18.01.2017 11:08

Nyon VD

Hausbesitzer misshandeln obdachlosen Eindringling

Zwei Männer ertappten einen Randständigen, der in ihr Ferienhaus eingedrungen war – und schlugen ihn zusammen. Jetzt wird ihnen in Nyon der Prozess gemacht.

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Vor diesem Gericht in Nyon mussten sich ein Mann und sein Sohn verantworten, weil sie einen Obdachlosen angegriffen hatten.

Vor diesem Gericht in Nyon mussten sich ein Mann und sein Sohn verantworten, weil sie einen Obdachlosen angegriffen hatten.

Keystone/Fabrice Coffrini

Ein 51-Jähriger und sein 24-jähriger Sohn mussten sich am Dienstag vor Gericht in Nyon verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, einen Obdachlosen körperlich angegriffen und festgehalten zu haben.

Passiert war es am 23. August 2015. Damals betraten die beiden Angeklagten ihr Ferienhaus in Nyon – und stiessen dort auf einen schlafenden Mann. Dass der Obdachlose in das Haus eingedrungen war, um dort sein Quartier zu beziehen, kostete ihn eine Tracht Prügel. Der beschuldigte Vater sagte vor Gericht: «Ich konnte die Heftigkeit meiner Schläge nicht steuern, denn ich hatte Angst.»

Opfer erlitt ein Schädeltrauma

Auch nachdem sie den Obdachlosen überwältigt hatten, schlug das Vater-Sohn-Duo offenbar weiter auf ihn ein. «Die Besessenheit, mit der sie vorgingen, ist schockierend», sagte die Staatsanwältin. Das Opfer erlitt zahlreiche Verletzungen, darunter ein Schädeltrauma. «Sie haben sich an ihm regelrecht abreagiert», so die Staatsanwältin.

Die Hausbesitzer liessen den Mann danach nicht gehen, sondern hielten ihn noch eine halbe Stunde lang fest. Daher müssen sie sich auch wegen Freiheitsberaubung verantworten. Warum sie so vorgingen, erklärte der Sohn damit, dass sie den Eindringling erst noch befragen wollten: «Ich war neugierig, wie er in dieses Haus gekommen war, seine Antworten regten mich auf, und ja, das hat dazu geführt, dass ich ihm noch ein paar Ohrfeigen verpasste.»

Obdachloser hatte die Hausschlüssel in der Tasche

Der Vater fügt an, er habe es nicht ertragen, die Schlüssel seines Ferienhauses in der Tasche des Obdachlosen zu finden: «Ich fühlte mich dadurch in meiner Intimsphäre verletzt.» Bevor sie den Mann schliesslich aus dem Haus warfen, nahmen sie ihm seine persönlichen Gegenstände und sein Geld ab. «Wir wollten ihm die Sachen aber am nächsten Tag zurückgeben», versicherte der Sohn beim Prozess.

Nach dem Vorfall wandte sich der Obdachlose an die Polizei. Diese setzte die beiden Täter daraufhin für fünf Tage in Untersuchungshaft. Klagen gegen die beiden hat das Opfer, das nach der Attacke mehrere Tage im Spital lag, mittlerweile zurückgezogen – es hat sich mit seinen Angreifern auf dem zivilen Weg geeinigt. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Angeklagten eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Das Urteil wird am nächsten Montag verkündet.

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