Aktualisiert 21.05.2012 08:45

Nachbeben in ItalienHeftiger Regen erschwert die Bergungsarbeiten

Die Angst vor Nachbeben und starke Regenfälle haben tausenden von Menschen in der Emilia Romagna eine schlaflose Nacht bereitet. Viele haben die Nacht im Auto oder in einer Notunterkunft verbracht.

Die vom Erdbeben betroffenen Gemeinden in der norditalienischen Region Emilia Romagna haben eine schwierige Nacht erlebt. Wegen heftigem Regen und starken Nachstössen verbrachten rund 3000 Obdachlose in den Provinzen Modena und Ferrara eine schlaflose Nacht.

Tausende Menschen mussten die Nacht zum Montag in Notunterkünften oder bei Freunden und Verwandten verbringen. Der Zivilschutz stellte in Sporthallen und Schulen 4500 Bettplätze zur Verfügung.

Gefängnis evakuiert

Der Regen erschwerte die Arbeit der Rettungsmannschaften, die die Stabilität der vom Erdbeben betroffenen Gebäuden überprüfen mussten. Das Gefängnis von Ferrara wurde vorsorglich evakuiert, wie das Fernsehen RAI berichtete.

Manche Menschen berichteten dem Sender, dass sie die Nacht aus Angst vor Nachbeben im Auto verbracht hätten. Viele Schulen im Erdbebengebiet bleiben am Montag und Dienstag geschlossen.

Mehrere Nachstösse wurden in der Erdbebenregion gemeldet. Die schwersten Erdstösse erreichten dabei in der Nacht eine Stärke von 3,7. Insgesamt gab es dem Portal «corriere.it» zufolge mehr als hundert kleinerer Nachbeben. Am Sonntagnachmittag war es zu einem Nachbeben der Stärke 5,0 gekommen.

Sorge um Kulturgüter

Am frühen Sonntagmorgen hatte ein Beben der Stärke 6,0 die Region erschüttert. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, 50 Personen wurden verletzt. Besonders betroffen waren Modena, Ferrara, Bologna und Mantua.

Die Schadenshöhe ist noch unbekannt. Vor allem aber gibt es Sorge wegen der Schäden an den unschätzbaren Kulturgütern der Region. «Die Schäden an dem kulturellen Erbe sind nach einem ersten Erkenntnissen beachtlich», sagte der Minister für Kulturgüter, Lorenzo Ornaghi, laut der Nachrichtenagentur Ansa.

Unter anderen gab es Schäden in der Renaissancestadt Ferrara, deren historischer Stadtkern zum Weltkulturerbe gehört. Das Schloss von Ferrara sowie Kirchen wurden beschädigt.

(Videos: YouTube/SkyTG24)

(Video: YouTube/Youreporter)

Das Epizentrum in Finale Emilia:

(sda)

Kunstschätze schwer beschädigt

Nach dem schweren Erdbeben in der norditalienischen Region Emilia Romagna meldeten die Behörden auch viele Kilometer fern vom Epizentrum schwere Schäden an Kunstwerken und Kulturgütern.

Die Schäden bei Monumenten und Gebäuden mit historischer Bedeutung seien erheblich, teilten Experten des italienischen Kulturministeriums in Rom am Sonntag mit. Feuerwehrmannschaften seien am Werk, um das genaue Ausmass festzustellen. Besonders betroffen seien Kirchen und Schlösser in den Provinzen Modena, Bologna und Ferrara.

60 Prozent aller Monumente und Gebäude mit historischer Bedeutung sind in Italien erdbebengefährdet, geht aus einer Studie des italienischen Kulturministeriums in Rom hervor. Über 150'000 historische Bauten befinden sich in Gebieten mit hohem Erdbebenrisiko.

Das verheerende Erdbeben in den mittelitalienischen Abruzzen im April 2009 hatte viele Kunstschätze unwiederbringlich zerstört. Ein Grossteil der mittelalterlichen Monumente und die Kirchen in L'Aquila wurden schwer beschädigt.

Am stärksten betroffen waren die Kirche Santa Maria di Collemaggio aus dem 13. Jahrhundert sowie die monumentale Basilika des Heiligen Bernhard in von Siena aus dem 15. Jahrhundert.

300 000 Parmesan-Käselaiber zerstört

Das schwere Erdbeben in Norditalien hat auch die Parmesan-Käsereien in der Region schwer getroffen. Nach Branchenangaben wurden am Sonntag mehr als 300 000 Laiber der beliebten Hartkäse-Sorten Parmigiano Reggiano und Grana Padano sowie mehrere Lagerhäuser zerstört.

Der Schaden belaufe sich laut einer ersten Schätzung auf insgesamt 250 Millionen Euro, teilte der Chef des Konsortiums für den Schutz von Grana Padano, Stefano Berni, mit. Glücklicherweise habe es aber keine Toten und Verletzten gegeben.

Der Parmigiano Reggiano, dessen Name von der Stadt Parma abgeleitet ist, wird nur in der norditalienischen Region Emilia- Romagna hergestellt, die von dem Erdbeben der Stärke 6,0 am Sonntag besonders getroffen wurde.

Der mildere Grana Padano wird in der gesamten Po-Ebene, in der Lombardei, im Piemont und in Venetien produziert. Beide Namen sind seit 1996 europaweit als Ursprungsbezeichnung geschützt. Die einzelnen Käseräder wiegen zwischen 25 und 40 Kilogramm. (sda)

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