Bezirksgericht Zürich: Hausabwart zockt Mieter und Vermieter ab
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Bezirksgericht ZürichHausabwart zockt Mieter und Vermieter ab

In Zürich hat ein betrügerischer Hauswart diverse Wohnungen zu teueren Preisen heimlich untervermietet und mit anderen Tricks rund 200 000 Franken für sich abgezweigt.

von
Attila Szenogrady

Die akute Wohnungsnot kann in Zürich kriminelle Blüten treiben. Dies zeigt ein nun eröffnetes Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Der Entscheid richtet sich gegen einen 52-jährigen Schweizer Hauswart. Der teilgeständige Angeklagte hatte in den Zürcher Kreisen 3 und 4 diverse billige Wohnungen oder sogar Besenkammern ohne Wissen der Eigentümer teuer untervermietet und damit erhebliche Summen einkassiert.

Zum Teil das Dreifache eingesteckt

Zum Beispiel an der Martastrasse, wo der Angeschuldigte über ein Jahr lang eine 3-Zimmer-Wohnung für monatlich 1500 Franken an eine portugiesische Familie vermietete. In Wahrheit kostete die Miete bloss 510 Franken. Womit der Betrüger 990 Franken pro Monat in die eigenen Taschen wirtschaftete. Die Anklageschrift listete neun weitere Fälle auf.

Der Angeschuldigte kannte aber auch weitere Tricks, um illegal an Geld zu kommen. Laut Anklage zog er in einer Liegenschaft an der Lagerstrasse von den Anwohnern regelmässig die aufgeladenen Geldbeträge für den Waschküchenschlüssel ein. Um danach nur einen Bruchteil davon dem Eigentümer weiterzuleiten. Von 48 000 Franken soll er über 45 000 Franken für sich eingesteckt haben.

Für Geister-Putzfrau kassiert

In einem anderen Fall stellte der Angeklagte eine Geister-Putzfrau an. Obwohl sie keinen Finger krumm machte, schrieb er für die heute 39-jährige Portugiesin gefälschte Arbeitsrapporte mit 280 Stunden zu 25 Franken. Wobei das Duo damit rund 7400 Franken absahnte und unter sich aufteilte. Allerdings meldete sich die Frau schon bald freiwillig bei der Polizei.

Auf zu grossem Fuss gelebt

Nachdem der Angeklagte aufgeflogen war, legte er teilweise ein Geständnis ab. Laut Anklage betrug der gesamte Deliktsbetrag rund 200 000 Franken. In seinem nun eröffneten Urteil hat das Gericht den Angeklagten wegen mehrfachen Betrugs sowie Veruntreuung zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 80 Franken sowie zu einer Busse von 1500 Franken verurteilt. In einigen Punkten war das Gericht mangels Beweisen auch zu Freisprüchen gekommen. Die Putzfrau kassierte wegen Betrugs eine bedingte Strafe von sieben Tagessätzen zu 100 Franken sowie 300 Franken Busse.

Zum Tatmotiv ist dem schriftlich begründeten Urteil zu entnehmen, dass der Mann auf zu grossem Fuss gelebt habe. Er fuhr zwei teuere Fahrzeuge, hielt ein Pferd und gewährte diversen Personen Darlehen. Zudem geriet er nach der Scheidung in ernste finanzielle Engpässe.

Für zwei geschädigte Immobilien-Eigentümer ist die Sache noch nicht ausgestanden. Von den Forderungen von rund 200 000 Franken konnte der zuständige Strafrichter lediglich 20 300 Franken als Schaden anerkennen. Über den grossen Rest soll nun ein Zivilgericht entscheiden.

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