Aktualisiert 16.05.2007 12:33

Heisses Eis hinter dem roten Zwerg

Erneut machen Schweizer Astronomen bei der Suche nach Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems von sich reden. Forscher des Observatoriums von St-Luc VS haben einen Planeten identifiziert, der hauptsächlich aus Wasser besteht.

Der Himmelskörper liegt 30 Lichtjahre von der Erde entfernt und dreht sich um den Stern GJ436, einen sogenannten Roten Zwerg. Sein Durchmesser ist viermal so gross wie der der Erde und entspricht damit etwa jenem des Neptun. Die Existenz des Planeten ist bereits seit 2004 bekannt.

Nun ist den Astronomen im Wallis im vergangenen Monat aber der Nachweis gelungen, dass es auf dem Planeten Wasser gibt. «Das ist eine Weltpremiere», sagte der Leiter des Walliser Observatoriums, Frédéric Mallmann, am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Die Beweisführung

In Zusammenarbeit mit der Universität Genf und einem Observatorium in Israel konnte viermal beobachtet werden, wie der Planet zwischen der Erde und dem Roten Zwerg vorbeizog. Bei diesen «Transits» veränderte sich jeweils die Intensität des Lichts, das der Stern ausstrahlt.

Erstmals habe man dank den bei den «Transits» beobachteten Lichtveränderungen die Masse und die Grösse eines «so kleinen» Planeten bestimmen können, sagte Mallmann. Erst die genauere Kenntnis dieser Parameter lasse den Schluss auf die Zusammensetzung des Planeten zu.

Im vorliegenden Fall soll das Wasser in zwei Formen vorkommen: Einerseits in Form von Wasserdampf in der Atmosphäre, andererseits in Form von «heissem Eis» rund um den Kern aus Fels.

«Heisses Eis»

Dieser physikalische Zustand des Wassers kann auf der Erde nur im Labor erzeugt werden. Dass das Wasser auf dem Exo-Planeten diese spezielle Form annimmt, liegt am hohen Druck und der grossen Hitze die dort herrschen.

Der Planet verfügt nämlich über die 22-fache Masse der Erde, was einen enormen Druck zur Folge hat. Zudem steht er seinem Zentralgestirn viel näher als die Erde der Sonne. Der Planet dreht in nur gerade 2,6 Tagen um seinen Stern. Die Temperatur soll deshalb auf dem Planeten etwa 300 Grad betragen.

Für die Astronomen ist die Entdeckung Ausgangspunkt für neue «Abenteuer». Dank Weltraum- und Infrarot-Teleskopen geht es nun darum, die Umlaufbahn des Planeten sowie die Zusammensetzung der Atmosphäre noch genauer zu bestimmen.

Hoffen auf «Ozean-Planeten»

Ausserdem hoffen die Forscher des Observatoriums François-Xavier Bagnoud (OFXB) in St-Luc, mittelfristig so genannte «Ozean- Planeten» zu entdecken. Aus den neusten Erkenntnissen lasse sich schliessen, dass es im Weltall Planeten geben könnte, die ebenfalls recht nahe zu ihrem Zentralgestirn stehen aber dank moderateren Temperaturen von flüssigem Wasser umgeben sind.

Bereits letzten April hatten Schweizer Astronomen mit einer Entdeckung im Weltall auf sich aufmerksam gemacht. Das Team um den Genfer Professor Michel Mayor, das auch an der neusten Beobachtung beteiligt war, hatte eine «Super-Erde» entdeckt.

Dabei handelt es sich um einen Exo-Planeten, der in einem «idealen» Abstand zu seinem Stern und dessen Strahlkraft steht, so dass Leben auf diesem Gestirn theoretisch denkbar ist. Bislang konnte aber auf diesem Planeten noch kein Wasser nachgewiesen werden, da keine «Transits» beobachtet werden konnten. (sda)

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