Staufener Missbrauchsfall: Hauptangeklagte müssen zwölf Jahre ins Gefängnis
Aktualisiert

Staufener MissbrauchsfallHauptangeklagte müssen zwölf Jahre ins Gefängnis

Das Freiburger Landgericht hat am Dienstag sein Urteil gegen die Hauptangeklagten im Staufener Missbrauchsfall gefällt.

Im Fall des im Netz zum sexuellen Missbrauch verkauften Buben muss die Mutter des Kindes zwölfeinhalb Jahre hinter Gitter. Ihr Lebensgefährte erhielt zwölf Jahre Haft und eine Sicherungsverwahrung. (Video: Tamedia/SDA)

Berrin T. und ihr Lebensgefährte Christian L. wurden am Dienstag vom Freiburger Landgericht zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Mutter muss zwölfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Ihr Lebensgefährte erhielt zwölf Jahre Haft und anschliessende Sicherungsverwahrung.

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Im Fall des im Darknet zum sexuellen Missbrauch verkauften Jungen aus Staufen bei Freiburg müssen sich die Mutter (hinten links) und der Stiefvater (Mitte) des Kindes vor dem Landgerichts Freiburg verantworten. (11. Juni 2018). Am Dienstag 7. August fiel das Urteil gegen die Hauptverdächtigen.

Im Fall des im Darknet zum sexuellen Missbrauch verkauften Jungen aus Staufen bei Freiburg müssen sich die Mutter (hinten links) und der Stiefvater (Mitte) des Kindes vor dem Landgerichts Freiburg verantworten. (11. Juni 2018). Am Dienstag 7. August fiel das Urteil gegen die Hauptverdächtigen.

epa/Thomas Lohnes / Pool
Die Staatsanwaltschaft wirft der 48 Jahre alten Berrin T. und dem 39 Jahre alten Christian L. unter anderem besonders schwere Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, besonders schwere Zwangsprostitution und Verbreitung kinderpornografischer Schriften vor.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 48 Jahre alten Berrin T. und dem 39 Jahre alten Christian L. unter anderem besonders schwere Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, besonders schwere Zwangsprostitution und Verbreitung kinderpornografischer Schriften vor.

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Die Verlesung der Anklage gegen das Paar zog sich über mehr als drei Stunden. Darin listeten die Ankläger mehr als 50 Taten auf, die die Mutter und ihr als Pädophiler einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte zu verantworten haben sollen.

Die Verlesung der Anklage gegen das Paar zog sich über mehr als drei Stunden. Darin listeten die Ankläger mehr als 50 Taten auf, die die Mutter und ihr als Pädophiler einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte zu verantworten haben sollen.

AFP/Thomas Kienzle

Das heutige Urteil bildet das vorläufige Ende des Missbrauchsfalls, der Staufen bei Freiburg im Breisgau erschütterte. Der in Staufen lebende Junge war von der Mutter und ihrem Partner mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen worden.

Der Fall war vor sechs Monaten von den Ermittlern öffentlich gemacht worden und sorgt seither bundesweit für Entsetzen.

Politische Aufarbeitung

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, nach der juristischen auch eine politische Aufarbeitung gefordert. Die Versäumnisse und Entscheidungen, die dazu geführt hätten, dass dem Kindeswohl so schwer geschadet wurde, müssten jetzt «schonungslos ausgeleuchtet werden», sagte Rörig am Dienstag im Südwestrundfunk.

Er regte eine Bundesratsinitiative Baden-Württembergs an, um eine gesetzliche Fortbildungspflicht für Familienrichter auf den Weg zu bringen. Der Fall Staufen habe gezeigt, «dass auch Familiengerichte nicht frei von Fehlern sind». Bis heute sei es unerklärlich, dass der Junge nicht angehört worden sei.

Der Fall zeige, dass viele Informationen aufgenommen worden seien, «aber nicht richtig ausgetauscht und bewertet wurden». Deshalb sei das Kindeswohl in diesem Fall «so unter die Räder gekommen», sagte Rörig. Nötig sei auch eine personelle und finanzielle Stärkung der Jugendämter und Familiengerichte. (20 Minuten/afp)

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