Aktualisiert 28.02.2012 12:14

Nach langer Krankheit

Hazy Osterwald ist tot

Im Alter von 90 Jahren und gezeichnet von einer schweren Krankheit ist die Schweizer Jazz-Legende Hazy Osterwald am vergangenen Wochenende gestorben.

Der Jazzmusiker, Komponist und Bandleader Hazy Osterwald ist am Sonntag nach langer Krankheit im Alter von 90 Jahren in Luzern gestorben. Internationalen Ruhm erlangte er Ende der 1950er Jahre mit dem «Kriminal-Tango».

Seinen 90. Geburtstag feierte Hazy Osterwald am 18. Februar in kleinem Kreis zu Hause; eine geplante Party war abgesagt worden, nachdem sich seine Parkinson-Krankheit nach einer Infektion verschlimmert hatte.

«Eine blöde Krankheit, die aber in keiner Hinsicht wehtut», liess Osterwald verlauten, als sie vor zehn Jahren bei ihm diagnostiziert worden war. Am 26. Februar starb der Musiker in Luzern, wie das städtische Bestattungsamt am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA eine Todesmeldung auf Blick.ch bestätigte.

Vom Fussball zur Musik

1922 in Bern als Sohn des Fussballinternationalen Adolf «Häsi» Osterwalder geboren, wollte Rolf Erich Osterwalder, so sein bürgerlicher Name, zuerst ebenfalls Fussballer werden.

Das Schülerorchester am Gymnasium liess ihn umdenken. Mit 17 kaufte er sich eine Trompete und belegte Kurse am Konservatorium. Ein Jahr später schrieb er bereits Arrangements für Teddy Stauffer, und gleich nach der Matura trat er in die Big Band von Fred Böhler ein.

1944 trat Osterwalds eigene achtköpfige Band in Bern erstmals auf. Eine zur Big Band erweiterte Formation war den Veranstaltern zu teuer, also wurde 1949 das legendäre «Hazy-Osterwald-Sextett» gegründet. Dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus, wurde Osterwald zum eigentlichen Pionier der modernen Musik-Shows.

Welthit «Kriminal-Tango»

Es folgten Engagements in Skandinavien und Grossbritannien, 15 deutsche Fernsehfilme, Dauergastrecht im deutschen Showgeschäft, ausverkaufte Gastspiele im Pariser «Olympia», 900'000 verkaufte Tonträger des «Kriminal-Tangos».

Der Welthit über Jacky Brown und Baby Miller, die in der Taverne (dunkle Gestalten! rote Laterne!) Tango tanzen, als das Licht ausgeht, ein Schuss fällt und ein Herr mit Kneifer das Zeitliche segnet, bot sich geradezu an für eine Mini-Verfilmung: So entstand einer der frühesten Videoclips der Musikgeschichte.

1960 folgte der Hit «Konjunktur Cha-Cha» und 1966 «Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt». 1970 kam die erste US-Tournee, nun als neue Formation «Hazy Osterwald Jetset».

Rückschläge in den 80er Jahren

Bis Ende der 70er Jahre raste Osterwalds Formation von Erfolg zu Erfolg, eigenständig oder als Begleitorchester von Leuten wie Udo Jürgens, Caterina Valente, Bibi Johns, Gilbert Bécaud oder Sacha Distel. Multiinstrumentalist Osterwald (Trompete, Piano, Vibraphon und Schlagzeug) zog dabei stilmässig sämtliche Register.

In den frühen 80er Jahren musste Osterwald Rückschläge hinnehmen, ging aber nach kurzem Unterbruch weiterhin auf Tournee. Seine Nachtklubkette «Hazyland» rentierte schlecht, die Scheidung von seiner zweiten Frau, der Sängerin Ema Damia, kam ihn teuer zu stehen. Osterwald musste seine 60-Zimmer-Villa in Feldmeilen verkaufen und gegen eine Dauersuite im Hotel National und dann eine Wohnung in Luzern eintauschen. (sda)

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