Hombrechtikon ZH: Heim verteilt impfskeptischen Flyer an die Bewohner
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Hombrechtikon ZHHeim verteilt impfskeptischen Flyer an die Bewohner

Statt den Informationen von Bund und Kanton liegt einem Schreiben an die Bewohner des Alterszentrums Sonnengarten in Hombrechtikon ein impfskeptischer Flyer bei. Das sorgt für Kritik.

von
Thomas Mathis
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Über die anstehende Impfung hat auch das Alters- und Pflegezentrum Sonnengarten in Hombrechtikon informiert.

Über die anstehende Impfung hat auch das Alters- und Pflegezentrum Sonnengarten in Hombrechtikon informiert.

20min / Taddeo Cerletti
Dem Schreiben lag statt den Informationen des Kantons ein impfskeptischer Flyer bei.

Dem Schreiben lag statt den Informationen des Kantons ein impfskeptischer Flyer bei.

20min / Taddeo Cerletti
«Wir motivieren unsere Bewohnenden, sich so breit und vielseitig wie möglich zu informieren und sich aktiv mit dem Thema Impfen auseinanderzusetzen», sagt der Heimleiter.

«Wir motivieren unsere Bewohnenden, sich so breit und vielseitig wie möglich zu informieren und sich aktiv mit dem Thema Impfen auseinanderzusetzen», sagt der Heimleiter.

Reuters

Darum gehts

  • Ein Heim in Hombrechtikon hat seine Bewohner über die Impfkampagne informiert.

  • Dem Schreiben lag ein Flyer vom deutschen Verein «Ärzte für individuelle Impfentscheidung» bei.

  • Das Vorgehen stösst beim Kanton auf Kritik.

In den Alters- und Pflegezentren im Kanton Zürich werden Bewohnerinnen und Bewohner gegen das Coronavirus geimpft. Das Heim Sonnengarten in Hombrechtikon sorgt dabei für Irritation, wie die «Neue Zürcher Zeitung» berichtet. In einem Schreiben informierte die Leitung die Bewohnerinnen und Bewohner Anfang Januar über die Impfkampagne. «Sie werden in den nächsten Wochen für sich selber entscheiden, ob Sie sich impfen lassen wollen oder nicht», heisst es darin.

Beigelegt ist dem Schreiben laut dem Bericht aber nicht das Informationsmaterial von Bund und Kanton, sondern ein Papier vom deutschen Verein «Ärzte für individuelle Impfentscheidung». Im Flyer heisst es demnach etwa, dass die Impfstoffe auf neuartigen Technologien basierten, «die tief in Steuerungs- und Regulationsvorgänge des menschlichen Körpers eingreifen». Und: «Die bisherigen Studien zu den aktuellen Impfstoffkandidaten (Stand November 2020) genügen diesen Sicherheitsansprüchen in keiner Hinsicht.»

Laut dem Bericht wird der Verein von Beobachtern dem impfskeptischen Lager zugeordnet. Auch Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, hält das Informationsmaterial teilweise für unsachlich und einseitig, wie er der Zeitung sagt.

«So vielseitig wie möglich informieren»

Heimleiter Franz-Josef Oggier lässt sich schriftlich zitieren: «Wir motivieren unsere Bewohnenden, sich so breit und vielseitig wie möglich zu informieren und sich aktiv mit dem Thema Impfen auseinanderzusetzen.» Den Impfprozess behandle man intern wie extern vertraulich. «Wir möchten dadurch eine moralische Urteilsbildung betreffend impfwilligen Bewohnenden und solchen, die sich nicht impfen lassen wollen, vermeiden.» Er hält jedoch auch fest, dass er die Impfstrategie von Bund und Kantonen für sinnvoll hält.

Bei der Zürcher Gesundheitsdirektion heisst es, dass man das Vorgehen der Heimleitung als kritisch beurteile, wenn diese die offiziellen Informationen der Gesundheitsdirektion nicht auch zur Verfügung gestellt habe. Die Verantwortlichkeit für medizinische Massnahmen und die damit einhergehende umfassende Aufklärungspflicht gebiete eine objektive Information.

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