Hilfe vom Profi: Headhunter kritisiert Bewerbungs-Ghostwriter
Aktualisiert

Hilfe vom ProfiHeadhunter kritisiert Bewerbungs-Ghostwriter

Bewerbungsbrief und Lebenslauf vom Profi – das bietet ein ehemaliger Schweizer Personalmanager. Headhunter Hans Hofmann glaubt nicht, dass das funktioniert.

von
D. Nodari
Statt sich selbst zu bewerben, können man für das Verfassen des Bewerbungsschreibens und des Lebenslaufs einen Profi beauftragen.

Statt sich selbst zu bewerben, können man für das Verfassen des Bewerbungsschreibens und des Lebenslaufs einen Profi beauftragen.

Für 300 Franken zur Traumstelle: Ein ehemaliger Rekrutierungsmanager der Swisscom bietet fixfertige Motivationsschreiben und Lebensläufe an. «Um überhaupt eine Chance auf ein Vorstellungsgespräch zu haben, muss die schriftliche Bewerbung top sein», sagt Stefan Gribi, der sich nach Jahren im Personalmanagement bei namhaften Firmen selbstständig gemacht hat und unter einfachbewerben.ch individuelle Bewerbungen anbietet. Die Preise starten bei 300 Franken für einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben, das Manager-Paket kostet 500 Franken.

«Bei meinen früheren Stellen ist mir aufgefallen, dass Bewerbungen oft nicht dem geforderten Anspruch entsprechen. Viele interessante Bewerber vergeben so eine gute Chance», ist Gribi überzeugt. Seit Anfang Jahr bietet er den Bewerbungsservice an und kann heute davon leben. Rund 25 Kunden habe er im Monat, sagt er.

«Wird nicht funktionieren»

Der Bewerbungscoach ist überzeugt, dass er sich aufgrund der Arbeitszeugnisse, den Mails und dem Werdegang ein gutes Bild von seinen Kunden machen und so passende Bewerbungsunterlagen verfassen kann.

Das sieht Headhunter Hans Hofmann anders: «Das ist ja so, wie wenn man einen Liebesbrief nicht selbst verfasst. Das wird nicht lange funktionieren.» Bei einem Motivationsschreiben gehe es darum, wahrhaftig und authentisch zu sein. «Spätestens, wenn der Betreffende in seiner neuen Funktion etwas fürs Unternehmen schreiben muss, wird klar, dass er sich mit fremden Federn geschmückt hat. Ohnehin hält er die Motivationsschreiben für überbewertet, diese würden kaum beachtet. Viel wichtiger sei es, dass der Lebenslauf des Bewerbers in jeder Beziehung zur angebotenen Stelle passe.

Von Freunden geschrieben

Personalfachmann Max Scheidegger, Geschäftsleiter von HR Swiss, gibt zu bedenken, dass heute oft online rekrutiert werde: «Und da spielen die Motivationsschreiben nicht mehr eine grosse Rolle.» Bewerbungsschreiben würden sicher auch mit Hilfe von Freunden oder Familienmitgliedern geschrieben. Deshalb sei es auch zulässig, dass jemand als Dienstleistung Geld dafür verlange. «Man hat keine zweite Chance für einen ersten Eindruck», ist Scheidegger überzeugt. Deshalb könne es sich lohnen, Geld für ein gutes Bewerbungsschreiben auszugeben.

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