BDP-Vorstoss: «Heilung» von Schwulen soll verboten werden
Aktualisiert

BDP-Vorstoss«Heilung» von Schwulen soll verboten werden

Dubiose Therapeuten versprechen auch in der Schweiz, Homosexualität zu kurieren. Nun soll der Bundesrat betroffene Jugendliche schützen.

von
J. Büchi
Laut Schwulenverbänden gibt es vor allem im religiösen Umfeld Bestrebungen, Homosexuelle umzupolen.

Laut Schwulenverbänden gibt es vor allem im religiösen Umfeld Bestrebungen, Homosexuelle umzupolen.

Keystone/AP/Matt Slocum

«Als mir zugetragen wurde, dass es noch solche Therapien gibt, habe ich Hühnerhaut bekommen», sagt BDP-Fraktionschefin Rosmarie Quadranti. «Ich dachte: Das darf in der Schweiz im 21. Jahrhundert doch nicht wahr sein.» Die Rede ist von Heilern, die Homosexuelle von ihrer «Andersartigkeit» kurieren wollen.

In einem politischen Vorstoss verlangt Quadranti ein Verbot solcher Therapien bei Minderjährigen. Wenn ein erwachsener Mensch sich einer Behandlung unterziehen wolle, sei das seine Sache. Aber Jugendliche, die eventuell von den Eltern oder Drittpersonen unter Druck gesetzt würden, müssten geschützt werden. «Für die Betroffenen sind die Therapien mit unendlichem Leid verbunden», so Quadranti. Die Suizidrate sei bei schwulen und lesbischen Jugendlichen ohnehin erhöht. «Wir dürfen es nicht verantworten, dass selbsternannte Heiler Teenager in der Pubertät in den Selbstmord treiben.»

«Psychologische Vergewaltigung»

Stephan Bischof, Vorstandsmitglied beim Schweizer Dachverband der Schwulen Pink Cross, kennt mehrere Fälle von Betroffenen. Viele seien 13 oder 14 Jahre alt, wenn sie von den Eltern in die Therapie geschickt würden. Praktisch alle stammten aus dem religiösen Umfeld. «Die meisten bewegen sich in fundamental-evangelischen oder evangelikalen Kreisen. Ich kenne aber auch zwei Fälle aus dem katholischen Milieu.» Dort würden die Namen von Heilern, welche sich auf den «Umgang mit homosexuellen Gefühlen» spezialisiert haben, unter der Hand weitergegeben.

«Was mich selber sehr überrascht hat, ist, dass es sich nicht nur um selbsternannte Therapeuten handelt, sondern teilweise auch um Psychologen mit staatlichem Diplom», so Bischof. «Es ist pervers, was diese Leute mit schutzbedürftigen Teenagern machen.» Den Betroffenen werde gesagt, sie müssten nur genug Willensstärke an den Tag legen – «dabei ist ja wissenschaftlich bewiesen, dass Homosexualität nichts ist, was man sich aussucht». In den USA würden gar Elektroschock-Therapien angewandt, solche Fälle seien in der Schweiz glücklicherweise nicht bekannt.

Neues Gesetz nötig?

Wer im Internet nach «Heilung Homosexualität» in der Schweiz sucht, wird schnell fündig. Eine Organisation wendet sich etwa direkt an Menschen, «die sich eine Veränderung ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung wünschen». Auf der Website heisst es: «Heute gibt die Schwulenbewegung (...) das Denkverbot: lebe es aus, ein anderer Weg ist nicht denkbar. Wer anders denkt, wird mundtot gemacht. Bei mir sollen SIE erspüren, was ihr innerer Konflikt ist und wie Sie damit umgehen wollen.»

In ihrem Vorstoss will Rosmarie Quadranti vom Bundesrat wissen, ob Therapien gegen Homosexualität heute bereits strafbar sind – ob etwa der Straftatbestand der Nötigung erfüllt ist. «Wenn nicht, dann muss geprüft werden, ob gesetzliche Anpassungen nötig sind.»

ICF sieht kein Problem

Für Nicolas Legler, Sprecher der Freikirche ICF, ist diese Diskussion «bedenklich»: «Jeder Mensch soll selber entscheiden, welche Therapien er für sich in Anspruch nehmen möchte.» Es sei eine krasse Bevormundung, wenn die Politik diktiere, welche Behandlungen «genehm sind». Legler kennt mehrere ICF-Besucher, die eine solche Therapie besucht haben. «Ich gehe davon aus, dass sie das aus freien Stücken gemacht haben – ICF übt jedenfalls keinerlei Druck aus.»

Die wissenschaftliche Darstellung, dass Homosexualität angeboren sei, sei nicht unbestritten: «Es gibt durchaus

Betroffene, die von einer erfolgreichen Behandlung berichteten.»

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