Pussy Riots Vergehen: Headbangen, Luftgitarre spielen, rumschreien

Aktualisiert

Pussy Riots VergehenHeadbangen, Luftgitarre spielen, rumschreien

Schuldig – wofür genau? Wer das Video von Pussy Riot anschaut, sieht drei junge Frauen, die eine Minute lang ihre Wut ausdrücken. Beschädigen tun sie dabei nur Putins Stolz.

von
Lukas Egli

<b>Wütende junge Frauen:</b> Das Originalvideo der Punkperformance von Pussy Riot am 21. Februar 2012 in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau.

Sie sind in die Kirche gestürzt, haben die Treppe vor der Ikonenwand geentert und eine Performance begonnen: Irgendwo im Hintergrund ist Punkmusik zu hören, die jungen Frauen schreien und hantieren mit Gitarren, tanzen im Takt – zumindest so gut es geht. Denn sofort tauchen Sicherheitsleute auf, die sie von der Erhöhung vor dem Altar zerren wollen. Die Aktion dauert kaum mehr als eine Minute.

Das ist alles – das ist das Vergehen, für das die drei Mitglieder der feministischen russischen Punk-Gruppe Pussy Riot in ein Straflager müssen. Angeklagt wurden sie wegen Rowdytum aus religiösem Hass.

Ohne priesterliche Einladung Betreten verboten

Wichtiger als die eigentliche Tat scheinen indes die Begleitumstände der Punkperformance zu sein: Die Aktion fand am 21. Februar 2012 in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau statt, dem zentralen Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche. Die Musikerinnen bestiegen die Ambo, den erhöhten Ort, von dem aus der orthodoxe Priester das Evangelium verkündet. Männer dürfen ihn ohne explizite Einladung nicht betreten, Frauen sind nur während der Eheschliessung zugelassen.

Und: Pussy Riot sangen ihr Punkgebet im Vorfeld der Wiederwahl Vladimir Putins zum Staatspräsidenten statt. Der Text: «Heilige Maria, Jungfrau, vertreibe Putin!» In dem Song beschreiben sie den russischen Patriarchen Kyrill I. von Moskau als einen Mann, der mehr an Putin glaubt als an Gott. Und im Refrain brüllen sie: «Heilige Scheisse, Scheisse, Gottes Scheisse.» Das allerdings bringt erst das nachträglich vertonte Musikvideo an den Tag.

Punk Prayer von Pussy Riot, gedreht in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau

Beschädigen tun sie dabei nichts. Ausser vielleicht Präsident Vladimir Putins Stolz. Und die Gefühle strenggläubiger Orthodoxer.

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