Aktualisiert 24.06.2004 16:09

Heimliche Rückkehr des deutschen Teams

Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der EM ist die deutsche Fussballnationalmannschaft nach Deutschland zurückgekehrt.

Kurz nach 16 Uhr landete die Maschine aus Portugal auf dem Flughafen in Frankfurt am Main. Rund 250 Fans und Journalisten warteten vergeblich auf die Spieler und den zurückgetretenen Teamchef Rudi Völler. Der DFB-Tross wurde von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Einige Spieler flogen gleich in ihre Heimatstädte weiter.

Völlers Rücktritt stiess im politischen Berlin auf Bedauern. Der scheidende Teamchef sei einer der integersten Sportsmänner, die er kenne, sagte der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Jetzt stehe der Neuaufbau für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland im Vordergrund. «Wir werden ein sehr, sehr guter Gastgeber sein», sagte der Kanzler.

Bundespräsident Johannes Rau dankte Völler in einem Brief: «Für die Art und Weise, wie Sie dies verantwortungsvolle Amt ausgefüllt haben, möchte ich Ihnen meine Anerkennung und meinen Respekt aussprechen.»

Vor allem SPD-Politiker zeigten für das Ausscheiden des deutschen Teams Verständnis und Mitgefühl. SPD-Chef Franz Müntefering sagte: «Ich kenn' das, wenn man verliert.» Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget verglich im Bayerischen Rundfunk die Situation der SPD mit jener der Nationalmannschaft. Man müsse die Ärmel hochkrempeln und wieder neu aufbauen. Ein Land müsse sich etwas zutrauen, auch mal experimentieren, denn nicht immer sei das Alte und Bewährte das Richtige.

Auch CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer zog Parallelen zur Politik: «Wer wieder ganz vorne mitspielen will, darf nicht nur an Einzelheiten herumkurieren, sondern muss mutig und entschlossen den Neuanfang wagen.»

Kritische Worte kamen von den Grünen: Der deutsche Fussball sei international gesehen allenfalls Mittelmass, sagte der sportpolitische Sprecher Winfried Hermann. Es sei wie beim Pisa-Test. Nun räche sich, dass Deutschland die systematische Nachwuchsarbeit vernachlässigt habe.

Zahlreiche deutsche Anhänger erwiesen sich als schlechte Verlierer. Nach dem EM-Aus randalierten rund 150 frustrierte so genannte Fans in der Hamburger Innenstadt. Die Polizei nahm in der Nacht vorübergehend vier Personen fest, weitere 23 wurden in Gewahrsam genommen.

In Gronau an der deutsch-niederländischen Grenze zog unmittelbar nach dem Aus für die deutsche Mannschaft eine Truppe von etwa 20 angetrunkenen Jugendlichen zur holländischen Grenze, wo sich bereits eine Gruppe niederländischer Fans formiert hatte. Die Polizei stoppte die Fans, eine Person wurde vorübergehend festgenommen.

In Velbert wurde nach Spielende ein am Strassenrand geparktes Auto mit niederländischen Kennzeichen an beiden linken Kotflügeln und an der hinteren linken Fahrzeugtüre mit Fusstritten stark beschädigt, der Schaden lag bei etwa 2.000 Euro.

Für Portugal zogen die deutschen Ordnungskräfte aber bislang ein positives Fazit: Polizeibeamte aus neun Bundesländern hätten in Portugal bislang erfolgreich mitgeholfen, Ausschreitungen zu verhindern, teilte das nordrhein-westfälische Innenministerium mit. Die portugiesische Polizei habe mit Hilfe dieser Beamten elf deutsche Randalierer festgenommen. Die enge Kooperation mit der portugiesischen Polizei habe sich bewährt.

Ein deutscher Sieger in Portugal

Trotz des Ausscheidens der Nationalmannschaft gibt es bei der Europameisterschaft einen Sieger aus Deutschland: «Roteiro», der offizielle EM-Ball, ist nach Angaben des Herstellers Adidas der meistverkaufte Fussball aller Zeiten: Mehr als sechs Millionen Exemplare sollen bis Jahresende über den Ladentresen gehen.

Und auch das Fernsehen jubelte: In der Spitze habe die Übertragung in der ARD einen Marktanteil von 80 Prozent erreicht, teilte der Sender mit. Das sei die bislang höchste Einschaltquote bei der Europameisterschaft. (dapd)

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