, aber der war nicht doll. Wenn man ein Pferd vorwärts reiten will, dann muss man die Zügel locker lassen, was Annika gemacht hat, und haut hinten drauf. Damit verprügelt man aber noch nicht sein Pferd. Es war ein Gerteneinsatz.»

«Wir verdreschen unsere Pferde nicht»

Gegen die Vorwürfe der Tierquälerei sagt Raisner: «Ich bin weit davon entfernt, Tiere zu quälen. Ich liebe Tiere, ich liebe Pferde, genauso wie Annika. Wir verdreschen unsere Pferde nicht.»

Das Pferd wollte Schleu am Wettkampf nicht folgen: «Annika hat das gemerkt und da war einfach Verzweiflung da. Natürlich fordere ich da auf, dass sie als Reiterin die Möglichkeiten, die sie hat, nutzt, und mit den Hilfen, die da sind, versucht, das Pferd aus der Ecke zu bekommen.»

Es stellt sich die Frage, ob man das Pferd aus dem Wettbewerb hätte nehmen müssen, nachdem es die Anweisungen der Reiterin nicht befolgte?

«Wenn ein Pferd zweimal in ein Hindernis kracht, kann es natürlich sein, dass das Pferd sagt, ‹Das hat mir so weh getan, ich springe nicht mehr›. Ich weiss, dass das immer wieder zu Diskussionen führt, auf einem fremden Pferd, aber das bringt dieser Sport mit, das macht unsere Sportart aus. Bei Olympia guckt die ganze Welt zu und dann wird immer sehr schnell über eine ganze Sportart geurteilt.»

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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