Hauchdünne Führung für Raich - Schweizer enttäuschten
Aktualisiert

Hauchdünne Führung für Raich - Schweizer enttäuschten

Die letzte alpine Entscheidung verspricht Hochspannung. Nach dem ersten Slalom-Lauf liegen die ersten drei, Benjamin Raich, Kentaro Minagawa und Kalle Palander, nur sieben Hundertstel auseinander.

Die Schweizer enttäuschten.

Von den ersten zwanzig Fahrern der Startliste kamen zwar nur zehn durch, doch Silvan Zurbriggen, Daniel Albrecht und Marc Berthod vermochten mit Rückständen zwischen 1,8 und 2,85 Sekunden die Gunst der Stunde nicht zu nutzen. Die Chancen der drei Schweizer auf eine Überraschung, wie sie etwa Zurbriggen vor drei Jahren an der WM in St. Moritz mit dem Gewinn der Silbermedaille gesorgt hatte, sind derart auf den Nullpunkt gesunken, zumal die ersten fünf nur gerade durch 27 Hundertstel voneinander getrennt sind.

Bestzeiten im ersten Lauf waren für Benjamin Raich in diesem Winter allerdings meist kein gutes Omen. Viermal lag er nach halbem Pensum vorne, dreimal fiel er im Finale aus, einmal, in Madonna di Campiglio, wurde er von Giorgio Rocca noch auf Platz 2 verwiesen. Derweil Raich nach seinem Riesenslalom-Gold den zweiten Olympiasieg ansteuert, könnten Minagawa und Palander für Premieren sorgen. Minagawa könnte den ersten japanischen Medaillengewinn bei den Alpinen einfahren, Palander wäre der erste Finne, der in einem olympischen Männer-Rennen Edelmetall holt - einen Tag, nachdem Tanja Poutiainen als Riesenslalom-Zweite für die allererste Olympia-Medaille der finnischen Alpin-Abteilung gesorgt hatte.

Für Giorgio Rocca, der die ersten fünf Weltcup-Slaloms des Winters für sich entschieden hatte und von dem die einheimischen Zuschauer nichts anderes als die Goldmedaille erwartet hatten, endete der Traum vom Olympiasieg nach einem Sturz schon nach wenigen Sekunden. Mit dem Amerikaner Ted Ligety blieb ein weiterer Mitfavorit auf der Strecke. Der Kombinations-Olympiasieger fädelte wie sein Landsmann Bode Miller ein und wurde nachträglich disqualifiziert. Miller, dem in allen fünf Disziplinen Medaillenchancen eingeräumt worden waren, reist damit mit leeren Händen aus Sestriere ab.

Für Jean-Pierre Vidal, den Slalom-Olympiasieger von 2002, kam das Aus schon 24 Stunden, an seinem 29. Geburtstag, vor dem Wettkampf. Der Franzose, der sich mit seinem Sieg in Kitzbühel nach langer Durststrecke eindrücklich zurückgemeldet hatte, brach sich beim freien Skifahren den linken Arm.

Erster Lauf, Stand nach 50 Fahrern: 1. Benjamin Raich (Ö) 53,37. 2. Kalle Palander (Fi) 0,01 zurück. 3. Kentaro Minagawa (Jap) 0,07. 4. Reinfried Herbst (Ö) 0,18. 5. Thomas Grandi (Ka) 0,27. 6. Andre Myhrer (Sd) 0,58. 7. Rainer Schönfelder (Ö) 0,66. 8. Akira Sasaki (Jap) und Johan Brolenius (Sd) 1,00. 10. Patrick Biggs (Ka) 1,01. 11. Ivica Kostelic (Kro) 1,06. 12. Pierrick Bourgeat (Fr) 1,08. 13. James Cochran (USA) 1,12. 14. Martin Hansson (Sd) 1,13. 15. Chip Knight (USA) 1,34. Ferner: 24. Silvan Zurbriggen (Sz) 1,80. 27. Daniel Albrecht (Sz) 1,96. 30. Marc Berthod (Sz) 2,85. -- Ausgeschieden u.a.: Giorgio Rocca (It), Ted Ligety (USA), Markus Larsson (Sd), Alois Vogl (De), Stéphane Tissot (Fr), Bode Miller (USA), Mario Matt (Ö), Manfred Mölgg (It), Patrick Thaler (It), Hans-Petter Buraas (No).

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