Gefährlicher Close-up: Heisser Ritt auf der Wolke
Aktualisiert

Gefährlicher Close-upHeisser Ritt auf der Wolke

Mutige Mission: Sieben Flieger und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wollen die Vulkanasche am Himmel über Deutschland aus nächster Nähe untersuchen.

von
Roland Losch
AP

Professor Ulrich Schumann, Leiter des DLR-Instituts für Physik der Atmosphäre, erklärte der Nachrichtenagentur DAPD die gefährliche Mission, die Aschewolke des isländischen Vulkans aus der nähe anzuschauen.

Auf dem Flugplatz Oberpfaffenhofen bei München haben 50 DLR-Mitarbeiter schon seit Freitag Messinstrumente in ein kleines Flugzeug vom Typ Falcon 20E eingebaut. Wichtigstes Gerät ist eine Art Laserkanone namens Lidar. «Wir fliegen zuerst in eine Richtung, wo die Konzentration niedrig ist. Das heisst, wir fliegen oberhalb der Wolke hoffentlich in sauberer Luft», erklärte Schumann. «Dann können wir das von oben beobachten und uns langsam herantasten.»

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Durch ein Flugzeugfenster wollen die Forscher Laserlicht im Infrarotbereich nach unten schiessen - bis zum Boden oder bis zu der Aschewolke. Mit einem Teleskop messen sie dann, wie das Licht gestreut wird. Aus der Laufzeit und der Stärke des Signals können sie Entfernung und Konzentration der Ascheteilchen ablesen.

Vulkan: Darum wurde die Situation so prekär

Das zweistrahlige Forschungsflugzeug kann 12 000 Meter hoch und 3000 Kilometer weit fliegen. Die beiden erfahrenen Piloten haben mit der Falcon schon Wolken von Saharastaub durchflogen und auch sehr dünne Wolken von Vulkanasche aus Japan. Dichte Vulkanasche sei allerdings weit gefährlicher: «Lava kann schmelzen im Triebwerk», erklärte der Professor. «Wie weit wir uns herantasten, entscheidet der Pilot in Absprache mit den Wissenschaftlern. Wir werden nicht direkt hineinfliegen - das wäre ein Hasardeurspiel.»

«Eyja...was?!»

Neben den beiden Piloten und zwei Mechanikern sollen drei Wissenschaftler mit an Bord gehen - wahrscheinlich auch Schumann selbst. Drei bis vier Stunden werde der Messflug über Deutschland dauern. Als Starttermin war der späte Montagnachmittag vorgesehen - «manche sagen, nicht vor 18.00 Uhr», sagte Schumann. Diese Gretchenfrage werde vom Luftfahrtbundesamt mit entscheiden.

Einige Daten werden schon während des Fluges an Kollegen am Boden gefunkt. Erste Ergebnisse seien dann schon einige Stunden später zu erwarten, sagte der Professor. Sobald der Deutsche Wetterdienst verlässliche Daten über die Höhe und Verteilung der Aschewolken bekomme, könne er seine Vorhersage überprüfen.

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