Aktualisiert 24.07.2013 12:08

Royal CaninHaustierfutter-Firma sponsert Bärenkämpfe

Royal Canin, Hersteller von Hunde- und Katzenfutter, hat in der Ukraine illegale Bärenkämpfe gesponsert. Das Premiumfutter von Royal Canin ist auch in der Schweiz erhältlich.

von
gux

Das Video der Tierschutzgesellschaft «Vier Pfoten» ist nicht nur für Tierfreunde schwer anzuschauen. Es zeigt einen Bärenkampf im ukrainischen Winnyzja: Zuschauer verfolgen von einer Holzbank aus gespannt, wie jeweils zwei oder drei Jagdhunde einen Braunbären attackieren. Dieser ist angekettet, oft sind auch seine Krallen gestutzt. So kann er sich nicht gut gegen die Hunde wehren. Mehrere Männer zerren den Bären über den Kampfplatz und zwingen ihn so an den Hunden vorbei. Gleichzeitig feuern sie die Hunde an, das Tier noch aggressiver zu attackieren, sich noch fester darin zu verbeissen.

So geht das stundenlang: Immer wieder werden neue Hunde auf den gleichen Bären gehetzt. Der «erfolgreichste» Hund ist der, der dem Bären am meisten zusetzt. Ein Punkterichter beurteilt den Kampf. Der Besitzer des Hundes mit den meisten Punkten erhält einen Pokal – gesponsert von Royal Canin, Hersteller von hochpreisigem Haustierfutter.

Pokale mit dem Logo von Royal Canin

Im Video sind auch die am Wettbewerb vergebenen Pokale deutlich zu erkennen: Auf allen prangt das Firmenlogo von Royal Canin und eine kurze Gravur mit kyrillischen Buchstaben. Das Osteuropäische Institut der Uni Zürich (OEG) hat eine Inschrift für 20 Minuten übersetzt: «Die Royal-Canin-Meisterschaft, Hunde-Verband der Ukraine», steht auf dem Pokal. Und: «Die zweite Meisterschaft zwischen Jagdhunden für Bären und Wildschweine. Nationale Wettbewerbe. Feldchampion. 25. bis 28. April 2013»

Das Sponsoring des brutalen Wettbewerbe steht im Widerspruch zum tierfreundlichen Leitsatz von Royal Canin: «Wissen um und Respekt vor der Natur unserer Haustiere ist der Leitsatz, an dem sich alle Aktivitäten von Royal Canin ausrichten. Wir fühlen uns verpflichtet, das Wissen zum Wohle des Tieres ständig zu erweitern und zu vertiefen», heisst es auf der Firmenhomepage.

Royal Canin Schweiz: Wir sind entsetzt

Gegenüber der Tierschutzorganisation hatte der Konzern mit Sitz in Frankreich noch «jegliches Gespräch verweigert», wie «Vier Pfoten» schreibt.

Jetzt aber hat Royal Canin bestätigt, in den tierquälerischen Wettbewerb im ukrainischen Winnyzja involviert gewesen zu sein. In einer Mitteilung von heute heisst es unter anderem: «Unser Verantwortlicher in der Ukraine wurde angewiesen, sofort Schritte einzuleiten, um Sponsoring und Trainings dieser Art zu stoppen.»

Bei Royal Canin Schweiz ist man angesichts der Vorwürfe schwer betroffen: «Wir von der Schweizer Filiale wussten nichts von solchen Sponsorings und wir sind genau so entsetzt wie Sie»,so Franziska Frey auf Anfrage von 20 Minuten.

Keine Wiedergutmachung für die Bären?

Die Frage, ob Royal Canin sich in der Ukraine - entsprechend ihrem tierliebenden Leitsatz - aktiv um die misshandelten Kampfbären kümmern wird, bleibt offen. Trotz mehrfachen Nachfragens von 20 Minuten wollte sich der Konzern mit Sitz in Frankreich diesbezüglich nicht festlegen.

«Vier Pfoten» erwartet jetzt von Royal Canin, den Worten Taten folgen zu lassen und die Tierschutzorganisation dabei zu unterstützen, das Geschäft mit den Kampfbären zu beenden. Konkret hiesse das, die 15 bis 20 Kampfbären zu retten und artgerecht unterzubringen. Franziska Hettmannsperger von «Vier Pfoten»: «Wir sind für konkrete Vorschläge offen.»

Die Kampfbären in der Ukraine

In der Ukraine sind Bärenkämpfe gemäss Tierschutzgesetzt verboten. Dennoch finden solche Kämpfe, versteckt in den Wäldern, zwischen vier und sechs Mal im Jahr statt. Nach Schätzungen von «Vier Pfoten» gibt es in der Ukraine zwischen 15 und 20 solcher Kampfbären. Sie kommen aus Zoos, dem Zirkus oder wurden in freier Wildbahn gefangen. Die Bären leben in winzigen Käfigen und verlassen diese nur, um bei Trainings oder den unfairen Wettbewerben mit Jagdhunden mitzumachen, wie die Tierschutzorganisation schreibt. Sie erhalten meist viel zu wenig Futter und Wasser, damit sie ein schwacher Gegner für die Hunde sind.

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