#BoycottHeineken - Heineken löst Shitstorm mit Pro-Impf-Werbung aus
Publiziert

#BoycottHeinekenHeineken löst Shitstorm mit Pro-Impf-Werbung aus

«Die Nacht gehört den Geimpften», findet Heineken – und setzt sich fürs Impfen ein. Jetzt schütten enttäuschte Fans das Bier den Abfluss runter.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Ein Heineken-Clip zeigt Rentnerinnen und Rentner, die nach der Impfung im Club feiern. Die Botschaft: «Die Nacht gehört den Geimpften. Zeit, sich ihnen anzuschliessen.»

Ein Heineken-Clip zeigt Rentnerinnen und Rentner, die nach der Impfung im Club feiern. Die Botschaft: «Die Nacht gehört den Geimpften. Zeit, sich ihnen anzuschliessen.»

Screenshot Twitter.com/Heineken
Vielen stösst die Werbung sauer auf. Sie vermuten Impfpropaganda.

Vielen stösst die Werbung sauer auf. Sie vermuten Impfpropaganda.

20min/Marvin Ancian
Auf Twitter trendet deshalb der Hashtag #BoycottHeineken.

Auf Twitter trendet deshalb der Hashtag #BoycottHeineken.

REUTERS

Darum gehts

  • Heineken wirbt in sozialen Medien fürs Impfen.

  • Jetzt wittert die Community Impfpropaganda.

  • Viele schütten Heineken den Abfluss runter.

Dass Paul Pogba kein Heineken mag, zeigte der französische Mittelfeld-Spieler an einer Pressekonferenz während der EM, als er eine Flasche der Marke vom Pult verschwinden liess. Das dürfte die Firma einiges an Marktwert gekostet haben.

Nun hat sich Heineken mit einer PR-Aktion fürs Impfen weiteren Ärger eingehandelt. In einem Werbespot in den sozialen Medien zeigt die Firma, wie Seniorinnen und Senioren im Club Party machen. Der Clip endet mit der Botschaft: «Die Nacht gehört den Geimpften. Zeit, sich ihnen anzuschliessen.» Die Kampagne läuft auch in der Schweiz, wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigt.

Dass die zweitgrösste Brauerei der Welt die Impfstoffe feiert, finden einige Nutzerinnen und Nutzer gut, vielen stösst sie aber auch sauer auf und wittern Impfpropaganda. Seit Freitag läuft deshalb ein Shitstorm. Der Hashtag #BoycottHeineken trendet auf Twitter, wie das Wirtschaftsmagazin «Bloomberg» berichtet.

«Das war mein letztes Heineken»

«Jetzt reichts, das war mein letztes Heineken», schreibt ein Nutzer. «Ich werde nie wieder Heineken kaufen», ein Anderer und postet Bilder von anderen Biermarken. Mehrere verärgerte Nutzerinnen und Nutzer laden auch Videos hoch, in denen sie das Bier aus Protest den Abfluss hinunterspülen.

Ein Heineken-Sprecher entgegnet, dass es in der Anzeige darum gehe, das Gastgewerbe zu unterstützen und die Bars und Restaurants wieder sicher zu machen, damit alle wieder zusammen sein können. Immerhin ist das Nachtleben für die Brauereien ein wichtiges Geschäftsfeld.

«Impfungen werden die Menschen befreien»

So ist Heineken auch nicht die einzige Biermarke mit einer solchen Aktion. Budweiser schaltete im Februar zum ersten Mal keine Werbung am Super Bowl und nutzte die Ausgaben stattdessen für Pro-Impf-Kampagnen. «Impfungen werden die Menschen befreien», sagte der damalige Vorstandsvorsitzende Carlos Brito des Budweiser-Produzenten Anheuser-Busch.

Auch der Chef des Konsumgüterkonzerns Unilever weibelt fürs Impfen. Wöchentlich unterzeichnet Alan Jope Briefe an die 150’000 Mitarbeitenden des Unternehmens, in denen er sie auffordert, sich impfen zu lassen, wie er selbst sagte.

So funktionieren die Impfstoffe

mRNA-ImpfstoffDas Coronavirus zeichnet sich durch die Spike-Proteine an seiner Hülle aus. Nachdem die messenger-Ribonukleinsäure (mRNA) in den Muskel gespritzt wurde, nehmen die Körperzellen die mRNA auf und lesen den Bauplan für die Spike-Proteine ab. Danach werden die Spike-Proteine produziert, die der Körper bisher noch nicht kennt. Da der Körper jetzt weiss, wie die Spike-Proteine aussehen, erkennt er das Coronavirus und kann es direkt unschädlich machen. Die mRNAs können im Labor schnell und effizient hergestellt werden. Auch lässt sich die mRNA einfach anpassen – etwa im Fall von Mutationen.

Vektor-ImpfstoffDieser Impfstoff bildet Teile der Hülle des Coronavirus auf einem ungefährlichen Virus nach. Vektor-Impfstoffe sind gentechnisch veränderte und damit harmlose Viren. Die gezielt veränderten Viruspartikel schleusen das genetische Material eines Erregers in Zielzellen ein. Danach gaukelt das genetische Material dem Körper eine Infektion vor, worauf Antikörper produziert werden. Erstmals zugelassen wurden Vektor-Impfstoffe gegen Ebola.

Protein-ImpfstoffAusgewählte Proteine des Krankheitserregers werden verabreicht. Nach der Impfung aktiviert das Erregerprotein das Immunsystem und löst die Herstellung von Antikörpern aus, die den Erreger abwehren. Diese Technologie wird bereits bei der Grippeimpfung oder Hepatitis B eingesetzt.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

161 Kommentare