Aktualisiert 13.01.2017 10:53

In den Kamin gefallen

Hausbesitzerin behindert Rettung von jungem Büsi

Eine sechs Monate alte Katze war zehn Tage lang in einem Kamin gefangen. Sie hätte früher befreit werden können, hätte die Hausbesitzerin die Retter in ihr Heim gelassen.

von
vro
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Rita und ihr Herrchen erlebten im französischen Bossey zehn nervenaufreibende Tage.

Rita und ihr Herrchen erlebten im französischen Bossey zehn nervenaufreibende Tage.

Lionel Flusin/Le Matin
Das Büsi war in diesem Kaminschacht gefangen. Weil die Hausbesitzerin den Zutritt zu ihrer Wohnung verweigerte, musste Rita tagelang im Dunkeln ausharren.

Das Büsi war in diesem Kaminschacht gefangen. Weil die Hausbesitzerin den Zutritt zu ihrer Wohnung verweigerte, musste Rita tagelang im Dunkeln ausharren.

Lionel Flusin/Le Matin

Ein Genfer Katzenbesitzer erlebte Anfang Jahr bange Momente. Mit seiner Katze Rita war der Genfer über Silvester in seiner Zweitwohnung im französischen Bossey, als die sechs Monate alte Tigerkatze plötzlich nicht mehr heimkehrte. «Sie kennt das Haus gut. Normalerweise verschwindet sie nie», erzählt der 41-Jährige der Zeitung «Le Matin». Am nächsten Tag habe er sich allmählich Sorgen gemacht und sei im ganzen Dorf auf die Suche nach seinem Büsi gegangen – vergeblich.

Doch bei der Rückkehr in das Reihenhaus kam er Rita auf die Spur: «Ich hörte im Haus ein Miauen. Ich dachte, sie sei in der Decke eingeklemmt.» Ein Schreiner bohrte deshalb mehrere Löcher in die Decke, fand jedoch keine Katze. Schliesslich rückte auch die Feuerwehr zweimal mit einer Infrarotkamera an, um das arme Tier zu lokalisieren. «Man hat schliesslich entdeckt, dass sie in den Kamin des Nachbarhauses gefallen war», erzählt der Genfer.

«In der Schweiz hätte die Polizei interveniert»

Das war am 4. Januar. Die Rettung der Katze hätte noch am selben Tag stattfinden können, hätte die Nachbarin dies zugelassen. Doch sie stellte sich stur. Weil sie im Spital lag, untersagte sie dem 41-Jährigen den Zutritt zu ihrer Wohnung. «Sie hat mir gesagt, es sei nur eine Katze, das sei überhaupt nicht wichtig und ich solle mich beruhigen.»

Dem Genfer waren die Hände gebunden. «In der Schweiz hätte die Polizei intervenieren und die Tür öffnen lassen können», bestätigt Valérie Derivaz, Präsidentin von SOS Chats. «Das ist der Fall, wenn ein Tier in Not ist. In Frankreich ist das unmöglich.»

Kaminfeger seilte Futter ab

Der Katzenbesitzer musste eine andere Lösung finden. Also versuchte er, durch die Rückwand seines begehbaren Kleiderschranks in den Kamin zu gelangen – doch auch das ohne Erfolg. «Ich hörte sie immer lauter miauen, Tag und Nacht, und ich war total machtlos. Das war Horror!»

Schliesslich ein Hoffnungsschimmer: Ein Kaminfeger erbot sich, kostenlos Futter und etwas zu trinken in den Kamin abzuseilen. «Er kam viermal vorbei. Zudem liess er ein Seil mit Knoten in den Schacht, damit sie hochklettern kann», erzählt der Genfer. Befreien konnte sich Rita dadurch aber noch immer nicht.

Nach der Anzeige gab die Nachbarin nach

Erst als ihr Besitzer eine Anzeige bei der Polizei gemacht und ein Bekannter nochmals auf die Nachbarin eingeredet hatte, gab diese nach und liess die Retter in ihre Wohnung. «Mehrere Dorfbewohner, die in den ganzen Tagen dabei waren, haben mich begleitet», erzählt der Katzenbesitzer. Ein Schlosser habe die Tür geöffnet.

Nach zehn Tagen im dunklen Kaminschacht konnte Rita schliesslich am Montag aus ihrer Misere befreit werden. «Ich kann den Leuten, die mir geholfen haben, nicht genug danken», sagt der 41-Jährige zur Zeitung.

Nach ihrer Befreiung habe sich Rita erst einmal ein Festmahl gegönnt.« Seither ist sie ständig in Bewegung. Sie steht noch immer unter Schock. Sie wird sich beruhigen, aber das braucht Zeit.» Um sicherzugehen, brachte der Genfer sein Büsi am Donnerstag zum Check beim Tierarzt vorbei.

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