Aktualisiert 30.06.2018 18:20

Nati in ToljattiHeidi und ein Bomben-Hund

Fast drei Wochen sind die Schweizer Nationalspieler schon in Russland. Ein Blick in ihre zurückgezogene Welt.

von
Florian Raz, Toljatti
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Breel Embolo am Privatstrand des Lada-Resort, das die Schweizer Nationalmannschaft ganz für sich alleine hat.

Breel Embolo am Privatstrand des Lada-Resort, das die Schweizer Nationalmannschaft ganz für sich alleine hat.

Keystone/Laurent Gillieron
Ein Küsschen von der Hoteldirektorin für den frisch gebackenen Vater.

Ein Küsschen von der Hoteldirektorin für den frisch gebackenen Vater.

Nette Aussicht vom Nati-Hotel auf die Wolga.

Nette Aussicht vom Nati-Hotel auf die Wolga.

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Der Empfang ist eher sowjetisch geprägt. Drei Sicherheitsleute in Tarnfarben, eine Maschinenpistole, ein Schäferhund.

Wer ins Lada Resort will, in dem die Schweizer Nationalmannschaft während der WM ihr Lager aufgeschlagen hat, muss erst aus seinem Auto aussteigen, während es nach, ja, nach was eigentlich, durchschnüffelt wird. Waffen? Sprengstoff? Drogen? Und ist der Wagen durchsucht, kann es sein, dass man trotzdem zu Fuss weitermarschieren darf.

Die Schweizer haben sich eine abgelegene Unterkunft in einer abgelegenen Stadt ausgesucht. Das lag auch daran, dass sie etwas spät dran waren mit ihrer Wahl.

Petkovic wähnte sich in Weissrussland

Als Nationaltrainer Vladimir Petkovic im Winter vor Ort war, um sich alles anzuschauen, dachte er, er sei «in Weissrussland». So sagt er es, weil bei minus 25 Grad alles von Schnee und Eis bedeckt war. Als Ricardo Rodriguez im Sommer ankam in diesem Toljatti, da durchzuckte es ihn: «Wo sind wir denn hier gelandet?»

Aber die Schweizer haben sich eingelebt. Sie fühlen sich fast schon ein wenig zuhause in ihrem Hotel direkt an der Wolga, in dem sie die einzigen Gäste sind. Rodriguez sagt zur Wahl: «Die haben das gut gemacht.»

Drei dicke Küsse für Embolo

Am Donnerstagabend gab es ein Barbecue in der Lounge am Fluss. Die Hotelmitarbeiter sollen sich extrem gefreut haben, dass die Schweizer mindestens noch ein paar Tage bleiben. Und wenn Breel Embolo als frisch gebackener Vater zurück kommt, erhält er von der Hoteldirektorin drei dicke Küsse auf die Backen gedrückt.

Am Freitag blieben die meisten Schweizer an ihrem freien Tag im Hotel und pokerten, spielten Ping-Pong – oder taten für einmal einfach gar nichts. Und ein paar wagten sich sogar aus ihrem bewachten Lager, um in Toljatti einen Ort zu entdecken, der so total anders ist als jede Stadt in Westeuropa.

Die Party am «italienischen Strand»

Sogar eine kleine Ausstellung gibt es hier, unterstützt von der Schweizer Botschaft. An der wird etwa erklärt, dass Bildhauer Alberto Giacometti kein Italiener war – sondern Schweizer. Und manchmal läuft Heidi auf Russisch.

Die Nationalspieler waren noch nie da. Dafür waren Stephan Lichtsteiner und einige andere spontan letzten Sonntag an einem Fest am «italienischen Strand», der gleich neben ihrem Lada-Resort liegt.

Doch, doch, die Schweizer haben sich ganz gut eingelebt in dieser Welt, die sich auch noch nach drei Wochen noch so fremd anfühlen kann.

Und die meiste Zeit befinden sie sich sowieso in ihrer eigenen Welt mit Training, Regeneration und Matches. In einem Tunnel, der sie noch weit bringen soll an dieser Weltmeisterschaft.

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