Heimliche Handy-Horcherin muss nicht vor Gericht
Aktualisiert

Heimliche Handy-Horcherin muss nicht vor Gericht

Eine Luzernerin hat sich nicht strafbar gemacht, als sie via Handy den Streit einer Kollegin mit ihrem Chef belauscht hat.

Das Bundesgericht hat ihre Verurteilung zu 100 Franken Busse durch das Luzerner Obergericht aufgehoben.

Die Angestellte eines zahntechnischen Labors hatte mit ihrem Chef im Eingangsbereich der Praxis einen lauten Streit geführt. Im Verlauf der Auseinandersetzung wählte sie auf dem Handy in ihrer Tasche heimlich die Nummer einer Freundin. Die Angerufene gab das Telefon einer Kollegin weiter, die den Streit so mitverfolgte.

Gerät nicht in Betrieb gesetzt

Die Luzerner Justiz verurteilte sie dafür wegen Abhörens fremder Gespräche zu 100 Franken Busse. Zu Unrecht, wie nun das Bundesgericht entschieden hat. Laut den Lausanner Richtern steht zwar fest, dass das Handy als Abhörgerät verwendet wurde und das Streitgespräch trotz offener Treppenhaustür nicht öffentlich war.

Für einen Schuldspruch sei indessen erforderlich, dass die betroffene Person die technische Abhörvorrichtung selber in Betrieb setze, um danach ein Gespräch mitverfolgen zu können. Das erste dieser beiden Elemente sei hier nicht erfüllt, womit die Verurteilung gegen Bundesrecht verstosse.

Die Frau sei im Übrigen auch nicht verpflichtet gewesen, den Anruf zu beenden, da sie rein zufällig in die Situation der Horcherin geraten sei. Dem Urteil aus Lausanne kann leider nicht entnommen werden, ob und wie die Anruferin selber für ihre Aktion strafrechtlich belangt wurde. (Urteil 6S.64/2007 vom 13.8.2007; BGE- Publikation)

(sda)

Deine Meinung