Corona-Massnahmen in England - Heftige Kritik an Johnsons Ausstiegsplan
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Corona-Massnahmen in EnglandHeftige Kritik an Johnsons Ausstiegsplan

Die Zahl der Neuinfektionen erreicht in Grossbritannien den höchsten Wert seit Mitte Januar – doch die Regierung von Premierminister Boris Johnson hält an ihrem Vorhaben fest.

Sogar eine Gruppe internationaler Wissenschaftler will ihn von seinem Vorhaben abbringen: Der britische Premierminister Boris Johnson. (15. Juli 2021)

Sogar eine Gruppe internationaler Wissenschaftler will ihn von seinem Vorhaben abbringen: Der britische Premierminister Boris Johnson. (15. Juli 2021)

AFP/David Rose

Darum gehts

  • Die Regierung von Boris Johnson will am Montag alle noch verbliebenen Corona-Beschränkungen für England aufheben.

  • Dies, obwohl die Zahl der Neuinfektionen in Grossbritannien erstmals seit sechs Monaten die Marke von 50’000 überschritten hat.

  • «Wir sind auf keinen Fall über den Berg», warnt ein Regierungsberater.

Drei Tage vor der geplanten Aufhebung aller verbliebenen Corona-Beschränkungen in England hat die Zahl der Neuinfektionen in Grossbritannien erstmals seit sechs Monaten die Marke von 50’000 überschritten. Der führende medizinische Berater der Regierung warnte, dass sich die Zahl der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern etwa alle drei Wochen verdopple und auf «ziemlich furchterregende» Zahlen steigen könne, sollte der Trend anhalten.

Trotz der immer höheren Infektionszahlen hält die Regierung von Premierminister Boris Johnson an der für Montag geplanten Aufhebung der restlichen Beschränkungen in England fest. Sie hofft, dass mit dem Fortschreiten der Impfkampagne die Zahl schwerer Erkrankungen begrenzt bleibt. Manche Wissenschaftler bezeichnen das Vorgehen als «waghalsig». «Wir sind bisher auf keinen Fall über den Berg», sagte Regierungsberater Chris Whitty am Donnerstagabend. «Wir könnten überraschend schnell wieder in Schwierigkeiten geraten.»

Jüngere nicht geimpfte Menschen infizieren sich

Die Regierung in London gab die Zahl der bestätigten Neuinfektionen am Freitag mit 51’870 an, der höchste Tageswert seit Mitte Januar. Die Infektionen nahmen in den vergangenen Wochen stetig zu, vor allem unter noch nicht geimpften, jüngeren Menschen. Als Gründe gelten die ansteckendere Delta-Variante des Virus und die zunehmenden Lockerungen der Beschränkungen.

Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler, darunter Berater der Regierungen von Italien, Neuseeland und Taiwan, warnte am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung vor möglichen globalen Folgen, wenn zugelassen werde, dass sich die Delta-Variante rasch in der britischen Bevölkerung ausbreite. Die Kombination hoher Infektionszahlen und einer hohen Impfrate schaffe die Bedingungen, in denen eine Escape-Variante des Virus am wahrscheinlichsten entstehe, hiess es darin. Einer der Mitunterzeichner der Erklärung, William Haseltine von der New Yorker Denkfabrik Access Health International, bezeichnete die Strategie der Regierung als «mörderisch» und «skrupellos».

Kritik von Interessengruppe

Auch eine Interessengruppe Angehöriger von Menschen, die im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung starben, kritisierte das Vorgehen der Regierung. Es bestehe die Sorge, dass das Handeln der Regierung erneut «davon angetrieben wird, was populär ist, statt vom Interesse des Landes», erklärte Jo Goodman von der Hinterbliebenenorganisation Covid-19 Bereaved Families for Justice.

Mehr als zwei Drittel der britischen Erwachsenen haben beide Dosen eines Impfstoffs erhalten, fast 88 Prozent sind einmal geimpft. Nach Regierungsdaten vom Freitag wurden 3964 Menschen mit Covid-19 in Krankenhäusern behandelt, so viele wie zuletzt Ende März. Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle im Januar wurden etwa 40 000 Menschen mit dem Corona-Virus in Krankenhäusern behandelt.

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(DPA/chk)

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