Heftige Unruhen im Gazastreifen
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Heftige Unruhen im Gazastreifen

Am zweiten Tag des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen ist es zu heftigen Zusammenstössen zwischen Sicherheitskräften und Abzugsgegnern gekommen.

Nach Militärangaben wurden 50 Personen festgenommen. Verteidigungsminister Schaul Mofas zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass vor Ablauf der Frist am Dienstagabend mindestens die Hälfte der 8.500 jüdischen Siedler ihre Häuser im Gazastreifen verlassen würden. Drei Siedlungen in dem Küstenstreifen und zwei im Westjordanland waren am Mittag bereits menschenleer.

Den verbleibenden Siedlern drohte ab Mitternacht die Zwangsräumung. In der grössten Siedlung Newe Dekalim begannen die Auseinandersetzungen bereits am Vormittag: Hunderte Demonstranten stellten sich Lastwagen in den Weg, die bei der Umsiedlung der Bewohner zum Einsatz kommen sollen. Als Sicherheitskräfte die Menge zurückzudrängten, kam es zu Handgreiflichkeiten. Die Polizei brachte einen Wasserwerfer in Stellung. Trotz zahlreicher Festnahmen stand der Verkehr vorerst still. Die Polizei hatte am Morgen das Haupttor der Siedlung abgerissen, um den rund 120 für die Umsiedlung vorgesehenen Lastwagen freie Bahn zu verschaffen.

In der Siedlung Netzarim in der Mitte des Gazastreifens machten die Bewohner keinerlei Anstalten, ihre Häuser zu verlassen. Wer die Zwangsräumung abwartet, muss mit einer Kürzung der Entschädigung rechnen, die alle Betroffenen für die Umsiedlung erhalten.

Sorgen bereiteten den Sicherheitskräften vor allem die aus anderen Landesteilen zugereisten Abzugsgegner. Nach Einschätzung der Behörden beläuft sich ihre Zahl auf 5.000. In der Nacht zum Dienstag seien 500 Personen festgenommen worden, die sich illegal im Gazastreifen aufhielten, sagte ein Polizeisprecher. Dutzende weitere seien beim Versuch aufgehalten worden, in das Gebiet einzudringen.

Allein in der Siedlung Morag im Süden des Gazastreifens haben sich nach Angaben der Streitkräfte 300 zugereiste Abzugsgegner verschanzt. Ihre Führer riefen die Bewohner über Lautsprecher auf, sich vor dem Eintreffen der Soldaten zu verstecken.

In der palästinensischen Stadt Chan Junis marschierten unterdessen rund 2.000 Anhänger der militanten Hamas-Bewegung auf, um den israelischen Abzug zu feiern. Unter ihnen waren 200 maskierte Kämpfer mit Raketenwerfern und Maschinengewehren. In einer Ansprache an die Menge sagte Hamas-Funktionär Junis al Astal: «Dies ist nur der erste Schritt zur Befreiung von ganz Palästina mit Jerusalem.» Zahlreiche Kinder drängten unterdessen gegen die Aussenmauer einer nahe gelegenen jüdischen Siedlung und hissten eine Fahne der Hamas. Israelische Soldaten gaben Warnschüsse ab.

Als Zeichen der Bemühungen der Autonomiebehörde, nach dem Abzug für Recht und Ordnung zu sorgen, eröffnete der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia eine Kampagne zur Reinigung der Strassen von Gaza. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: «Heute Gaza. Morgen das Westjordanland und Jerusalem.»

Annan nennt Abzug verheissungsvoll

UN-Generalsekretär Kofi Annan wertete den Beginn des israelischen Abzugs am Montagabend als «Augenblick der Verheissung und Hoffnung». Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman sagte, Israel würde sich über eine ausdrückliche Anerkennung in Form einer UN-Resolution zu dem Abzug freuen. (dapd)

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