Schulwissen ade: Hausaufgaben der Kinder überfordern die Eltern
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Schulwissen adeHausaufgaben der Kinder überfordern die Eltern

Vor allem bei Mathe-Aufgaben wissen viele Eltern nicht mehr weiter. Sie schicken die Sprösslinge darum in die Nachhilfe oder besuchen selbst Kurse.

von
ann
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Matheaufgaben können schon in der Primarschule recht komplex sein. Gemäss einer britischen Studie fühlen sich zwei Drittel der Eltern unsicher, wenn sie gewisse Themen ihren Kindern erklären sollen. Dies ist in der Schweiz offenbar ähnlich.

Matheaufgaben können schon in der Primarschule recht komplex sein. Gemäss einer britischen Studie fühlen sich zwei Drittel der Eltern unsicher, wenn sie gewisse Themen ihren Kindern erklären sollen. Dies ist in der Schweiz offenbar ähnlich.

Keystone/Gaetan Bally
Viele Eltern besuchen darum Weiterbildungskurse - auch in Schulstoff-Wissen - um diesem Problem beizukommen.

Viele Eltern besuchen darum Weiterbildungskurse - auch in Schulstoff-Wissen - um diesem Problem beizukommen.

Keystone/Gaetan Bally
Andere finanzieren eine professionelle Nachhilfe, die sich der Kinder annimmt. Das Thema Hausaufgaben sei permanent ein Thema, heisst es bei den Elternorganisationen.

Andere finanzieren eine professionelle Nachhilfe, die sich der Kinder annimmt. Das Thema Hausaufgaben sei permanent ein Thema, heisst es bei den Elternorganisationen.

Keystone/Wade Payne

Wissen Sie noch, wie der umgekehrte Dreisatz funktioniert? Und können Sie auf Anhieb die Gesetze des Bruchrechnens abrufen? Nicht? Dann sind Sie nicht allein. In Grossbritannien hat eine Umfrage unter 2000 Eltern ergeben, dass bei zwei Dritteln die Hausaufgaben der Kinder für rote Köpfe sorgen.

Viele können nicht helfen oder müssen sich zuerst übers Internet schlau machen, um Antworten zu haben. Das Fach, das die Mütter und Väter mit Abstand am häufigsten nannten, war Mathematik.

«Eltern stossen oft an ihre Grenzen»

Die 2009 publizierte Studie «Leitlinien zur Förderung von Mathematiklernen in Familien» zeigt: Dies gilt auch für die Schweiz. Laut den Ergebnissen fühlen sich zahlreiche Eltern nicht kompetent genug, um ihren Kindern in Mathematik zu helfen. Sie senden diese darum in private Nachhilfekurse, bitten den Lehrer um Hilfe oder verzichten ganz darauf, den Sohn oder die Tochter zu unterstützen. Andere besuchen gar spezielle Mathematikkurse, um mithalten zu können.

Für Schweizer Elternorganisationen sind diese Schwierigkeiten nicht überraschend. «Eltern stossen beim Helfen oft an ihre Grenzen», sagt Sabine Wiedmann, Präsidentin der Schweizer Vereinigung der Elternorganisationen. Das Thema Hausaufgaben sorge denn auch permanent für Diskussionen – und Eltern machten sich deswegen grosse Sorgen.

Frust und Streit wegen Hausaufgaben

«Die Anforderungen in der Schule sind so gestiegen, ohne Unterstützung von daheim geht es kaum mehr.» Dennoch sollte es gemäss Wiedmann nicht so sein, dass Eltern Schulstoffkurse besuchen müssen. «Es ist an der Schule, den Kindern alles richtig zu erklären.»

Auch Sabine Zehren von Schule und Elternhaus Schweiz findet, die Kinder sollten eigentlich vom Lehrer Hilfe erhalten. Die Themen in Mathematik seien aber oft schwierig und anspruchsvoll und die Kinder würden diese nicht immer verstehen. «Wenn Eltern dann auch Schwierigkeiten haben, kommt es oft zu Frust und Streitereien», sagt sie.

Eltern fungieren oft erfolgreich als Hilfslehrer

Sie selbst habe einen Kurs zu Lerntechniken und Mathematik in der Primarschule besucht. «Es hilft, die Situation zu Hause zu entspannen.» Eltern, die Zeit hätten, würden sich darum heute auch in Schulwissen weiterbilden. «Es ist wichtig, sein Kind gut zu begleiten.»

«Eltern müssen ihren Kindern den Schulstoff nicht erklären können», sagt hingegen Franziska Peterhans vom Lehrerdachverband Schweiz. Darum sei es nicht schlimm, wenn viele den Schulstoff nicht verstehen würden. Die Eltern sollten sich vielmehr für die Hausaufgaben interessieren und schauen, dass die Kinder diese machten. Man wisse aber, dass viele Eltern sehr erfolgreich als Hilfslehrer fungierten. «Es ist darum sicher nicht nachteilig, wenn Eltern Kurse besuchen, um ihr Wissen aufzubessern.»

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