Preiskrieg: Heftli-Importeur steht Einigung nicht im Weg

Aktualisiert

PreiskriegHeftli-Importeur steht Einigung nicht im Weg

Nachdem Coop ausländische Zeitschriften aus dem Sortiment gekickt hat, steigt die Chance, dass es bald zu einer Einigung kommt.

von
C. Landolt
1 / 10
Coop hat diverse ausländische Magazine ausgelistet, weil die entsprechenden Verlage den Währungsunterschied nach zähen Verhandlungen nicht weiterzugeben bereit waren.

Coop hat diverse ausländische Magazine ausgelistet, weil die entsprechenden Verlage den Währungsunterschied nach zähen Verhandlungen nicht weiterzugeben bereit waren.

Keystone/Martin Ruetschi
Coop-Vize Philipp Wyss sagte in einem Interview, die deutschen Verlage hätten arrogant geantwortet. Der Boykott sei das «letzte Mittel», für das er sogar einen Vertragsbruch in Kauf nehme.

Coop-Vize Philipp Wyss sagte in einem Interview, die deutschen Verlage hätten arrogant geantwortet. Der Boykott sei das «letzte Mittel», für das er sogar einen Vertragsbruch in Kauf nehme.

Keystone/Georgios Kefalas
Am Sonntag wurde bekannt, dass Coop namhafte deutsche Titel aus dem Sortiment wirft. So unter anderem das Magazin «Stern», welches in Deutschland 3.90 Euro, in der Schweiz aber 6.70 Franken kostet.

Am Sonntag wurde bekannt, dass Coop namhafte deutsche Titel aus dem Sortiment wirft. So unter anderem das Magazin «Stern», welches in Deutschland 3.90 Euro, in der Schweiz aber 6.70 Franken kostet.

Keystone/AP/Axel Heimken

Der Boykott von 13 ausländischen Zeitschriften durch Coop hat Bewegung in einen seit Jahren schwelenden Streit gebracht. Der Verhandlungspartner des Grossverteilers, die Vertriebsorganisation 7 Days, schliesst Preissenkungen nicht kategorisch aus. Das Unternehmen sei nicht für Preissenkungen verantwortlich, gehe aber davon aus «dass die Verlagshäuser nach einer Analyse des Wettbewerbsumfeldes sowie einer Prognose entsprechende Entscheide fällen werden», wie aus einer Stellungnahme vom Dienstag hervorgeht. Wichtig für die künftige Preisgestaltung seien auch die Annahmen der SNB zum mittelfristigen Wechselkurs.

Für Coop sei eine Preisanpassung in der Grössenordnung von 10 bis 20 Prozent realistisch, sagte Coop-Vize Philipp Wyss. Dies bewege sich im Rahmen des Möglichen, bestätigt Reto Föllmi, Professor am Schweizerischen Institut für Aussenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität St. Gallen auf Anfrage.

«Zu hoch gepokert»

Föllmi zufolge hätten «die ausländischen Verleger von «Spiegel», «Gala», oder «Mickey Maus» eine «Schmerzgrenze» überschritten und mit ihrer Preisdifferenzierung «zu hoch gepokert». Auch er ist sich sicher, dass die Verlage den Schweizer Konsumenten preislich entgegenkommen werden. «Ich denke, wir werden bald Preisanpassungen bei ausländischen Zeitschriften sehen», erklärt er im Gespräch mit 20 Minuten.

Die jüngsten Währungsentwicklungen und die Frankenaufwertung hatten Coop am Montag bewogen, mit den europäischen Verlagen über die Weitergabe von Eurovorteilen zu verhandeln. Doch die Publikationshäuser haben trotz langwierigen Verhandlungen auf stur geschaltet. Das hat den Grossverteiler geärgert. «Wer nicht hören will, muss fühlen», erklärt Coop-Vize Philipp Wyss im Interview mit 20 Minuten. Dafür nehme er auch in Kauf, dass er «derzeit einen Vertrag breche». Eine Aktion, für welche Coop viel Zuspruch erhält. Und sie wirkt auch: Die italienische «Vogue» etwa hat Coop bereits ein Einlenken signalisiert.

Mehr als nur Signalwirkung

Durch die Aktion von Coop «ins Rampenlicht gerückt», seien dem Konsumenten die hohen Preise deutlich bewusst.

Darüber ist auch Preisüberwacher Stefan Meierhans froh. Die Bemühungen des Detailriesen wiesen auf eine «Diskriminierung» hin, die in der Schweiz schon seit Jahren herrsche. Meierhans hofft, dass der Boykott von 13 Heftli durch Coop nicht nur eine Symbolwirkung zeige. Immerhin treffe Coops Auslistung bei weitem nicht das ganze Sortiment von 4500 bis 5000 Zeitschriftentiteln in der Schweiz.

Nach der Aufhebung der Europreisbindung durch die Schweizerische Nationalbank im Januar hatte Coop ihre Lieferanten aufgefordert, Währungsgewinne uneingeschränkt weiterzugeben. Einige haben dies umgehend getan, so etwa Haribo, Playmobil oder Uhu. Nicht so deutsche Zeitschriften. Diese kämpfen seit Jahren mit sinkenden Käuferzahlen. Der deutsche Fiskus greift den Printmagazinen mit einem reduzierten Mehrwertsteuersatz unter die Arme.

Valora als lachende Dritte?

Coop ist der zweitgrösste Heftli-Verkäufer der Schweiz. Durch die Auslistung hat sich der Konzern selbst aus dem Rennen genommen. Valora könnte die lachende Dritte sein. Denn sie befindet sich gegenüber den Verlagen in einer guten Verhandlungsposition, so Föllmi. «Wenn aber eine Übereinkunft mit Valora erzielt wurde, werden wohl auch die Verhandlungen mit Coop wieder ins Rollen kommen», erklärt der Wirtschaftsprofessor.

Deine Meinung