Er wird versteigert: Heisser «Rundschau»-Stuhl wird ausgemustert
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Er wird versteigertHeisser «Rundschau»-Stuhl wird ausgemustert

Fast 20 Jahre lang mussten sich Gäste des SRF-Politmagazins «Rundschau» auf den «heissen Stuhl» setzen, um unbequeme Fragen zu beantworten. Jetzt wird das Möbelstück ausgemustert – und versteigert.

von
lüs

Der «heisse Stuhl» ist das Markenzeichen der SRF-Sendung «Rundschau». Seit 1994 nahmen Wirtschaftsführer, Parteipräsidenten und Bundesräte Platz. Und obwohl er mit schwarzem Leder überzogen ist, war es in dem Stuhl nie gemütlich: Die Interviews, die die «Rundschau»-Moderatoren mit ihren Gästen führten, galten als hart, die Fragen waren oft unangenehm. Nicht jeder blieb ruhig sitzen: 1997 sorgte Swatch-Gründer Nicloas Hayek für Aufsehen, als er sich mitten im Interview erhob und sich locker auf den Rand des Podests setzte, auf dem der Stuhl stand, um das Gespräch mit dem damaligen «Rundschau»-Gesicht Hannes Britschgi weiterzuführen. In jüngster Vergangenheit machte vor allem das Gespräch Furore, das der aktuelle Moderator Sandro Brotz mit Christoph Mörgeli führte – und den SVP-Nationalrat zur mittlerweile legendären Gegenfrage «Sind sie eigentlich vom Aff bisse?» provozierte.

Der heisse Stuhl muss nun im Rahmen des Redesigns der «Rundschau» einer neuen, heissen Theke weichen – an ihr wird am Mittwoch, 21. August 2013, als erster Gast der Luzerner Polizeikommandant Beat Hensler stehen, der derzeit heftig in der Kritik steht.

Moderator Brotz: «Fragen bleiben auch ohne Stuhl unbequem»

Es sei keineswegs so, dass man den Stuhl abschaffe, weil man keine Gäste gefunden habe, die bereit seien, sich auf ihn zu setzen, sagt Moderator Sandro Brotz. Ausgemustert werde er aus einem anderen Grund: «Er ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten und passt nicht mehr ins moderne TV.» Dass Interviewer und Gast einander an der neuen Theke auf Augenhöhe begegnen, sei sicher richtig. «Dies war aber auch schon der Fall, als wir den Stuhl hatten – es hat sich nie jemand beschwert, dass ich auf ihn heruntergeschaut hätte.» An den Gesprächen werde sich aber nichts ändern: «Meine Fragen werden genauso unbequem sein wie vorher und ich werde auch künftig nicht lockerlassen, aber fair bleiben.»

Der Stuhl wird verkauft

Der ausgemusterte Stuhl landet nicht etwa im Sperrmüll, er wird versteigert. Das Mindestgebot beträgt 500 Franken, der Erlös kommt dem Hilfswerk «Reporter ohne Grenzen» zugute, das sich für bedrohte Journalisten einsetzt. Im Einsatz war das Einzelstück seit dem August 2006. Von 1994 bis Sommer 2006 war ein anderes Modell verwendet worden – ein grauer Stuhl mit rotem Polster.

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