Bis April geschlossen: Heftige Kritik aus der Gastro-Szene nach Exit-Plan
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Bis April geschlossenHeftige Kritik aus der Gastro-Szene nach Exit-Plan

Nach dem Exit-Plan ist die Kritik am Bundesrat gross. Die Gastro-Szene fühlt sich benachteiligt. Sie fordert schnelle Öffnungen und Entschädigungen.

von
Fabian Pöschl
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Gastronom Daniel Wiesner fordert vom Bundesrat nach dem angekündigten Exit-Plan dringend Hilfe.

Gastronom Daniel Wiesner fordert vom Bundesrat nach dem angekündigten Exit-Plan dringend Hilfe.

TAMEDIA AG
Seinem Familienunternehmen gehören etwa 30 Restaurants wie das Nooch. Ausser für die Kurzarbeit habe das Unternehmen in der Krise noch keine Entschädigung bekommen.

Seinem Familienunternehmen gehören etwa 30 Restaurants wie das Nooch. Ausser für die Kurzarbeit habe das Unternehmen in der Krise noch keine Entschädigung bekommen.

RETO OESCHGER
Bundesrat Alain Berset gab am Mittwoch den Plan bekannt, dass die Restaurants ab April wieder öffnen können.

Bundesrat Alain Berset gab am Mittwoch den Plan bekannt, dass die Restaurants ab April wieder öffnen können.

20 min / Michel Scherrer

Darum gehts

  • Der Bundesrat will, dass die Gastro-Branche noch bis April geschlossen bleibt.

  • Dann sollen die Restaurants den Betrieb auf Terrassen wieder aufnehmen können.

  • Die Gastro-Branche sieht sich im Nachteil und drängt auf sofortige Öffnung.

Der Bundesrat hat am Mittwoch seinen abgestuften Exit-Plan aus dem Lockdown präsentiert. So sollen als erster Schritt im März die Läden öffnen und die 5-Personen-Regel fallen. Das Nachsehen hätten die Restaurants, die sich bis mindestens April gedulden müssen. Dann dürften sie zumindest im Aussenbereich wieder Gäste empfangen. Einen Termin für den Normalbetrieb gibt es aber noch nicht.

Beim Branchenverband Gastrosuisse ist die Enttäuschung gross über die «unrechtmässige Benachteiligung». Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer sagt: «Die Krise soll damit weiterhin auf dem Buckel des Gastgewerbes ausgetragen werden.» Nun müssten immer mehr Wirte ihren Betrieb aufgeben und die dritte Kündigungswelle rolle bereits an.

Gastro-Branche hofft aufs Veto der Kantone

Der Gastro-Vertreter kritisiert, dass es keinen Grund gebe, weshalb die Restaurants nicht zu den ersten Betrieben gehören, die wieder öffnen dürfen. «Bis heute gibt es keinen Nachweis, dass die Restaurants ein Ansteckungsherd sind. Im Gegenteil: Unsere Schutzkonzepte funktionieren. Die Gastronomie wird einzig als Mittel zum Zweck benützt, um Kontakte einzuschränken», so Platzer, der einen ersten Öffnungsschritt ab März fordert.

Der Verband hofft nun darauf, dass die Kantone noch Gegensteuer geben und «vernünftige Lockerungen vorschlagen». Sie können bis nächste Woche Stellung zu den bundesrätlichen Vorschlägen nehmen. Erst am 24. Februar will der Bundesrat den definitiven Entscheid fällen.

«In den Skigebieten stehen die Leute Schlange»

Auch beim Branchenverband Gastro Zürich City ist die Enttäuschung gross. «Wir sind völlig frustriert und wissen nicht, wann wir die Restaurants wieder normal öffnen können», sagt Verbandspräsident Urs Pfäffli zu 20 Minuten.

Dass die Restaurants erst ab April die Terrasse öffnen dürfen, kann Pfäffli ebenfalls nicht nachvollziehen. «In den Skigebieten stehen die Leute Schlange vor den Take-Away-Ständen und halten die Abstände nicht ein. Dabei liesse sich mit offenen Terrassen ein gutes Schutzkonzept organisieren», so Pfäffli.

Dringende Entschädigungen gefordert

Der Verbandspräsident habe sich gewünscht, dass der Bundesrat nach einem Jahr Corona nicht nur über Öffnungen und Schliessungen spricht, sondern auch über verbesserte Schutzkonzepte. «Alain Berset sagt, dass sich die Bevölkerung an die Vorgaben hält, warum gibt es dann keine Lockerungen?», fragt Pfäffli. Er hofft auf schnelle Entschädigungen. Denn die Härtefallhilfe würde nur noch die Zeit bis Ende Februar abdecken.

Auch der Gastronom Daniel Wiesner, der mit seinem Familienunternehmen rund 30 Restaurants in der Schweiz betreibt, kritisiert die ausbleibende finanzielle Unterstützung durch Bund und Kantone. «Der Bundesrat verspricht viel, aber das sind meist leere Worte. Ausser für die Kurzarbeit haben wir in der Krise noch keine Entschädigung bekommen», so Wiesner. Dem Bundesrat ist das Problem bewusst. Er schlägt dem Parlament deutliche Verbesserungen bei der Härtefallregelung und der Kurzarbeit vor.

Zürcher Kronenhalle setzt aufs Taxi

Gastronom Wiesner zeigt Verständnis für den Entscheid des Bundesrats: «Ich bin nicht glücklich damit, aber wenn dadurch weniger Leute auf den Strassen sind und so die Infektionsgefahr sinkt, ist es nachzuvollziehen.» Allerdings sei er nicht damit einverstanden, dass ab April nur der Aussenbetrieb möglich ist. «Wenn man öffnet, dann richtig», findet er.

Dieser Meinung ist auch Dominique Godat, Leiter der Zürcher Kronenhalle. «Weil wir keine Terrassen haben, sind wir wohl als letzte an der Reihe», sagt Godat zu 20 Minuten. Erfreut zeigt er sich aber über den Erfolg der von der Kronenhalle vor zwei Wochen lancierten Lieferdienstlösung «Cool to Go» als Antwort auf den erahnten und erweiterten Lockdown.

In Zusammenarbeit mit einem Taxiunternehmen liefert die Kronenhalle wöchentlich wechselnde Gerichte unter Vakuum und gekühlt aus oder hält sie zur Abholung bereit. Die Kunden müssen die Gerichte, Teigwaren und Kronenhalle-Geschnetzeltes zuhause dann nur noch im Wasserbad aufwärmen. «Das kommt sehr gut an, die Kunden finden es so gut wie im Restaurant», so Godat.

Bäcker und Confiseure leiden mit

Nicht nur die Restaurants, sondern auch der Schweizerische Bäcker-Confiseurmeister-Verband SBC fordert in einer Mitteilung eine sofortige Lockerung mit der Zulassung von Terrassen- und Outdoor-Betrieben in der Gastronomie. Obwohl die Bäcker-Confiseure ihre Läden nie schliessen mussten, seien trotzdem viele Einnahmen weggefallen. Unter anderem, weil das Geschäft mit Catering und Gastronomie wegfiel. Der Verband kritisiert die «zögerliche, mutlose und nicht auf Evidenz basierte Politik des Bundesrates». Trotz sinkender Zahlen und unbelegtem Ansteckungsrisiko erhalte er die unverhältnismässigen Massnahmen aufrecht.

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