Aktualisiert 07.06.2012 21:13

VorurteileHautfarbe beeinflusst die Schiedsrichter

Fussballspieler gehen selten zimperlich miteinander um. Bei der Entscheidung, ob ein Zusammenstoss als Foul gewertet wird, spielt auch die Hautfarbe der Spieler eine Rolle.

von
Fee Riebeling

Viele Fouls sind offensichtlich. Was aber, wenn die Situation nicht eindeutig ist?

Dieser Frage sind Psychologen der Uni Freiburg nachgegangen. «Wir haben untersucht, ob auch die Hautfarbe der beteiligten Spieler in die Entscheidung mit einfliesst», sagt Studienleiter Pascal Wagner-Egger. Gemeinsam mit seinen Kollegen konfrontierte er Unparteiische, Kicker und Fans mit gestellten, uneindeutigen Szenen, bei denen Spieler unterschiedlicher Hautfarben um den Ball kämpfen. Dann wurden die Testpersonen nach ihrer Einschätzung gefragt. Das Ergebnis: Zwar spielt die Hautfarbe eine Rolle, doch konkrete Hinweise für Rassismus gibt es nicht.

■ Haben die Spieler verschiedene Hautfarben, werden die Zusammenstösse seltener als Foul gewertet – möglicherweise um Rassismus-Vorwürfe zu vermeiden.

■ Ist der Angreifer dunkelhäutig und der Attackierte weiss, reagieren die Studien-Schiris besonders schnell – womöglich ein Zeichen, dass farbige Spieler benachteiligt werden.

■ Fouls, die von weissen Spielern begangen werden, stufen die Studienteilnehmer deutlich schlimmer ein als die von dunkelhäutigen – unabhängig von der Hautfarbe des Attackierten.

«Die Resultate lassen Raum für Interpretationen», sagt Wagner-Egger. In einer Folgestudie möchte er klären, ob es sich bei den dokumentierten Schiedsrichter-Entscheidungen um Antirassismus, politisch korrektes Verhalten oder eine Vorsichtsmassnahme handelt.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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