Frankreich: Verbot und Freiheitsstrafe für umstrittene Konversiontherapien
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Umstrittene Konversionstherapien«Heilung» von LGBTIQ-Menschen – Frankreich plant Haftstrafen für Therapie-Anbieter

In der Schweiz wurden kürzlich zwei Vorstösse eingereicht, die sogenannte Konversionstherapien verbieten wollen. In Frankreich sollen Anbieter solcher «Therapien» künftig ins Gefängnis wandern.

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Sogenannte Konversiontherapien haben zum Ziel, homosexuelle Menschen «umzupolen».

Sogenannte Konversiontherapien haben zum Ziel, homosexuelle Menschen «umzupolen».

20min/Simon Glauser
SP-Nationalrat Angelo Barrile fordert ein schweizweites Verbot von Konversionsmassnahmen. Das Vorstandsmitglied von Pink Cross hat eine parlamentarische Initiative eingereicht.

SP-Nationalrat Angelo Barrile fordert ein schweizweites Verbot von Konversionsmassnahmen. Das Vorstandsmitglied von Pink Cross hat eine parlamentarische Initiative eingereicht.

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Auch SP-Nationalrätin Sarah Wyss hat eine entsprechende parlamentarische Initiative eingereicht, die ein Verbot von Konversionsmassnahmen fordert.

Auch SP-Nationalrätin Sarah Wyss hat eine entsprechende parlamentarische Initiative eingereicht, die ein Verbot von Konversionsmassnahmen fordert.

sarahwyss.ch

Darum gehts

  • Konversiontherapien sollen in der Schweiz verboten werden.

  • Frankreich plant nun sogar Freiheitsstrafen für Anbieter solcher «Therapien».

  • Eine Untersuchung zeigte, dass es in Frankreich 2019 mehrere Hundert Fälle gab.

  • Der Gesetzesentwurf geht nun in den Senat.

SP-Nationalrätin Sarah Wyss und SP-Nationalrat Angelo Barrile, Vorstandsmitglied von Pink Cross, haben kürzlich jeweils eine parlamentarische Initiative für ein Verbot von sogenannten Konversionshandlungen eingereicht. Diese haben zum Ziel, mittels umstrittener Psychotherapien die homosexuelle Veranlagung eines Menschen in eine heterosexuelle Neigung zu verändern.

In Deutschland und Österreich wurden in den letzten Jahren Massnahmen verboten, die das Ziel haben, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von LGBTIQ-Menschen zu verändern oder zu unterdrücken.

Das Gesetz könne «Leben retten»

Frankreich will nun noch einen Schritt weiter gehen und solche «Therapien» für Homosexuelle mit Gefängnisstrafen belegen. Die Nationalversammlung verabschiedete am späten Dienstagabend einen Gesetzentwurf, nach dem Konversionstherapien mit zwei Jahren Gefängnis bestraft werden sollen. Dieses Gesetz könne «Leben retten», sagte die Staatssekretärin für Chancengleichheit, Elisabeth Moreno, während der Debatte. «Da gibt es nichts zu heilen», betonte sie. «Man darf nicht versuchen, die sexuelle Identität oder Orientierung von Menschen zu ändern», fügte sie hinzu.

Faktisch sind solche Versuche in Frankreich bereits strafbar. Mit dem Gesetzesentwurf der Mehrheitspartei LREM soll jedoch ein neues Delikt ins Strafgesetz aufgenommen werden. Die Freiheitsstrafe soll auf drei Jahre steigen, wenn Minderjährige betroffen sind oder der Täter zur eigenen Familie zählt.

Das Ausmass solcher Praktiken in Frankreich ist schwer abzuschätzen. Eine Untersuchungskommission erwähnte 2019 mehrere Hundert Fälle. Die Zahl der Hinweise nehme aber zu, hiess es. Die meist kostenpflichtige «Behandlung» kann Hypnose, die Einnahme von Hormonen oder Elektroschocks beinhalten. Auch Exorzismen und Zwangsehen sind möglich. Der Gesetzesentwurf geht nun in den Senat, die zweite Kammer des französischen Parlaments.

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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(afp/job)

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