Swatch Bellamy: Hayeks Bezahluhr greift Paymit und Twint an
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Swatch BellamyHayeks Bezahluhr greift Paymit und Twint an

Der Kampf um die Vorherrschaft beim bargeldlosen Bezahlen geht Mitte Juni in die nächste Runde. Swatch lanciert dann seine Bezahluhr Bellamy in der Schweiz.

von
K. Wolfensberger

Endlich ist sie da: die Swatch Bellamy. Ursprünglich hätte die Bezahluhr schon Anfang Jahr in der Schweiz in den Handel kommen sollen. Doch Probleme bei der Suche nach einem passenden Partner sorgten für Verzögerungen bei der Lancierung. Startdatum ist nun Mitte Juni. Für 105 Franken pro Stück können Schweizer Kunden die Uhr dann kaufen, wie Swatch am Dienstag in einer Medienmitteilung bekanntgab.

Partner von Swatch ist dabei die Tessiner Cornèr Bank. Wer sich im Store eines der drei Modelle der ersten Bellamy-Kollektion kauft, könne direkt einen Vertrag mit der Bank abschliessen, Guthaben auf die Uhr laden und weltweit shoppen gehen. Die Beträge würden wie bei kontaktlosen Prepaidkarten vom Guthaben abgebucht, das zuvor auf eine verbundene Bank-Zahlungsfunktion geladen wurde. Ein direkter Abzug des Guthabens vom Konto der Nutzer ist laut Swatch-Sprecherin Bettina Zehnder nicht geplant.

Vorteil NFC-Technologie

Die Bellamy ist ein direkter Angriff auf die Bezahlapps Paymit und Twint, die derzeit versuchen, die Schweizer von den Vorteilen des kontaktlosen Bezahlens zu überzeugen. Pluspunkt der Uhr: Ein einfaches Hinhalten ans Bezahlterminal reicht. Auf das umständliche Öffnen der App kann verzichtet werden. Möglich macht dies die in die Bellamy verbaute NFC-Technologie (Near-Field-Communication), die in alle neuen Karten-Bezahlterminals integriert ist.

Im Gegensatz zur Bellamy funktioniert Twint nicht mit NFC, sondern mit Bluetooth. Grund: Noch benutzen viele Personen in der Schweiz Smartphones ohne NFC-Funktion. Im Fall der iPhones ist ab Modell 6 eine solche zwar vorhanden, doch erlaubt Apple externen Anbietern nicht, diese zu nutzen. Der Nachteil an Bluetooth: Geschäfte müssen an jeder Kasse ein spezielles Twint-Bezahl-Terminal aufstellen.

Auch Mondaine wartet mit Uhr auf

Doch der Markt ist derzeit sowieso im Umbruch. Twint und Paymit planen eine Fusion und es wird über einen baldigen Markteintritt des Giganten Apple Pay aus den USA spekuliert. Ausserdem möchte der Schweizer Uhrenproduzent Mondaine ebenfalls noch im Spätsommer eine Bezahluhr auf den Markt bringen. Im Gegensatz zu Swatch setzt Mondaine als Partner auf die Cembra Money Bank.

Telekom-Experte Ralf Beyeler schätzt die Chancen der Bellamy trotz der starken Konkurrenz als gut ein: «Vorteil ist die NFC-Technik. Das heisst für die Supermärkte, dass sie keine neuen Bezahlterminals kaufen müssen.» Für die Kunden sei praktisch, dass sie die Uhr nur kurz hinhalten müssen – wenn das System tatsächlich einwandfrei funktioniert.

Doch Beyeler sieht auch Nachteile: die Prepaid-Karte als Basis. «Die Gebühren sind bei diesen Karten für die Kunden meist sehr hoch», so der Experte. Oft müsse man zwei bis drei Prozent des Betrags pro Transaktion drauflegen. Ausserdem sei es unpraktisch, dass man für den Gebrauch der Uhr nicht eine bestehende Karte verwenden könne.

In China schon seit Januar

Im Gegensatz zur Schweiz gibt es die Bellamy in China bereits seit Januar. Das Gerät kostet dort 600 Yuan (etwa 90 Franken). Partner sind die Finanzdienstleister China UnionPay und die Bank of Communications. Benannt ist die Bellamy nach der Novelle «Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887» des amerikanischen Schriftstellers Edward Bellamy. Er hatte sich schon im Jahr 1888 eine utopische Welt ausgemalt, in der Kreditkarten an die Stelle von Bargeld treten. Bellamy beschrieb diese Kartenwelt somit vierzig Jahre vor allen anderen.

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