Spanische Exklave Melilla: Heftige Kritik an Sicherheitskräften Marokkos nach Tod von 23 Migranten

Publiziert

Spanische Exklave MelillaHeftige Kritik an Sicherheitskräften Marokkos nach Tod von 23 Migranten

Als Hunderte Migranten aus Marokko in die spanische Exklave Melilla gelangen wollten, starben 23 Menschen. Nun erheben Menschenrechtler schwere Vorwürfe wegen exzessiver Gewalt gegen die marokkanischen Behörden.

1 / 6
Ein bei den Unruhen verletzter Sudanese.

Ein bei den Unruhen verletzter Sudanese.

AFP
Viele der Migranten in Melilla kommen aus Ländern südlich der Sahara.

Viele der Migranten in Melilla kommen aus Ländern südlich der Sahara.

AFP
Die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Melilla …

Die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Melilla …

AFP

Darum gehts

  • Ende letzter Woche versuchten Tausende afrikanische Migranten, die spanische Exklave Melilla in Marokko zu stürmen. Dabei starben mindestens 23 Menschen.

  • Nun erheben Menschenrechtler schwere Vorwürfe gegen die marokkanischen Sicherheitskräfte wegen massiver Gewaltausübung und Misshandlung von Migranten.

  • Spanien seinerseits lobt den Einsatz der Grenzschützer.

Nach dem Tod von mindestens 23 Menschen beim Ansturm Tausender Migranten auf die spanische Exklave Melilla in Marokko haben Menschenrechtler schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte erhoben. Die marokkanischen Behörden hätten «ungerechtfertigte Gewalt» eingesetzt und Migranten «misshandelt», sagte der Leiter der Marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) in der Stadt Nador, Amin Abidar, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Menschen seien stundenlang ohne medizinische Hilfe eingeschlossen auf der Erde liegen gelassen worden. Nach Angaben der Organisation kamen dadurch mehrere Migranten ums Leben.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez machte hingegen die «Menschenhändler-Mafia» verantwortlich. «Es war ein gewaltsamer Überfall, der von der Menschenhändler-Mafia organisiert wurde», erklärte der sozialistische Politiker in Madrid. Für Marokkos Sicherheitskräfte fand Sánchez Lob, weil sie einen Angriff «auf die territoriale Integrität Spaniens» abgewehrt hätten.

Bis zu 2000 Menschen hatten am Freitag versucht, den Grenzzaun zwischen Marokko und Melilla zu überwinden. Nach einem Bericht des marokkanischen Staatsfernsehens von Sonntag kamen 23 Menschen ums Leben. Die Staatsagentur MAP hatte zuvor berichtet, dass 18 Migranten im Gedränge gestorben oder vom Zaun gefallen seien. AMDH sprach hingegen von 27 Toten. Nach Angaben der marokkanischen Behörden stammen die Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Mit Schlagstock auf Flüchtlinge eingeprügelt

ADMH verbreitete Videos, in denen zu sehen ist, wie Dutzende Migranten – umgeben von Sicherheitskräften – auf engstem Raum zusammengepfercht auf der Erde liegen. Ein Mann wird mit Blut am Kopf abgeführt. Eine Aufnahme zeigt, wie ein Uniformierter mit einem Schlagstock auf einen Mann einschlägt, der am Boden liegt. Die Aufnahmen seien von Aktivisten und Sympathisanten gemacht worden, erklärte Abidar.

Nach Angaben von MAP wurden Dutzende weitere Migranten sowie 140 Sicherheitskräfte verletzt. Das marokkanische Innenministerium warf den Migranten vor, selbst Gewalt eingesetzt zu haben. 133 Migranten sei es gelungen, über den Zaun auf spanisches Gebiet zu gelangen, meldeten spanische Medien. Marokko war 1956 von Frankreich und Spanien unabhängig geworden. Dennoch hält Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Melilla und das 250 Kilometer weiter westlich gelegene Ceuta an der Meerenge von Gibraltar. In der Nähe warten oft Zehntausende Afrikaner, vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara, auf eine Chance, in die EU zu gelangen.

(DPA/trx)

Deine Meinung