Hauskrach bei den CH-Unternehmern
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Hauskrach bei den CH-Unternehmern

Das Rumoren im Schweizer Wirtschaftsdachverband economiesuisse hat sich verstärkt. Einen Tag nach dem Maschinen- und Metallindustrie-Verband swissmem äusserte auch der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) Austrittsgelüste.

Die SBV-Delegiertenversammlung in Bern ermächtigte den Zentralvorstand laut Mitteilung einstimmig, abschliessend über den Austritt aus der economiesuisse per Ende Jahr zu entscheiden. Zuvor sollen aber bereits vorgesehene Gespräche stattfinden. Die Interessen der Schweizer Baumeister könnten von economiesuisse nur ungenügend wahrgenommen werden, hiess es zur Begründung.

Der SBV will sich auf den Gewerbeverband, der auf kleine und mittlere Unternehmungen ausgerichtet sei, und den Arbeitgeberverband konzentrieren. Der SBV anerkenne die Leistungen von economiesuisse vor allem in Abstimmungskampagnen sowie zu Gunsten der Exportwirtschaft und einzelner wichtiger Branchen. Er sei sich bewusst, dass die aufs Inland konzentrierte Bauwirtschaft vom Erfolg im Export und einzelner Wirtschaftszweige abhänge und setze sich für günstige Rahmenbedingungen dieser Branchen ein. Fallweise Zusammenarbeit sei deshalb auch in Zukunft möglich.

Bereits am Montag hatte swissmem, der Branchenverband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, die Mitgliedschaft bei economiesuisse per Ende Jahr vorsorglich gekündigt. Swissmem-Präsident Johann N. Schneider-Ammann hatte zuvor kritisiert, economiesuisse nehme verstärkt die Interessen von Branchen wie dem Finanz- oder dem Pharmasektor wahr. Auch swissmem führt noch Gespräche mit economiesuisse.

Economiesuisse-Sprecher Urs Rellstab zeigte sich auf Anfrage gelassen. Positiv sei, dass beide Verbände das Gespräch suchten und man nicht vor einem Fait-accompli stehe. Laut Rellstab hat economiesuisse in den vergangenen fünf Jahren ihre Basis mit mehr als 30 neuen Mitgliedern laufend verbreitert. Von weiteren Austritten sei ihm nichts bekannt. Economiesuisse-Direktor Rudolf Ramsauer hatte am Montagabend im Schweizer Fernsehen SF erklärt, jedes Auseinanderdriften und Aufsplittern schwäche die Wirtschaft: «Entscheidend ist, dass die Wirtschaft in übergeordneten Dingen mit einer Stimme spricht.»

Dies unterstützte am Dienstag die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg). Deren Sprecher Thomas Sutter sagte auf Anfrage, die SBVg habe den Eindruck, economiesuisse vertrete durchaus die Interessen der Gesamtwirtschaft, etwa bei Liberalisierung und Ausgabendisziplin. Auch für Strommarktöffnung und Freizügigkeit habe sich economiesuisse eingesetzt, was keine ausgesprochenen Bankthemen seien. «Es wäre sehr schade, wenn bei gesamtwirtschaftlichen Themen ein Keil in die Wirtschaft getrieben würde», sagte er. Die SBVg vertrete ihre Partikularinteressen selber, etwa bei der Zinsbesteuerung und der Verwendung der Nationalbankgewinne. (dapd)

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