Aktualisiert 29.03.2018 06:45

Schocker für Rocker

Headbangen kann Ihr Leben gefährden

Die Hirnverletzung eines 50-Jährigen stellte seine Ärzte vor ein Rätsel: Was war die Ursache für die Blutung? Die Spur führte sie schliesslich zu einem Motörhead-Konzert.

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Kein Metal-Konzert ohne Headbanging. Die Folgen sind am Tag danach deutlich zu spüren: ein mehr oder weniger ausgeprägter Muskelkater im Nacken.

Kein Metal-Konzert ohne Headbanging. Die Folgen sind am Tag danach deutlich zu spüren: ein mehr oder weniger ausgeprägter Muskelkater im Nacken.

Keystone/Axel Heimken
Kein Wunder, schliesslich schüttelt der Headbanger sein Haupt mit durchschnittlich 146 Bewegungen pro Minute. Dabei wird der Kopf um mehr als 75 Grad gebogen, wie australische Forscher an Konzerten von unter anderen Ozzy Osbourne herausgefunden haben.

Kein Wunder, schliesslich schüttelt der Headbanger sein Haupt mit durchschnittlich 146 Bewegungen pro Minute. Dabei wird der Kopf um mehr als 75 Grad gebogen, wie australische Forscher an Konzerten von unter anderen Ozzy Osbourne herausgefunden haben.

Keystone/AP/Herbert P. Oczeret
Auch die Fans der Band Motörhead nahmen sie genauer unter die Lupe. Bei einem Konzert der Briten erlitt auch der in der aktuellen Studie zitierte 50-jährige Patient seine Hirnblutung.

Auch die Fans der Band Motörhead nahmen sie genauer unter die Lupe. Bei einem Konzert der Briten erlitt auch der in der aktuellen Studie zitierte 50-jährige Patient seine Hirnblutung.

Keystone/Laurent Gillieron

Headbanging ist vielleicht die extremste Form von Tanzen — und womöglich eine der gefährlichsten. So hat ein 50-Jähriger beim Besuch eines Konzerts der britischen Band Motörhead beim wilden Schütteln des Kopfes im Takt der Musik eine Hirnblutung erlitten. Das berichten Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover im Fachjournal «The Lancet».

Der Patient berichtete weder von einem Unfall noch von einem Sturz oder Schlag auf den Kopf. Erst durch intensives Nachfragen kam heraus, dass er vier Wochen zuvor bei dem Motörhead-Auftritt Headbanging betrieben hatte.

Mehrere Ursachen

Die Blutung zwischen Hirnoberfläche und dem Schädelknochen liess sich über ein Bohrloch in den Schädelknochen entlasten. Dabei wurde für sechs Tage ein Schlauch eingelegt, um die Restflüssigkeit abzuleiten. Auf diese Weise wurde der 50-Jährige seine ständig schlimmer werdenden Kopfschmerzen los.

In der Verlaufs-Computertomografie nach zwei Monaten entdeckten die Mediziner dann eine gutartige Hirnzyste (Arachnoidalzyste), die neben dem Headbanging zur Blutung beigetragen haben könnte. Der Patient hatte nichts von der Zyste gewusst, da sie gewöhnlich keine Beschwerden verursacht.

«Einer der härtesten Rock'n'Roll-Acts der Welt»

Dem Magazin zufolge handelt es sich um den ersten beschriebenen Fall, der aufzeigt, dass Headbanging ein sogenanntes chronisches subdurales Hämatom verursachen kann. Bereits bekannte Folgen der abrupten Bewegungen sind Gefässverletzungen im Kopf, Schleudertraumata, der Bruch von Halswirbeln sowie Verletzungen der Atemwege.

«Wir wollen keineswegs vorm Headbangen warnen oder gar die Musik verteufeln», sagte der Hauptautor des Artikels, Ariyan Pirayesh, der Deutschen Presse-Agentur. «Der Vorfall unterstützt vielmehr Motörheads Ruf als einer der härtesten Rock'n'Roll-Acts der Welt», betonte der Neurochirurg, der selbst dem Heavy Metal nicht abgeneigt ist.

Der Song «Overkill» zeigt, woher Motörhead seinen Ruf hat. (Video: Youtube/Marek Šarina)

Bekannt ist nur ein Todesfall im Zusammenhang mit Headbanging vor 20 Jahren. Damals starb ein 28-Jähriger während eines Auftritts der Rockgruppe Aerosmith in Belgien. Er sei offenbar mit einem anderen Konzertbesucher unglücklich zusammengestossen, berichtete die Polizei damals.

(fee/sda)

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