Aktualisiert 08.02.2010 09:23

American FootballHeilige von New Orleans gewinnen Super Bowl

Die New Orleans Saints gewannen erstmals in ihrer 43-jährigen Vereinsgeschichte den Super Bowl. Im Final in Miami schlugen sie die leicht favorisierten Indianapolis Colts nach 0:10-Rückstand noch 31:17.

Die New Orleans Saints haben erstmals in ihrer 43-jährigen Vereinsgeschichte den Super Bowl gewonnen.

In der 44. Auflage des Finals um die amerikanische Meisterschaft setzte sich die Mannschaft um Quarterback Drew Brees bei ihrer ersten Super-Bowl-Teilnahme mit 31:17 (6:10) gegen die Indianapolis Colts durch.

Brees, der im Final zum wertvollsten Spieler gewählt wurde, leitete zwei Touchdowns ein und stellte so sein Gegenüber Peyton Manning in den Schatten. Manning leitete mit einem Fehlpass wenige Minuten vor Schluss die Niederlage ein und verpasste somit nach 2007 seinen zweiten Super-Bowl-Triumph mit den Colts in Miami. Die beiden Pass-Artisten lieferten sich ein Duell auf höchstem Niveau: Brees gelangen 32 von 39 Pässe, während bei Manning 31 Pässe ankamen, einer führte zum Touchdown.

Die Colts waren als leichte Favoriten ins Rennen gegangen. Doch die Saints hatten die Gunst der neutralen Zuschauer auf ihrer Seite, weil sie vier Jahre nach dem zerstörerischen Hurrikan «Katrina» für die Auferstehung von New Orleans stehen.

Erstmals seit 1993 trafen in der Super Bowl wieder die beiden herausragenden Teams der Qualifikation aufeinander. In Miami standen sich die New Orleans Saints und die Indianapolis Colts im Duell um die prestigeträchtigste Sport-Trophäe Nordamerikas gegenüber.

New Orleans stand in der Nacht auf Montag erstmals in der 43-jährigen Vereinsgeschichte im Final der National Football League (NFL). Knapp viereinhalb Jahre nach dem verheerenden Hurrikan «Katrina» hat die Metropole am Mississippi alleine schon deshalb wieder Grund zum Jubeln.

Der Sachschaden wegen des Hurrikans betrug rund 81 Milliarden Dollar. Zwei Brüche im Deichsystem führten in New Orleans dazu, dass bis zu 80 Prozent des Stadtgebietes bis zu 7,60 Meter tief unter Wasser standen.

Der legendäre Superdome, die Heimspiel-Stätte der Saints, hatte den Sturm überstanden und den obdachlos gewordenen Bürgern der Stadt als erster Zufluchtsort gedient. Wegen Plünderungen und Verwüstungen mussten die Saints in der darauffolgenden Saison ihre Heimspiele allesamt auswärts austragen. Zwischenzeitlich stand gar ein Umzug der NFL-Franchise nach San Antonio zur Debatte.

Nicht nur wegen «Katrina», der 1800 Menschenleben forderte, liegen die Sympathien in den USA vorwiegend bei den Saints. New Orleans steht für eine Ansammlung von Spielern, die anderswo in der NFL aussortiert wurden. Quarterback Drew Brees steht als Sinnbild dafür. Der heute 31-Jährige kam 2006 nach überstandener Schulterverletzung als Reserve-Spielmacher von den San Diego Chargers. Mittlerweile gilt Brees in New Orleans nicht bloss als absoluter Leistungsträger, sondern auch als «Community Leader». Der ungemein zugängliche Sportler gibt die Anerkennung gerne zurück: «Die Menschen in New Orleans haben mich und meine Frau in einer Art und Weise aufgenommen, die für mich unbeschreiblich warmherzig ist. Ich möchte ihnen dafür nichts weniger als den Titel zurückschenken.»

'Mini-Katrina' in Miami

Starke Regenfälle und ein Unfall beim Aufbau der Bühne für die Halbzeitshow hatten die Vorbereitung auf den 44. Super Bowl überschattet. Während einer Probe für den Auftritt der Altrocker «The Who» brach ein Teil der Bühnenkonstruktion ausserhalb des Stadions zusammen. Vier Menschen wurden verletzt und mussten ins Spital gebracht werden.

Den Teams hatten nach ihrer Ankunft im «Sunshine State» die Witterungsbedingungen zu schaffen gemacht. Aufgrund der Regenfälle musste die erste Trainingseinheit der Saints in einer Halle stattfinden. «Wir werden dem Sturm standhalten. Schliesslich wissen wir, wie man das macht», meinte Drew Brees in Anspielung an die Hurrikan-Katastrophe von 2005.

Auch Indianapolis' Quarterback Peyton Manning reagierte mit Galgenhumor auf das schlechte Wetter. «Ich weiss nicht warum, aber wir scheinen den Regen nach Miami zu bringen», meinte der 33- Jährige, der mit seinem Team bereits 2007 den Super Bowl in Miami gewonnen und sich auch beim damaligen 29:17-Sieg gegen die Chicago Bears heftigem Niederschlag ausgesetzt gesehen hatte. Für die 44. Super Bowl am Sonntag besteht nach Angabe der Meteorologen aber nur ein 20-prozentiges Regenrisiko.

Saints Defensiv-Koordinator Gregg Williams sorgte bereits im Vorfeld für Aufsehen, weil er ankündigte, dass Colts-Quarterback Peyton Manning durch die Abwehrformation von New Orleans ein paar «Erinnerungen» verpasst bekäme. Mit anderen Worten, die Verteidiger sollen bei den Anspielen möglichst schnell bis zum gegnerischen Spielmacher vorpreschen und diesen möglichst unsanft zu Fall zu bringen.

«Allerdings spielt er sehr schnell ab», schränkte Williams ein. Was gleichzeitig die Möglichkeit einer Interception (Ballbesitz-Wechsel nach Saints-Abfang) erhöhen sollte. Die Colts beurteilen dies freilich als Trashtalk und tun es als Wunschdenken ab. Schliesslich gilt Manning als körperlich robust (1,97 m/100 kg). «Peyton ist der fitteste Quarterback der gesamten Liga. Und er hat stählerne Nerven», betont Jim Caldwell, der bereits im achten Jahr Headcoach der Colts ist.

Manning ist auf Grund seiner bisherigen Saison-Leistung zum vierten Mal zum wertvollsten Spieler der NFL gewählt worden und damit alleiniger Rekordhalter in dieser Kategorie. Zudem hat er nun als erster NFL-Quarterback in 10 Saisons Zuspiele von jeweils über 4000 Yards geworfen. Daneben führte er sein Team zu insgesamt 23 Siegen in Serie in der Regular Season - als erstem NFL-Quarterback überhaupt.

Statt Manning standen am Sonntag die Vereinigten Staaten still. Weltweit hatten 162 Millionen TV-Zuschauer den letztjährigen Triumph der Pittsburgh Steelers mit Ben Roethlisberger miterlebt. In diesem Jahr wird der NFL-Final in 230 Länder weltweit übertragen. Rund drei Millionen Dollar kostet auch in diesem Jahr ein 30-Sekunden-Spot.

(si)

Die NFL-Champions seit Einführung der Super Bowl 1967

1967: Green Bay Packers 1968: Green Bay Packers 1969: New York Jets 1970: Kansas City Chiefs 1971: Baltimore Colts 1972: Dallas Cowboys 1973: Miami Dolphins 1974: Miami Dolphins 1975: Pittsburgh Steelers 1976: Pittsburgh Steelers 1977: Oakland Raiders 1978: Dallas Cowboys 1979: Pittsburgh Steelers 1980: Pittsburgh Steelers 1981: Oakland Raiders 1982: San Francisco 49ers 1983: Washington Redskins 1984: Los Angeles Raiders 1985: San Francisco 49ers 1986: Chicago Bears 1987: New York Giants 1988: Washington Redskins 1989: San Francisco 49ers 1990: San Francisco 49ers 1991: New York Giants 1992: Washington Redskins 1993: Dallas Cowboys 1994: Dallas Cowboys 1995: San Francisco 49ers 1996: Dallas Cowboys 1997: Green Bay Packers 1998: Denver Broncos 1999: Denver Broncos 2000: St. Louis Rams 2001: Baltimore Ravens 2002: New England Patriots 2003: Tampa Bay Buccaneers 2004: New England Patriots 2005: New England Patriots 2006: Pittsburgh Steelers 2007: Indianapolis Colts 2008: New York Giants 2009: Pittsburgh Steelers

Meiste Siege:

Pittsburgh Steelers 6 Dallas Cowboys 5 San Francisco 49ers 5 New York Giants 3 New England Patriots 3 Oakland/Los Angeles Raiders 3 Washington Redskins 3 Green Bay Packers 3 (si)

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