Aktualisiert 21.12.2007 14:08

HC Davos nicht der erste Favorit

Nicht Vorjahressieger und Gastgeber HC Davos, sondern die Russen aus Ufa und das Team Canada werden als heisseste Favoriten für den Spenglercupsieg 2007 gehandelt. Komplettiert wird das Teilnehmerfeld von Adler Mannheim und dem HC Pardubice (Tsch).

Die Vorzeichen deuten wiederum auf Eishockey-Festspiele hin. Davos präsentiert sich vor Weihnachten verschneit, und mit dem Schnee kehrte Winterstimmung im Landwassertal ein. Der Vorverkauf für die elf Partien lief wie immer prächtig; die Spiele des HCD sind seit Monaten ausverkauft. Und zumindest zwei der vier Davoser Gegner versprechen attraktivste Hockey-Kost.

Und der HC Davos? Nach einer Krise im November fand das Team von Arno Del Curto, dem «Trainer des Jahres», den Tritt wieder. Aus den letzten fünf Partien resultierten vier Siege, und bei der einzigen Niederlage in Bern hinterliessen die Bündner keine schlechte Figur. Als Verstärkungen engagierte der HCD nebst anderen drei Söldner von Ambri-Piotta (Kutlak, Naumenko, Westrum), die sich zuletzt einer blendenden Form erfreuten und Ambri zu sechs Siegen hintereinander führten.

Zum Vollerfolg wird der Traditionsevent in der Altjahrswoche jeweils, wenn der gastgebende HCD um den Turniersieg mitmischt - wie 2004 und 2006, als das Del-Curto-Team triumphierte. Vor drei Jahren waren sogar sämtliche elf Spiele ausverkauft.

Diesmal präsentieren sich die Voraussetzungen für einen Davoser Triumphzug etwas komplizierter. Ausfälle bereiteten Davos Probleme. Sandro Rizzi und Petr Taticek fallen auch für den Spenglercup verletzt aus, Robin Leblanc, der Schütze des Meistergoals letzten Frühling, ist angeschlagen, und mit Lukas Stoop und Dino Wieser fehlen zwei weitere Stammspieler wegen der U20-WM in Tschechien. Dennoch jammert in Davos niemand über das happige Programm mit bis zu fünf Spielen in sechs Tagen. Schliesslich vermag der HCD nur dank der Erträge des Spenglercup-Turniers seit Jahren an der NLA- Spitze mitzuhalten.

Der HC Davos profitiert nicht nur finanziell vom Turnier. Reto von Arx: «Das Turnier stellt für den Klub und die Spieler immer etwas ganz Spezielles dar. Man freut sich wochenlang auf die Spenglercup-Zeit. Während des Turniers rückt die Mannschaft wegen der vielen Spiele in kurzer Zeit näher zusammen. Und natürlich treten wir immer in jedem Spiel an, um zu gewinnen.»

Als Topfavorit auf den Turniersieg gelten hingegen die Russen von Salawat Julajew Ufa, der unangefochtene Tabellenführer der russischen Super League. Russische Teams dominierten in den letzten Jahren die wichtigsten (Europacup-)Turniere und zuletzt vor zwei Jahren auch den Spenglercup (Metallurg Magnitogorsk). Nach Chimik Mytischtschi im Vorjahr verpflichtete Turnierobmann Fredi Pargätzi im Sommer erneut eine «neureiche» russische Mannschaft. Pargätzi darf auf die Verpflichtung der Equipe aus Ufa stolz sein: Salawat Julajew führt mit 14 Punkten Vorsprung die stärkste Liga nebst der NHL an.

Ufa gilt in Russland als Traditionsklub. Es gehörte mit einer Ausnahme (86/87) stets zur Eliteliga. Benannt ist die Equipe nach Salawat Julajew, einem baschkirischen Helden und Freiheitskämpfer. Ufa verfolgt diese Saison ein grosses Ziel: zum 1000. Geburtstag der Millionen-Stadt Ufa soll erstmals der Titel nach Baschkirien geholt werden. Um das zu erreichen, steht ein Budget von 50 Mio. Dollar zur Verfügung. Unterstützt wird das Team von der baschkirischen Regierung, die den Reichtum den üppigen Ölvorkommen in der Region verdankt. Refinanzierbar ist das Budget nicht: Ufa bestreitet seine Heimspiele in einer Halle mit weniger als 4000 Plätzen.

Die Rolle des Publikumslieblings (nebst dem HC Davos) dürfte einmal mehr das Team Canada spielen. Die Kanadier nominierten eine attraktive Mannschaft. Mit Ramzi Abid spielt sogar ein Söldner des SC Bern mit. Im Tor steht bei den Kanadiern der 40-jährige Curtis Joseph, der 1044 NHL-Partien und zwei All-Star-Games bestritt. Simon Gamache, der NLA-Topskorer der vergangenen Saison, kehrt für das Turnier in die Schweiz zurück, nachdem er den Sprung in die NHL noch nicht geschafft hat. Der ehemalige Superstar Doug Gilmour assistiert Headcoach Sean Simpson (Zug) und zaubert einen Hauch NHL nach Davos.

Einen schweren Stand dürften die beiden übrigen Teilnehmer haben. Der Hockeyclub aus Pardubice kam in der tschechischen Liga noch nicht in Fahrt. Der Finalverlierer der letzten Saison belegt bloss Platz 11 und hat zwei Partien mehr bestritten als die Konkurrenz. Ende November wurde der Trainer ausgewechselt: Jiri Sejba, der Tschechien an der Heim-WM 1985 mit einem Hattrick gegen Kanada zu Gold geschossen hatte, löste Milos Riha ab. Bei Pardubice wird der Langnauer Neu-Internationale Mathias Joggi mitstürmen.

In Deutschland fand Meister Adler Mannheim nach einem schwachen Saisonstart rechtzeitig vor dem Spenglercup die Form. Die Adler verbesserten sich auf den 5. Tabellenplatz, haben allerdings bis zu vier Spiele mehr ausgetragen als die übrigen DEL-Teams. Von den letzten 16 Spielen gewann Mannheim elf.

(si)

Spielplan

Mittwoch, 26.12.:

Davos - Adler Mannheim (15.00 Uhr).

Team Canada - Pardubice (20.15).

Donnerstag, 27.12.:

Pardubice - Ufa (15.00 Uhr).

Davos - Team Canada (20.15).

Freitag, 28.12.:

Davos- Pardubice (15.00 Uhr).

Adler Mannheim - Ufa (20.15).

Samstag, 29.12.:

Ufa - Team Canada (15.00 Uhr).

Pardubice - Adler Mannheim (20.15).

Sonntag, 30.12.:

Team Canada - Adler Mannheim (15.00 Uhr).

Ufa - Davos (20.15).

Montag, 31.12.:

Final 1. - 2. (12.00 Uhr).

Die letzten Sieger

2006 Davos

2005 Metallurg Magnitogorsk

2004 Davos

2003 Team Canada

2002 Team Canada

2001 Davos

2000 Davos

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