Aktualisiert 14.05.2012 08:50

Nicht mehr erwünschtHeilsarmee wirft Lesbe raus

Die Heilsarmee kündigte einer lesbischen Kaderfrau, weil diese mit einer Mitarbeiterin liiert ist. Die Organisation verweist auf verbindliche «biblische Grundsätze».

von
Roman Hodel
Keine Toleranz gegenüber homosexuellen Beziehungen: Die Heilsarmee. (Archivbild)

Keine Toleranz gegenüber homosexuellen Beziehungen: Die Heilsarmee. (Archivbild)

Für Kadermitarbeiter der Heilsarmee gelten strenge Regeln: Die Leiterin einer Zürcher Behinderteneinrichtung erhielt im April die Kündigung, nachdem sie über ihre intime Beziehung zu einer Mitarbeiterin informiert hatte. «Die Heilsarmee toleriert keine ausserehelichen und gleichgeschlechtlichen Verbindungen von Führungskräften mit Mitarbeitenden», hiess es in einem E-Mail an alle Mitarbeitenden.

«Ich finde es erschreckend, dass man in der heutigen Zeit noch so intolerant gegenüber Lesben sein kann», sagt Anita Wymann, Co-Präsidentin der Lesbenorganisation Schweiz. Auch beim Kanton, der die soziale Einrichtung mitfinanziert, ist man empört: «Doch wir können die Anstellungsbedingungen in privaten Bereichen nicht beeinflussen», sagt Christine Luchsinger, Leiterin Kinder- und Jugendhilfe, der «NZZ am Sonntag». Würde die Frau die Kündigung gerichtlich anfechten, hätte sie laut Arbeitsrecht-Spezialist Frank Emmel zwar gute Chancen durchzukommen. Dies obwohl die Heils­armee als «Tendenzbetrieb» gelte, dessen Angestellte hinter den geistig-ideellen Grundsätzen ihres Arbeitgebers stehen müssten.

Heilsarmee-Sprecher Martin Künzi präzisiert: «Eine Führungskraft muss die biblischen Grundsätze nach Interpretation der Heilsarmee mittragen – wir haben uns auch schon von einem Kadermann getrennt, der ausserehelich eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin unterhielt.» Trotzdem bedauert Künzi die jüngste Kündigung: «Die Kaderfrau war kompetent und geschätzt.» Ihre Freundin arbeitet übrigens noch bei der Heilsarmee – bei normalen Angestellten ist man laut Künzi grosszügiger.

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