Heiliger Kitsch
Aktualisiert

Heiliger Kitsch

«Es war einmal eine Prostituierte namens Maria.» Das fängt ja schon mal gut an. Prostitution zieht immer. Und dann heisst sie noch Maria. Spätestens seit dem «Alchimisten» dürfte Paulo Coelho weltbekannt sein. Tränengenetzte Seiten werden auch hier die Folge von mitfühlender Lektüre sein. Der Roman «Elf Minuten» wird die Erwartungen erfüllen, mehr nicht. Er eckt nicht an, er erzürnt nicht. Ein armes brasilianisches Landmädchen macht sich auf nach Genf, um Tänzerin zu werden, wird Hure, findet, weil sie im Herzen eigentlich gut ist, einen ebenso guten Mann fürs Leben, der sie aus ihrem dunklen Dasein reisst. Kitsch-as-Kitsch-can. Das Buch als elf Minuten Sex. Der Leser als Voyeur. Der Autor als Zuhälter. Bezeichnend für diese Prüderie ist, dass Coelho sich in einem Nachwort dafür entschuldigt, ein derart heikles Thema überhaupt aufgegriffen zu haben. Die gerührten Leserinnen und Leser werden es dem Schriftsteller verzeihen.

pat

Info

Paulo Coelho, «Elf Minuten», Roman. Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann. Diogenes, Zürich 2003, 286 Seiten, 34.90 Franken.

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