Volksinitiative: Hausärzte wollen in die Verfassung

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VolksinitiativeHausärzte wollen in die Verfassung

Die Schweizer Hausärzte haben die Lancierung einer Volksinitiative zur Aufwertung der Hausarztmedizin beschlossen. Diese soll kommenden Herbst lanciert werden und die Hausarztmedizin in der Bundesverfassung verankern.

Das teilen die Hausärzte am Samstag mit. Sie fordern verbesserte finanzielle Rahmenbedingungen. Der Beschluss zur Initiative fiel an der jährlichen Kadertagung der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) auf dem Innerschweizer Bürgenstock. Das Initiativkomitee werde ausschliesslich aus Hausärzten bestehen, teilte die SGAM mit. Die Initiative verlange, die Hausarztmedizin als wesentlichen Bestandteil der Grundversorgung in der Verfassung zu garantieren, und zwar für alle zugänglich, fachlich umfassend und qualitativ hochstehend.

Damit dies möglich sei, brauche es veränderte ökonomische Rahmenbedingungen. Ziel sei, den Beruf des Hausarztes aufzuwerten und ihn für den medizinischen Nachwuchs attraktiver zu machen. Gefordert wird laut der SGAM eine verbesserte Aus- und Weiterbildung und eine bessere Abgeltung der diagnostischen, therapeutischen und präventiven Tätigkeiten der Hausarztmedizin. Zudem sei eine Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen nötig. Dies bedeute zum Beispiel, dass auch die Notfall-Präsenzzeit der Hausärzte abgegolten werden müsse, sagte SGAM-Vizepräsidentin Margot Enz Kuhn auf Anfrage. Derzeit verschlechtere sich die finanzielle Situation der Hausärzte zusehends. «Wenn nicht bald etwas geschieht, gibt es in zehn Jahren keine Hausärzte mehr», sagte sie.

Die SGAM kündigte zudem an, die Patienten zu ihren politischen Partnern zu machen. Zusammen sei man eine plebiszitäre Macht, die mit der Lancierung der Initiative erstmals die politische Bühne betrete. Die Volksinitiative solle der Hausarztmedizin und damit der optimalen Grundversorgung der Bevölkerung zum Durchbruch verhelfen. «Ein Sieg in einer Volksabstimmung würde nicht nur die Hausarztmedizin in der Verfassung verankern, sondern die gesundheitspolitischen Machtverhältnisse umkehren», hielt die SGAM fest. Mit der Initiative wolle man denn auch eine gesellschaftspolitische Diskussion anregen und Patienten und Versicherten mehr Stimme geben, sagte Enz Kuhn.

Die Kadertagung der SGAM mit Referenten aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung habe ergeben, dass es heute die Hausarztmedizin mehr denn je brauche. Dies aus ökonomischen Gründen sowie angesichts der zunehmenden Aufsplitterung der Spezialistenmedizin, hiess es. So biete die Hausarztmedizin das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Position des Hausarztes werde umso wichtiger, je mehr Spezialisten einen Patienten behandelten, denn der Hausarzt behalte als Einziger den Überblick. Auch sei er der eigentliche Spezialist bei Mehrfacherkrankungen im hohen Alter. Die Volksinitiative soll im Herbst sofort nach der Gründung des Dachverbands «Hausärzte Schweiz» lanciert werden. (dapd)

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