Aktualisiert 29.06.2018 07:52

Munition in Mitholz BE«Hauptgefahr liegt in der Anlage selber»

Im ehemaligen Munitionsdepot im Berner Oberland liegen immer noch 3500 Tonnen Munitionsreste. Jetzt räumt die Armee eine Truppenunterkunft.

von
hvw

Regina Trachsel hat die Explosion des Munitionslagers miterlebt. (Video: SDA)

Im vor 71 Jahren in die Luft geflogenen ehemaligen Munitionsdepot Mitholz der Armee im Berner Oberland besteht ein höheres Explosionsrisiko als bisher angenommen. Der Bund hält es allerdings nicht für nötig, Sofortmassnahmen zu ergreifen.

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Roman Lanz, Gemeindepräsident Kandergrund, Christoph Neuhaus, Regierungsratspräsident Kanton Bern, Bruno Locher, Chef Raum und Umwelt der Schweizerischen Eidgenossenschaft,  und Bundesrat Guy Parmelin (von links) informieren über neue Erkenntnisse zum ehemaligen Munitionslager Mitholz.

Roman Lanz, Gemeindepräsident Kandergrund, Christoph Neuhaus, Regierungsratspräsident Kanton Bern, Bruno Locher, Chef Raum und Umwelt der Schweizerischen Eidgenossenschaft, und Bundesrat Guy Parmelin (von links) informieren über neue Erkenntnisse zum ehemaligen Munitionslager Mitholz.

Keystone/Peter Schneider
Ein Zwischenbericht einer Expertengruppe kommt zum Schluss, dass im ehemaligen Munitionslager Mitholz ein höheres Risiko für eine weitere Explosion von Munitionsrückständen besteht, als bisher angenommen.

Ein Zwischenbericht einer Expertengruppe kommt zum Schluss, dass im ehemaligen Munitionslager Mitholz ein höheres Risiko für eine weitere Explosion von Munitionsrückständen besteht, als bisher angenommen.

Keystone/Peter Schneider
Im zweiten Weltkrieg wurde in der Gemeinde Kandergrund BE ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut.

Im zweiten Weltkrieg wurde in der Gemeinde Kandergrund BE ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut.

Keystone/Walter Studer

Wie der Bundesrat am Donnerstag bekanntgab, hatten Beurteilungen in den Jahren 1949 und 1986 ergeben, dass es bei einer weiteren Explosion im Munitionsdepot nur zu kleinen Schäden käme. Eine Truppenunterkunft und ein Lager der Armeeapotheke in dieser Anlage könnten nicht weiterbetrieben werden.

Bei Planungsarbeiten für ein neues Rechenzentrum in der Anlage haben nun aber Untersuchungen ergeben, dass äussere Einwirkungen wie ein Felssturz eine Explosion verursachen könnten. Diese Explosion könnte auch Schäden in der nahen Umgebung anrichten. Als Auslöser für eine Explosion kommen auch der Einsturz von Anlageteilen oder eine Selbstzündung von verschütteten Munitionsrückständen in Frage.

«Zuerst war ich überrascht»

Video: Martin Bürki

«Ich war überrascht»: Guy Parmelin beantwortet die wichtigsten Fragen zum Munitionsdepot. (Video: Martin Bürki)

Die Grenzwerte für die heute geltenden Regelungen im Umgang mit Risiken werden jedenfalls nicht eingehalten.

Deshalb hat der Bundesrat an seiner Sitzung vom Mittwoch das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) beauftragt, weitere Abklärungen zur Risikobeurteilung und zur Senkung des Risikos zu treffen. Eine Arbeitsgruppe soll das tun.

Dorf wird nicht evakuiert

Wie Bundesrat Guy Parmelin am Donnerstag in Mitholz vor den Medien sagte, besteht keine Notwendigkeit, das Dorf Mitholz zu evakuieren oder die Strasse nach Kandersteg zu sperren. Auch die Bahn ist nicht betroffen.

In Mitholz vernichteten 1947 drei grosse Explosionen etwa die Hälfte der dort eingelagerten 7000 Bruttotonnen Munition. Neun Menschen starben, als herumfliegende Felsbrocken Häuser trafen, sieben wurden verletzt, 200 obdachlos. Der Grund für die Explosionen konnte nie restlos geklärt werden.

«Es ist nicht nötig, das Dorf zu evakuieren»

Video: Martin Bürki

«Hauptgefahr liegt in der Anlage selber»: Bundesrat Guy Parmelin an der Pressekonferenz. (Video: Martin Bürki)

Heute befinden sich laut einer Schätzung noch rund 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff in den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel davor.

Gemeinderat «durcheinander»

Der Gemeindepräsident von Kandergrund BE – zu dieser Gemeinde gehört Mitholz – sagte vor den Medien, der Gemeinderat sei nach der Information durch den Bund ein bisschen durcheinander. Er könne die Neuigkeiten noch nicht einordnen. Er sei froh, dass das VBS eine Hotline für die Bevölkerung einrichten wolle, so Gemeindepräsident Roman Lanz.

«Ich war in einer Schockstarre»

Video: Martin Bürki

«Ich war in Schockstarre»: Interview mit dem Gemeindepräsidenten von Kandergrund Roman Lanz. (Video: Martin Bürki)

Nach der Medienkonferenz stand eine Information für die lokale Bevölkerung auf dem Programm.

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